Kein rohes Fleisch für Kleinkinder und Schwangere

Sebastian

RKI: Kein rohes Fleisch für Kinder, Schwangere, Kranke und Senioren

13.03.2012

Kleinkinder sollten keine rohen Fleischerzeugnisse wie Hackfleisch essen, wie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in einer aktuellen Mitteilung erklärte. Auf den Genuss von rohem Fleisch sollten auch Schwangere, ältere Menschen und Patienten mit einem schwachen Immunsystem verzichten. Rohes Fleisch ist oftmals mit Bakterien kontaminiert und kann schwere Infektionskrankheiten hervorrufen.

Unbehandeltes Fleisch ist nicht selten bakteriell verseucht. Die Immunabwehr ist von Kleinkindern noch nicht vollständig ausgebildet, so dass Erreger verheerende Krankheiten verursachen können. Auch Schwangere sollten den Konsum einstellen, um möglicherweise Komplikationen wie Aborte während der Schwangerschaft zu vermeiden. Der Organismus von Senioren und der von chronisch Kranken ist vielmals zu geschwächt, um Keime adäquat abzuwehren. Auch diese Personengruppen sollten auf den Genuss von rohem Fleisch verzichten.

Hackfleisch häufig Grund für Magen-Darm-Infekte
Eine Studie des Robert-Koch-Instituts (RKI) zeigte unlängst, dass in Deutschland weitaus mehr kleine Kinder trotz umfassender Aufklärungsarbeiten rohes Fleisch konsumieren, als bislang angenommen. Damit werden Kleinkinder einem unkalkulierbaren Risiko durch die Eltern ausgesetzt. Besonders häufig wurden den Kindern Hackfleisch vorgesetzt, das auch roh gegessen wurde. Von allen Erkrankten mit Magen-Darm-Infekten hatten 30 Prozent der Patienten zuvor Mett vom Schwein gegessen. Selbst Kinder im ersten Lebensjahr waren unter den Betroffenen.

So erklärte der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung, Dr. Andreas Hensel: „Rohe, vom Tier stammende Lebensmittel sind häufig mit Krankheitserregern belastet. Besonders empfindliche Personengruppen, wie kleine Kinder, Schwangere, Senioren oder Personen mit geschwächter Immunabwehr, sollten diese Lebensmittel daher grundsätzlich nicht roh verzehren“. Rohe Fleischwaren sind oft mit Bakterienstämmen der Gattungen Salmonellen, Campylobacter, E. coli einschließlich EHEC, Yersinien und Listerien verseucht. Daneben wurden in Untersuchungen auch immer wieder Viren und Parasiten in rohem Fleisch festgestellt.

70.000 registrierte Darm-Infektionen durch Campylobacter
Im Jahre 2011 erkrankten allein in Deutschland über 70.000 Menschen an bakteriellen Infekten hervorgerufen durch Campylobacter. Besonders häufig werden die Bakterien in rohem oder nur halb gegartem Geflügel gefunden. Ferner siedeln sich Campylobacter auch in Rohmilch, Eiern und anderen Fleischarten an. Der Erreger gilt mittlerweile zu den häufigsten Auslösern für entzündliche Darm-Infekte mit Beschwerden wie Bauchschmerzen, Durchfall sowie Übelkeit und Erbrechen.

Ebenfalls häufig treten hierzulande Salmonellen-Vergiftungen auf. Zwar ist die Infektionsrate durch Verbesserungen im Produktionsablauf signifikant gesunken, allerdings noch immer häufig treten Erkrankungen durch den Erreger Salmonella Typhimurium auf. Die Keime sind vordergründig in Putenfleisch und Schweinefleisch zu finden. Das Zoonosen-Monitoring im Jahre 2009 hatte ergeben, dass rund fünf Prozent des in Deutschland verkauften Hackfleisch mit Salmonellen besetzt ist. Bei der Analyse wurden vor allem die gefährlichen Salmonella Typhimurium gefunden. Das größte Risiko geht laut eines Bulletin des Robert-Koch-Instituts von Hackfleisch aus. In Hackfleischproben hergestellt aus Schweinefleisch wurden besonders oft Bakterien der Gattung Yersinien nachgewiesen. Die Keime führen beim Menschen zu Magen-Darm-Infektionen mit Erbrechen, Übelkeit und Durchfall.

Hackfleisch nicht für Kinder unter 5 Jahren
Laut RKI und BfR sollten Kinder unter 5 Lebensjahren, ältere Menschen und Personen mit einem geschwächten Immunabwehrsystem grundsätzlich Fisch und Fleischwaren in roher Form nicht essen. Nur so könne ein ausreichender Schutz vor Lebensmittelvergiftungen gewährleistet werden. Neben dem rohen Fleisch sollten Genannte auch auf Rohwurst, Rohmilchkäse, Rohmilch, ungekochten oder nur unzureichend gekochten Eier, Räucherlachs, gebeiztem Lachs, Sushi und rohen Meeresfrüchten wie Austern verzichten.

Richtiges Zubereiten mindert Infektionsrisiko
Wird Fleisch zubereitet, sollten die Oberflächen wie zum Beispiel Brettchen intensiv gereinigt werden, weil diese den Keimen ein idealen Lebensraum zum Vermehren bieten. Anschließendes Benutzen für die weitere Zubereitung von anderen Lebensmitteln sollte unterlassen werden, wenn die Utensilien nicht gereinigt wurden. Nicht zu vergessen ist im Anschluss das richtige Händewaschen. Wurde Hackfleisch gekauft, sollte es umgehend im Kühlschrank gelagert und am selben Tag verzehrt werden. Ist das Verfallsdatum abgelaufen, darf das Fleisch nicht mehr verwendet werden.

Um Keime abzutöten, sollten Fisch und Fleisch in ausreichender Zeit sowie mit einer ausreichenden Temperatur gegart werden. Als Faustregel gilt, dass die Innentemperatur des Fleisches zwei Minuten lang mindestens 70 Grad erreichen sollte. (sb)

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