Kaiserschnitt erhöht Diabetes-Typ-I Risiko

Sebastian

Eine Kaiserschnitt-Geburt erhöht das Diabetes-Typ-1 Risiko für das Kind

17.02.2012

Säuglinge die per Kaiserschnitt auf die Welt kommen, haben ein doppelt so hohes Risiko nachfolgend an Diabetes Typ I zu erkranken, als Babys die spontan entbunden werden. Das fanden Wissenschaftler der Technischen Universität München der Forschergruppe Diabetes heraus. Der erhöhte Faktor wurde aber nur bei denjenigen gemessen, deren Eltern selbst an Diabetes-Typ Eins leiden.

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Immer mehr Mütter entscheiden sich für einen Kaiserschnitt
Laut aktueller Auswertungen der DAK wird jedes dritte Kind in Deutschland mittlerweile per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht. Bei einer Schnittentbindung wird das Kind auf operativen Wege aus der Gebärmutter der Mutter von Ärzten geholt. Noch vor einigen Jahrzehnten wurde der Kaiserschnitt nur dann vollzogen, wenn dringende medizinische Gründe hierfür Anlass gaben. Immer mehr Familien verlangen jedoch nach einer künstlichen Entbindung, um zum Beispiel den Geburtstag selbst festlegen zu können oder den Schmerzen eines natürlichen Geburtsvorganges zu entgehen. Weitestgehend unbekannt war neben zahlreichen anderen gesundheitlichen Risiken für Mutter und Kind, dass das Diabetes-Risiko Typ Eins um das Doppelte erhöht wird, wenn ein Kaiserschnitt vollzogen wird.

Doppelt erhöhtes Risiko für Diabetes Typ I
Laut einer wissenschaftlichen Studie besitzen Kinder, die per Kaiserschnitt entbunden werden, ein doppelt erhöhtes Risiko später die Stoffwechselkrankheit Diabetes Typ I zu entwickeln, als Kinder die spontan geboren wurden. Während einer Langzeituntersuchung hatten Experten der Forschergruppe Diabetes der TU München den Einfluss von äußeren Umweltfaktoren auf Kinder aus sogenannten Risikofamilien ermittelt. In die Studiendaten flossen die Ergebnisse von rund 1650 Kindern. Die teilnehmenden Probanden wurden von Beginn der Geburt im Durchschnitt elf Jahre lange beobachtet.

Im Unterschied zu Diabetes-Typ II ist der Typ I angeboren. Bei dieser Krankheit greifen Antikörper die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse an. Die Zellen, die Insulin produzieren, werden bei diesen Attacke des Immunsystems fortlaufend zerstört. Zwar löst eine Kaiserschnitt-Geburt nicht die Krankheit aus, aber bestimmte Faktoren begünstigen die Entstehung von Diabetes. Schließlich werde nach Beobachtungen der Forscher bei einer Geburt per Schnittentbindung die Konsistenz der frühkindlichen Darmflora signifikant verändert. Somit werde eine Autoimmunreaktion des Körpers begünstigt. Ein weit aus höherer Risikofaktor sind die genetischen Voraussetzungen.

Die Auswertung ergab, dass Kinder deren Mutter oder Vater an Diabetes Typ 1 erkrankt sind und mittels Kaiserschnitt auf die Welt kamen, bis zum zwölften Lebensjahr ein Erkrankungsrisiko von 4,8 Prozent entwickeln. Kinder, die hingegen spontan geboren werden und deren Elternteil ebenfalls erkrankt ist, besitzen ein deutlich geringeres Risiko von 2,2 Prozent. Der erhöhte Risikofaktor durch eine Kaiserschnitt-Geburt war unabhängig von weiteren Faktoren wie Frühgeburten, Erstgeborene oder Mehrlingsschwangerschaft. Die Jahreszeit oder gesundheitsschädigende Kompetenten wie Rauchen im Verlauf der Schwangerschaft zeigten ebenfalls keine aussagekräftige Relevanz. „Ein Erklärungsansatz für diese Studienergebnisse ist die Tatsache, dass die Entbindung per Kaiserschnitt auf die Beschaffenheit der kindlichen Darmflora und damit auf das Immunsystem einwirkt“, erläuterte die Leiterin der Forschungsarbeit Anette-Gabriele Ziegler.

Schädlicher Einfluss auf die Darmflora
Der Einfluss auf die Darmflora war frappierend. Kinder, die per Kaiserschnitt auf die Welt kamen, zeigen weniger von den wichtigen Darmbakterien wie den Bifidobakterien auf. Die Mikroorganismen halten beispielsweise schädliche Bakterien und Krankheitserreger im Schach und helfen somit der Immunabwehr. Bei Erwachsenen beträgt der Bifidobakterien-Anteil in der gesamten Darmflora rund 25 Prozent. Bei Säuglingen müsste dieser sogar um die 95 Prozent betragen. „Die Darmflora der Kaiserschnitt-Kinder ähnelt der gestörten Darmflora von Diabetikern“, sagt Ziegler. Die Studiendaten wurden in dem medizinischen Fachmagazin „Diabetes“ veröffentlicht. Die Zeitschrift ist die Fachausgabe des US-Amerikanischen Diabetes-Verbands. (sb)

Bild: Martin Büdenbender / pixelio.de