Körpereigene Drogen animieren Heißhunger

Sebastian

Körpereigene Endocannabinoide animieren zum Heißhunger auf fettige Speisen

07.07.2011

Heißhunger verleitet die meisten Menschen zum ungezügelten Essen. Wer Pech hat leidet als Folge an Übergewicht oder gar Adipositas. Besonders wer versucht seinen Körperumfang mittels einer Diät zu reduzieren, wird immer wieder mit regelrechten Heißhungerattacken konfrontiert werden. Wissenschaftler der kalifornischen Universität Irvine haben heraus gefunden, dass diese Attacken durch eine körpereigene Substanz gefördert werden, die in seiner Wirkungsweise der Cannabis-Pflanze ähnelt. Die Substanz wird im Darm gebildet und verleitet zum ungehemmten Essen.

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Aktivierung der Fettaufnahme stammt aus Urzeiten
Die Lust auf fetthaltige Speisen ist kein Nebenprodukt der westlichen Industrieländer, vermuten die Forscher. „Aus evolutionärer Sicht ist es für Tiere absolut notwendig, Fette zu konsumieren: Sie sind in der Natur wenig anzutreffen, aber entscheidend für die Funktion der Körperzellen», erklärte der Studienleiter Daniele Piomelli von der University of California. Die Forscher vermuten, dass Menschen somit den Drang nach Fett von ihren Vorfahren geerbt haben, um ausreichend Fett zu sich zu nehmen. Heute allerdings ist der durchaus wichtige Geschmacksträger quasi in aller Munde. Jedes Fastfood- und Fertiggericht ist mit übermäßigen Einfach- Fetten zubereitet. Umso mehr Fett, um so größer ist auch das Geschmackserlebnis. Das weiß auch die Lebensmittelindustrie und setzt deshalb massenweise Fett den Speisen zu. Heute führt wie jeder weiß der massenhafte Fettverzehr zu Übergewicht, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs.

Um die Wirkungsweise des cannabinoiden Stoff zu entschlüsseln, ließen die Wissenschaftler in einem Versuchsaufbau Ratten an Maisöl-Emulsionen lecken. Dabei verhinderten sie jedoch ein Hinunterschlucken des Öls. Nun konnten sie die Wirkungsweisen des Fett-Geschmacks auf den Organismus untersuchen. Bereits der Geschmack des Maisöls löste bei den Tieren die Produktion von Endocannabinoide aus. Gleichzeitig maßen die Forscher die Konzentration der Endocannabinoide in den einzelnen Gehirnareale und unterschiedlichen Körperregionen. Die Werte stiegen jedoch nur im vorderen Bereich des Verdauungstraktes. Ein Anstieg im Gehirn konnten die Wissenschaftler allerdings nicht ausmachen.

Ausschüttung könnte blockiert werden
Nun vermutet das Team um Daniele Piomelli dass der Wirkstoff wie ein Schalter in den Darmzellen funktioniert. Werden die körpereigenen Drogen aktiviert, wird auch der Heißhunger auf Fett ausgelöst. „Dies ist der erste Beleg dafür, dass Endocannabinoide im Darm eine wichtige Rolle bei der Regulation der Fettaufnahme spielen“. Der Stoff verursacht ein Freisetzen der Verdauungssäfte um den Hunger zu aktivieren. Nun soll diese Hypothese in weiteren Forschungseinheiten nachgewiesen werden. So könnte beispielsweise der Sensor zur Ausschüttung der Substanz blockiert werden, um bei adipösen Patienten das Hungergefühl zu stoppen. Die gesamte Studie wurde im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS) veröffentlicht. (sb)