Krankenkassen in finanzieller Not

Sebastian

Die finanzielle Not der gesetzlichen Krankenkassen ist weitaus größer, als bisher angenommen.

(21.06.2010) Die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) befinden sich in weitaus in größeren finanziellen Nöten, als bisher angenommen. Von den 157 Krankenkassen gelten laut einer internen Untersuchung des GKV-Finanzcontrolling 23 als "gefährdet". Acht der gefährdeten GKV Versicherungen kündigen an, demnächst Zusatzbeiträge von ihren Mitgliedern zu verlangen. Vorallem Betriebskrankenkassen (BKK) sind betroffen.

Die finanzielle Lage der gesetzlichen Krankenkassen ist viel schlimmer, als bislang angenommen. In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass bereits drei Krankenkassen eine drohende Insolvenz beim Bundesversicherungsamt gemeldet haben. Nun könnten weitere Krankenkassen folgen, denn laut eines internen Ratings sind 23 Krankenkassen in möglichen finanziellen Nöten. Betroffen sind vor allem die Betriebskrankenkassen (BKK), bei den als gefährdet eingestuften sind allein 20 BKK-Krankenkassen. 46 weitere Kassen wurden mit dem Prädikat "beobachtet" eingestuft. Das bedeutet, auch hier könnte sich ein finanzielles Desaster ankündigen. Auch da drunter sind 30 Betriebskrankenkassen. Nur etwa 54 Kassen erhielten das Prädikat "unbedenklich" und weitere 34 Krankenkassen bekamen die Wertung "leistungsfähig". Welche Krankenkassen betroffen sind, wurde in der Auswertung nicht benannt. Man will wahrscheinlich Versicherte nicht animieren, die Krankenkasse zu wechseln.

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Das Rating der Krankenkassen wurde vom Finanzcontrolling des Krankenkassen-Verbandes (GKV) vorgenommen. In die Bewertung sind die Ergebnisse des letzten Quartals 2009 eingeflossen. Darin enthalten waren auch Forderungen und Nachzahlungen aus dem Gesundheitsfonds. Vorsichtig zu den Ergebnissen äußerte sich der GKV-Verband. Das Bewertungssystem befinde sich derzeit noch im "Aufbau". Es sollten zunächst Krankenkassen heraus gefiltert werden, bei denen "möglicherweise Anhaltspunkte für eine Gefährdung" vorliegen. In einem zweiten Schritt wolle man die Krankenkassen einer "ausführlichen Bewertung" unterziehen.

Alles sieht danach aus, als würden vor allem kleinere Krankenkassen dem finanziellen Druck nicht mehr standhalten können. Gestiegene Arzneimittelkosten, teure Behandlungen und die allgemeine finanzielle Situation der Beitragszahler, all das wirkt sich gerade negativ bei den kleinen Krankenkassen aus. Während große Krankenkassen noch flexibel reagieren können, können kleine Krankenkassen Defizite kaum ausgleichen. So gesehen auch bei der GBK Köln, BKK für Heilberufe sowie City BKK. Alle drei meldeten letzte Woche dem Bundesversicherungsamt eine drohende Insolvenz. Nun sind weitere 69 Kassen "beobachtet" oder gar "gefährdet". Gegenüber dem Magazin "Focus" bestätigte das Bundesversicherungsamt, dass insgesamt 19 Krankenkassen als "gemeldet" gelten, weil diese im letzten Quartal mehr Ausgaben als Einnahmen verzeichneten. Geht eine Krankenkasse "pleite", könnten weiter folgen, da ein sogenannter "Domino-Effekt" entsteht. Denn die anderen Krankenkassen müssen dann die Schulden der insolventen Kasse übernehmen und geraten dann möglicherweise selbst in finanzielle Nöte. (sb)