Linke fordert rezeptfreie Pille danach

Sebastian

Frauen greifen immer häufiger zur Pille danach: Linke fordert Freigabe ohne Rezept

01.09.2012

Immer mehr Frauen greifen zur Pille danach, weil sie eine ungewollte Schwangerschaft nach einem nicht-geschütztem Geschlechtsverkehr verhindern wollen. Im Vergleich zum Jahre 2010 haben in 2011 rund 10 Prozent mehr Patientinnen bei ihrem Haus- oder Frauenarzt die Pille danach verschrieben bekommen. Das berichtet die Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Fraktion „Die Linke“.

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Die „Pille danach“ ist in mehr als 20 Ländern in Europa ohne Rezept erhältlich. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt seit einigen Jahren das Arzneimittel mit dem Wirkstoff „Levonorgestrel“ allen Frauen frei zugänglich zu machen. In Deutschland müssen Frauen zunächst einen Arzt konsultieren, um die „Pille danach“ verschrieben zu bekommen. Ohne eine Verschreibung ist der Erwerb des Medikaments in der Apotheke nicht möglich. Gleichwohl übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten. So haben die Kassen für 2011 rund 115 Millionen Euro für Verhütungsmittel aller Art bezahlt.

10 Prozent mehr Verschreibungen der Notfallverhütung
Laut der Beantwortung der kleinen Anfrage der Partei „Die Linke“ ist die Zahl der Patientinnen, die von einem Arzt die Pille danach verschrieben bekommen haben, um etwa 10 Prozent in Deutschland im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen. Demnach wurde die nachträgliche Verhütung genau 367.427 mal verabreicht. In diesem Zuge fordert die Linkspartei die Abgabe der Pille ohne Rezept. So sagte die frauenpolitische Sprecherin der Partei, Yvonne Ploetz, gegenüber der „Bild“: "Wir fordern von der Bundesregierung: Gebt die Pille danach endlich frei! Nach einer Sex-Panne muss es schnell gehen. Eine rezeptfreie Abgabe der Pillen in Apotheken ist überfällig."

Pille danach keine Abtreibungspille
Bei der „Pille danach“ handelt es sich nach Meinung der Linken „keineswegs um eine Abtreibungspille“, da diese bei einer bereits bestehenden Schwangerschaft nicht wirkt. Vielmehr sei das Medikament „eine Notfallverhütung nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr“. Da die Wirksamkeit des Präparats nur zeitlich sehr begrenzt ist, sollte der Zugang „rasch ermöglicht werden.“ Erfahrungswerte in anderen Ländern hätten zudem gezeigt, „dass eine Rezeptfreiheit zu keinem Anstieg von riskantem Verhütungsverhalten führt und die reguläre Schwangerschaftsverhütung nicht beeinträchtigt“. Eine Beratung der Frauen könne durch das Apotheken-System gewährleistet sein. (sb)