Immer mehr depressive Kinder in Kliniken

Alfred Domke

Mehr Kinder und Jugendliche mit Depression in Kliniken

15.03.2014

Immer mehr depressive Kinder und Jugendliche landen in thüringischen Krankenhäusern. Wie die Krankenkasse DAK mitteilte, habe sich die Zahl innerhalb von zwölf Jahren mehr als verdreifacht. Im gesamten Bundesgebiet hat sich die Zahl stationärer Behandlungen depressiver Kinder und Jugendlicher sogar versechsfacht.

Klinikaufenthalte haben sich verdreifacht
Immer mehr Kinder und Jugendliche müssen mit einer Depression in thüringischen Kliniken behandelt werden. Wie die Krankenkasse DAK am Freitag mitteilte, hat sich die Zahl der Klinikaufenthalte depressiv erkrankter Kinder und Jugendlicher in Thüringen innerhalb von zwölf Jahren mehr als verdreifacht. 208 Mädchen und Jungen im Alter von zehn bis 19 Jahren mussten demnach 2012 stationär behandelt werden. Im Jahr 2000 waren es nur 61 gewesen. Die DAK bezog sich bei den Zahlen auf Daten des Statistischen Bundesamtes.

Mehr Mädchen als Jungen betroffen
Der Anstieg in Thüringen fiel nicht ganz so dramatisch aus wie im Bundesgebiet, wo sich die Zahlen im gleichen Zeitraum versechsfacht haben. Wie auch in allen anderen Bundesländern gab es im Freistaat deutlich mehr weibliche als männliche Betroffene. Der Anteil der Mädchen und jungen Frauen lag mit 67,8 Prozent im Bundesdurchschnitt. Experten sehen verschiedene Gründe für den kontinuierlichen Anstieg, beispielsweise eine verbesserte Diagnostik. Doch auch ein veränderter gesellschaftlicher Umgang mit Depressionen sei feststellbar.

Schulische Belastungen haben stark zugenommen
„Heute ist es kein Makel mehr, wenn jemand an einer Depression erkrankt“, meinte Steffi Steinicke, Landeschefin für Thüringen laut der Neuen Nordhäuser Zeitung. Im steigenden Leistungsdruck sei ein weiterer Grund für die massiven Zuwachsraten zu finden. „Die schulischen Belastungen haben stark zugenommen“, so Steinicke. Für das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern gebe es keine stichhaltige Erklärung. Es werde aber vermutet, dass geschlechtsspezifische Rollenbilder Mädchen und junge Frauen stärker belasten als männliche Altersgenossen.

Symptome teils Bestandteil der pubertären Selbstfindung
Antriebslosigkeit, Konzentrationsschwächen, mangelndes Selbstvertrauen oder psychosomatische Probleme sind einige typische Symptome, die bei dieser Erkrankung auftreten. Allerdings können viele psychische Symptome auch normaler Bestandteil der pubertären Selbstfindung sein, wie etwa extreme Stimmungsschwankungen, aggressives Verhalten und abfallende Schulleistungen. Wenn sich aber auch noch körperliche Symptome einstellen wie anhaltende Kopfschmerzen, Gewichtsverlust oder Schlafstörungen, sollten Eltern professionelle Hilfe suchen. Als Experten kommen spezialisierte Psychotherapeuten oder Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie in Frage.

Depressionen sind heute gut behandelbar
Depressionen im Kindes- und Jugendalter werden nach Einschätzung von Medizinern noch immer zu oft übersehen. „Häufig tut man sie als pubertäres Stimmungstief ab“, meint Steinicke. Oft verbirgt sich dahinter jedoch eine behandlungsbedürftige Krankheit, von der im Durchschnitt jeder 20. Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr betroffen ist. Depressionen können wenige Wochen aber auch Jahre dauern. Die Erkrankung ist heute gut behandelbar und grundsätzlich sinke bei einer frühen Behandlung die Gefahr, dass die Erkrankung einen chronischen Verlauf nimmt. Üblicherweise könnten Depressionen ambulant behandelt werden. Fachleute raten nur bei gravierenden Indikationen wie Suizidgefahr zu einem Klinikaufenthalt. (ad)