Opiat-Alternative: Forscher entdecken neues effektives und nicht abhängig machendes Schmerzmittel

Alexander Stindt
UKH-1114 kann effektiv zur Schmerzlinderung eingesetzt werden
In der heutigen Zeit gibt es immer mehr Missbrauch von sogenannten opioiden Schmerzmitteln. In den USA sprechen Mediziner bereits von einer wahren Missbrauchsepidemie. Forscher haben jetzt ein Schmerzmittel entdeckt, welches auf einem bisher völlig unbekannten Weg gegen Schmerzen wirkt. Das Medikament kann zu einer Schmerzlinderung von neuropathischen Schmerzen eingesetzt werden.

Die Wissenschaftler der University of Texas in Austin stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass ein neues Medikament mit der Bezeichnung UKH-1114 effektiv zur Schmerzlinderung eingesetzt werden kann, ohne dabei vergleichbare negative Auswirkungen wie Opioide auszulösen. So könnte in Zukunft die Abhängigkeit von Opioiden und deren Missbrauch verhindert werden. Die Mediziner veröffentlichten eine Pressemitteilung zu den Ergebnissen ihrer Studie.

Die Verwendung von Schmerzmitteln kann Betroffene in die Sucht führen. Auf der ganzen Welt gibt es Millionen Menschen, welche von Schmerzmitteln mit Opioiden abhängig sind. Mediziner fanden jetzt eine neues Schmerzmittel, dass sehr effektiv ist, lange wirkt und dabei nicht abhängig macht. (Bild: lovegtr35/fotolia.com)

UKH-1114 wirkt schon bei sehr niedrigerer Dosis und die Wirkung hält lange an
Das Schmerzmittel UKH-1114 ist ebenso wirksam bei der Linderung von neuropathischen Schmerzen bei verletzten Mäusen, wie ein weit verbreitetes Mittel zur Schmerzlinderung mit der Bezeichnung Gabapentin, erläutern die Experten. UKH-1114 wirke allerdings schon bei einer viel niedrigeren Dosis und die Wirkung halte länger an.

Millionen von Menschen sind süchtig nach opioiden Schmerzmitteln
Wenn in weiteren Untersuchungen bestätigt werden kann, dass das neue Medikament sicher und effektiv ist, ohne dabei abhängig zu machen, könnte dies einen Beitrag zur Beendigung der Missbrauchsepidemie von Opioiden leisten, erläutern die Wissenschaftler. Alleine in Amerika leiden etwa ein Drittel der Menschen unter chronischen Schmerzen. Die effektivsten Schmerzmittel machen jedoch süchtig und erfordern eine steigende Dosierung, um über längere Zeit wirksam zu sein, sagen die Autoren. Etwa zwei Millionen Menschen in den USA leiden unter einer Sucht nach verschreibungspflichtigen Opioid-Schmerzmitteln.

Andere Medikamente zu Behandlung von neuropathischen Schmerzen führen häufig zu Nebenwirkungen
Auch die bislang verfügbaren Alternativen zur Behandlung mit Opioiden haben einige Nachteile. Beispielsweise kann der Arzneistoff Gabapentin (wird unter der Bezeichnung Neurontin vertrieben) kognitive Beeinträchtigung bei bestimmten Personen verursachen. Solche Nebenwirkungen zeigen, dass es nötig ist, eine Behandlung für neuropathische Schmerzen zu entwickeln, welche nicht auf Opioiden basiert, erläutern die Wissenschaftler. Das neu entdeckte Schmerzmittel binde sich an einen Rezeptor auf den Zellen im gesamten Zentralnervensystem, welcher als Sigma 2-Rezeptor bezeichnet wird. Obwohl der Rezeptor bereits vor 25 Jahren entdeckt wurde, wussten die Forscher bis jetzt nicht genau, welche Funktion Sigma 2 hat.

Vorteile von UKH-1114 gegenüber anderen Schmerzmitteln
Die Mediziner testeten UKH-1114 an Mäuse mit Nervenschäden. Sie fanden heraus, dass das Medikament Schmerzen so effektiv wie Gabapentin milderte, allerdings bei einer viel niedrigeren Dosis (etwa einem Sechstel von Gabapentin). Die Wirkung von UKH-1114 habe zudem mit einer Dauer von einigen Tagen viel länger angehalten als die Wirkungsdauer von Gabapentin, welche nur bei vier bis sechs Stunden lag.

Neuropathische Schmerzen können auch durch Chemotherapie und Diabetes ausgelöst werden
Der Sigma-2-Rezeptor kann also ein Ziel für die Behandlung von neuropathischen Schmerzen sein, sagen die Experten. Sogenannte neuropathische Schmerzen oder chronische Schmerzen treten auf, wenn Nerven im Zentralnervensystem geschädigt sind. Diese Art von Schmerzen kann auch durch eine Chemotherapie, Diabetes und Verletzungen des Gehirns oder Verletzungen des Rückenmarks ausgelöst werden, fügen die Wissenschaftler hinzu.

Weitere Forschung ist nötig
Es bleibt allerdings noch viel Arbeit, bevor UKH-1114 auf den Markt kommen kann, betonen die Forscher. Weitere Studien seien erforderlich, um Sicherheit, Wirksamkeit und orale Bioverfügbarkeit zu demonstrieren, erklären die Autoren der Studie. Zudem untersuchen die Wissenschaftler derzeit, wie genau eine Aktivierung des Sigma 2-Rezeptors den neuropathischen Schmerz lindert. Die Mediziner stehen gerade erst am Anfang ihrer Forschung, aber schon jetzt ist davon auszugehen, dass die Entdeckung eines neuen Schmerzmittels die Lebensqualität der Menschen deutlich verbessern kann. (as)