Patienten müssen immer höhere Zusatzzahlungen beim Zahnersatz leisten

Alfred Domke
Neue Zahlen: Höhere Zusatzzahlungen für Zahnersatz
Die Bundesbürger müssen für Zahnersatz immer mehr Zusatzzahlungen leisten. Viele Menschen verzichten aus finanziellen Gründen sogar auf einen notwendigen Zahnarztbesuch. Medizinisch notwendiger Zahnersatz in guter Qualität sollte für Patienten kostenfrei sein, fordert eine Abgeordnete der LinkDeutsche müssen immer höhere Zusatzzahlungen beim Zahnersatz tragenen.

Für Zahnersatz tiefer in die Tasche greifen
Da Zahnersatz von den gesetzlichen Krankenkassen in der Regel nur zum Teil finanziert wird, ist es grundsätzlich sinnvoll, den Zahnarzt gezielt nach Alternativen zu fragen. Für manche Personen kann auch eine Zahnzusatzversicherung sinnvoll sein. Vor allem vor dem Hintergrund, dass die Bürger für Zahnersatz immer tiefer in die Tasche greifen müssen.

Die Bürger müssen für Zahnersatz immer mehr Zusatzzahlungen leisten. Manche verzichten aus finanziellen Gründen sogar auf einen notwendigen Zahnarztbesuch. (Bild: StudioLaMagica/fotolia.com)

Ausgaben für Material- und Laborkosten
Laut einer Meldung der Deutschen Presse-Agentur teilte das Bundesgesundheitsministerium auf Anfrage der Linken-Abgeordneten Sabine Zimmermann mit, dass private Haushalte 2005 für Zahnersatz (Material- und Laborkosten) rund 2,62 Milliarden Euro zusätzlich ausgaben.

2010 seien es laut der Antwort der Regierung bereits 3,02 Milliarden Euro gewesen und 2014 (aktuellste verfügbare Angabe) 3,14 Milliarden Euro.

Viele verzichten aus finanziellen Gründen auf notwendigen Zahnarztbesuch
Zudem geht aus der Veröffentlichung des Statistischen Bundesamtes zur Haushaltsbefragung „Leben in Europa“ hervor, dass knapp die Hälfte (48,3 Prozent) – bei armutsgefährdeten Erwerbstätigen sogar 64,3 Prozent – derjenigen, die 2014 auf einen notwendigen Zahnarztbesuch verzichteten, dies aus finanziellen Gründen taten.

Für 43,6 Prozent spielten andere Gründe eine Rolle, nicht zum Zahnarzt zu gehen, berichtete die Linksfraktion in einer Mitteilung. Als Gründe wurden genannt: zu lange Wartezeiten, zu weite Wege zum Zahnarzt, Angst vor Ärzten und medizinischen Behandlungen, abwarten, ob sich die Beschwerden von selbst bessern, oder weil sie keinen guten Zahnarzt kennen. Acht Prozent gaben terminliche Gründe an.

Beschämender Zustand für eines der reichsten Länder der Erde
„Armut nimmt zu, selbst an den Zähnen kann man dies sehen“, erklärte Sabine Zimmermann, stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag.

„Es ist skandalös, dass Menschen notwendige Behandlungen aus Angst vor hohen Kosten nicht durchführen lassen oder aufschieben. Die Eigenanteile für medizinisch notwendigen oder höherwertigen Zahnersatz können viele Menschen nicht aufbringen. Selbst die Regelversorgung ist für viele nicht erschwinglich“, kritisierte die Politikerin.

„Das Zuschusssystem beim Zahnersatz sorgt dafür, dass man einkommensschwache Menschen am Zustand ihrer Zähne erkennt. Für eins der reichsten Länder der Erde ist dies ein beschämender Zustand.“

Forderung nach kostenfreiem Zahnersatz
Zimmermann forderte Konsequenzen: „Zuzahlungen sorgen dafür, dass medizinische Versorgung nicht in Anspruch genommen wird. Deshalb müssen sie abgeschafft werden, auch im Bereich der Zahnmedizin. Medizinisch notwendiger Zahnersatz in guter Qualität muss für die Patientinnen und Patienten kostenfrei sein.“

Allerdings gehe es dabei nicht nur um Ästhetik. Vielmehr könne schlechte Mundgesundheit auch andere Krankheiten wie Diabetes, Herzerkrankungen und Schlaganfälle verursachen. (ad)