Pflege-Bahr bietet keine ausreichende Absicherung

Fabian Peters

Stiftung Warentest mit vernichtendem Urteil für den Pflege-Bahr

18.04.2013

Die Untersuchung der Stiftung Warentest in einer Untersuchung zu den staatlich geförderten privaten Pflegetagegeldversicherungen mit dem Ergebnis, dass diese keineswegs ausreichen, „um den Geldbedarf im Pflegefall zu decken“ und außerdem ihre Vertragsbedingungen oft schlechter sind, als die von ungeförderten Tarifen, hat in der Versicherungsbranche und auf Seiten der Politik ein äußerst geteiltes Echo ausgelöst.

Während die Regierungskoalition den sogenannten Pflege-Bahr als Einstieg in die private Pflegeversorgung nicht allein unter Kostendeckungsgesichtspunkten bewertet sehen möchte, sondern die Hinführung zur Eingenverantwortlichkeit an dieser Stelle betont, fühlt sich Opposition durch die Ergebnisse der Stiftung Warentest in ihrer bisherigen Kritik bekräftigt. So betonte beispielsweise die SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles angesichts der finanziell nicht tragfähigen staatlich geförderten Pflegetagegeldversicherungen: „Wer die kleineren Einkommen schützen will, darf nicht die Gesundheits- und Pflegerisiken privatisieren und die Menschen auf den Kosten sitzen lassen.“ Bei den privaten Krankenversicherungen wurde die negative Beurteilung des Pflege-Bahrs indes ähnlich wie bei der Regierungskoalition eher kritisch aufgefasst. Zumal "die privaten Krankenversicherungen sich von Anfang an für die Einführung des Modells eingesetzt hatten und dies teilweise zur Risikominderung bei den Pflegeversicherungen nutzen".

Pflege-Bahr mit schlechteren Konditionen als ungeförderte private Pflegeversicherungen
Schon bei der Diskussion über die Einführung der staatlich geförderten Pflegetagegeldversicherungen hatte sich der Vorsitzende des Bundes der Versicherten (BdV), Axel Kleinlein , ablehnend geäußert, da seiner Ansicht nach die Verwaltungskosten der Verträge, Zulagen und des Risikostrukturausgleichs die komplette staatliche Förderung aufzehren würden und die geförderten Pflegetarife eventuell deutlich teurer würden, als die nicht geförderten. Dies ist aus der Untersuchung der Stiftung Warentest zwar nicht zu ersehen, doch bietet der Pflege-Bahr offensichtlich zum Teil schlechtere Konditionen, als die sonstigen privaten Pflegeversicherungen. Demnach ist die inhaltliche Kritik Kleinleins in gewissem Maße doch eingetreten. Auch kommt die Stiftung Warentest zu dem Schluss, dass "die Beiträge im Bereich des Pflege-Bahrs künftig unter Umständen deutlich stärker steigen könnte als in ungeförderten Tarifen". (fp)

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