Risiken durch eigenmächtige Medikamenteneinnahme

Fabian Peters

Patienten hören oftmals nicht auf den Arzt und riskieren ihre Gesundheit

28.10.2011

Viele Patienten halten sich bei der Einnahme von Medikamenten nicht an die Anwendungsvorgaben der Ärzte und Apotheker. Dieses eigenmächtige Handeln kann jedoch erhebliche gesundheitliche Beschwerden verursachen und schlimmstenfalls den Tod der Patienten bedingen, warnten Mediziner der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe anlässlich des morgigen Weltschlaganfall-Tages.

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Die fehlende Therapietreue verursacht den Experten zufolge nicht nur jedes Jahr Milliardenkosten im Gesundheitssystem, sondern kann ein deutlich erhöhtes Risiko schwerwiegender Erkrankungen wie zum Beispiel für Herz-Kreislauf-Krankheiten und Schlaganfälle mit sich bringen. Das rund die Hälfte der Patienten in den Industriestaaten sich über die Anweisungen ihres Arztes zur Medikamenteneinnahme hinwegsetzt, ist daher äußerst bedenklich, so die Aussage von Brigitte Mohn, Vorstandvorsitzende der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, am Freitag in Gütersloh.

Milliardenkosten und massive Gesundheitsrisiken durch mangelnde Therapietreue
Wie die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe unter Berufung auf eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahr 2003 berichtet, richten sich in den modernen Industriestaaten lediglich 50 Prozent der Patienten bei der Medikamenteneinnahme strikt nach den Vorgaben ihres Arztes. Diese mangelnde Compliance (Therapietreue) verursacht allein in Deutschland rund zehn Milliarden Euro Mehrkosten im Gesundheitssystem pro Jahr, erläuterte Brigitte Mohn in einer aktuellen Mitteilung anlässlich des Weltschlaganfall-Tages am 29. Oktober. Für die Patienten gehen mit der schlechten Compliance häufig erhebliche gesundheitliche Risiken einher, warnte die Expertin. Denn „viele Patienten wissen oft nicht um die Gesamtzusammenhänge“ zwischen ihrer Erkrankung und deren beeinflussbaren Folgen für die eigene Gesundheit, erläuterte Mohn. Gerade bei Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und bei Schlaganfall-Patienten sei die kontinuierliche Einnahme der Arzneimittel von entscheidender Bedeutung, so die Expertin weiter. Das eigenwillige Absetzten der Medikamente beziehungsweise Unterbrechungen der Einnahme könnten hier gravierende gesundheitliche Probleme mit sich bringen, betonte die Vorstandvorsitzende der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe.

Beipackzettel als Therapiehindernis
Daher ist es nach Ansicht der Deutschen Schlaganfall-Hilfe völlig inakzeptabel, dass „immer noch viele Medikamente im Mülleimer landen und verordnete Hilfsmittel in der Ecke“ verstauben. Die Patienten riskieren hier unter Umständen leichtfertig ihr Leben, so die Aussage der Experten. Als Grund für das eigenmächtige Handeln der Patienten nannte die Stiftungsvorsitzende Brigitte Mohn auch die bisweilen schwer verständlichen Beipackzetteln der Arzneimittel. Diese tragen mit ihren „verklausulierte Formulierungen“ dazu bei, dass die Patienten ihre vom Arzt empfohlene Therapie nicht durchführen oder frühzeitig abbrechen, erläuterte die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Die Patienten würden eher verunsichert, als zur Einnahme motiviert. Daher hat die Stiftung auch einen Art „Übersetzungshilfe“ für Beipackzettel erstellt, die unter www.schlaganfall-hilfe.de eingesehen werden kann und zur Aufklärung der Patienten beitragen soll.

Arzneimittel im Blickfeld aufbewahren
Ein weiterer Grund für Unterbrechungen der Arzneimitteltherapie ist den Experten zufolge die Vergesslichkeit der Betroffenen. So würden zahlreiche Patienten, die regelmäßig Medikamente einnehmen müssen, hin und wieder vergessen ihre Pillen einzunehmen, was bei schweren Erkrankungen gravierende Folgen haben kann, betonte die Stiftungsvorsitzende. Daher sollten Schlaganfall-Patienten ihre Medikamente am besten immer gut sichtbar aufbewahren, denn so erinnern sie sich automatisch an die Einnahme, sobald sie diese erblicken. Das Zahnputzglas aber auch eine Pillenbox können hier dazu beitragen die Therapietreue deutlich zu verbessern, betonte die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Hilfreich sei auch ein täglicher Alarm im Handy, das Eintragen und Abhaken der Einnahme im Kalender sowie das Anbringen kleiner Klebezettel zum Beispiel am Kühlschrank oder Wecker, die an die Medikamente erinnern, so die Empfehlung der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe.

Jährlich eine Millionen Schlaganfälle in Deutschland
Wie viele Patienten tatsächlich auf die tägliche Einnahme von Medikamenten angewiesen sind, lässt sich nur erahnen. So leiden den Angaben der Deutschen Schlaganfall-Hilfe zufolge in Deutschland zum Beispiel rund eine Million Menschen an den Folgen eines Schlaganfalls und müssen daher entsprechende Arzneimittel einnehmen. Die Experten schätzen, dass hierzulande jährlich rund 250.000 neue Schlaganfällen zu verzeichnen sind, wobei etwa ein Fünftel der Patienten innerhalb von vier Wochen an den Folgen verstirbt, und 37 Prozent das erste Jahre nach dem Schlaganfall nicht überleben. Zudem leiden 50 Prozent der überlebenden Schlaganfall-Patienten unter einer dauerhaften Behinderung, berichtet die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Mit Medikamenten könnte vielen der Betroffenen geholfen werden, doch Patienten müssen sich bei der Einnahme auch nach den Vorgaben ihrer Ärzte richten, mahnte die Stiftungsvorsitzende. So ließen sich zum Beispiel Gefäßverstopfungen, die oftmals eine verminderte Blutversorgung im Gehirn bedingen und so Ursache von Schlaganfällen sind, durch die Verabreichung entsprechender Medikamente relativ effizient vermeiden, berichtete die Expertin. (fp)