Schmerzen: Besser Cannabis-Kapseln als Rauchen

Heilpraxisnet

In der Schmerztherapie sind Cannabis-Präparate effektvoller als sogenannte Joints

23.04.2013

Nachdem zahlreiche Studien die positiven Effekte von Cannabis-Wirkstoffen in der Schmerzbekämpfung belegt haben, sind Wissenschaftler der Columbia-Universität in New York nun der Frage nachgegangen, auf welchem Weg die Einnahme erfolgen sollte, um eine möglichst weitreichende Schmerzlinderung zu erreichen. Joints rauchen zeigt demnach einen weniger nachhaltigen Effekt als die orale Einnahme von Cannabis-Kapseln.

Die Forscher verglichen die Wirkung der oralen Aufnahme von Cannabis-Wirkstoffen mit der Wirkung gerauchter Joints in einer „randomisierten, Placebo-kontrollierten Doppelblindstudie“, um eine Aussage zu dem bestmöglichen Einsatz in der Schmerztherapie zu ermöglichen. Sie ließen 30 Versuchspersonen (15 Frauen, 15 Männer), die ohnehin täglich Cannabis in Form von Joints konsumierten, für einen Zeitraum von zwei Wochen regelmäßig unterschiedliche Dosierungen Dronabinol oder eines Placebos einnehmen. Begleitend rauchten die Probanden weiterhin Joints, wobei jedoch Cannabis mit drei unterschiedlichen THC-Konzentrationen zum Einsatz kam (Null Prozent, 1,98 Prozent oder 3,56 Prozent). Das Cannabis mit Null Prozent THC (Tetrahydrocannabinol) ist hier einem Placebo gleichzusetzen. Die Ergebnisse der Untersuchung haben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Neuropsychopharmacology“ veröffentlicht.

Längerer Effekt des Schmerzmittels
Den Effekt der Joints und des oral eingenommenen Dronabinols auf das Schmerzempfinden der Probanden überprüften die Forscher indem sie die Hände der Versuchspersonen in vier Grad Celsius kaltes Wasser tauchten. Die Probanden sollten angeben, ab wann sie einen Schmerz empfinden (Schmerzempfindlichkeit), und ihre Hand erst aus dem Wasser ziehen, wenn es ihnen zu unangenehm wurde (Schmerztoleranz). „Im Vergleich zu Placebos, bewirken Cannabis und Dronabinol eine verringerte Schmerzempfindlichkeit, erhöhte Schmerztoleranz und verminderte subjektive Bewertung der Schmerzintensität“, schreiben die US-Forscher. Zwar habe sich in den Veränderungen der Spitzenwerte bei Schmerzempfindlichkeit und Toleranz kein Unterschied zwischen Dronabinol und dem Joints rauchen ergeben, doch hielt die Wirkung von Dronabinol länger an. Allerdings ist davon auszugehen, dass auch die orale Aufnahmen von Cannabis allgemein (beispielsweise in Form von Keksen), eine deutlich längere Wirkung entfaltet als das Rauchen von Joints.

Das Mittel Dronabinol wird in zahlreichen Ländern Krebspatienten gegen Schmerzzustände, Schwindel sowie Übelkeit und Erbrechen verabreicht. HIV-Patienten mit der Immunschwächekrankheit AIDS erhalten das Medikament häufig, um Muskelkrämpfe einzudämmen und der Appetitlosigkeit zu begegnen.

Studiendaten noch nicht abschließend belegbar
Die vorgelegten Studiendaten seien „nur bedingt aussagekräftig, da alle Probanden bereits zuvor Cannabis konsumierten“, wie die Forscher in ihrem Bericht schreiben. Daher sei es unklar, ob die Ergebnisse ähnlich auftreten würden, wenn der Versuch mit Nicht-Cannabis-Rauchern unternommen werden würde. Dennoch raten Mediziner, die sich eingehend mit der therapeutischen Heilkraft von Cannabis beschäftigen schon seit längerer Zeit, den Wirkstoff nicht per „Joint zu inhalieren“, sondern beispielsweise in Form von Kapseln einzunehmen. Schließlich schädige der Qualm den Organismus, da dieser eine Vielzahl von Krebserregenden Stoffen beinhaltet. Zudem könne der in THC enthaltene Wirkstoff, der Rauschzustände verursacht, isoliert werden. Das ist besonders bei Patienten wichtig, die neurologische Beschwerden wie Schwindel oder Kopfschmerzen aufweisen. (fp, sb)