Science-Fiction-Methoden im Klinikum

Heilpraxisnet

Science-Fiction-Methoden im Krankenhaus

22.02.2015

Forscher stellten auf einer Konferenz in den USA Erfindungen vor, die viele eher mit Science-Fiction-Filmen in Verbindung bringen würden. Gesichtsprothesen aus dem 3D-Drucker oder virtuelle OP-Tische. Auch in Deutschland setzt die Gesichtschirurgie immer stärker auf digitale 3-D-Technik.

Pilzinfektion fraß sich durch das Gesicht
Der 61-jährige Billy Crawford, bei dem zuvor schon Krebs diagnostiziert worden war, entdeckte eines Tages einen schwarzen Punkt auf seiner Nase, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Er kämpfte dagegen mit Chemotherapie an, fühlte sich schwach und dann fing auch noch sein Gesicht an zu schmerzen. Eine Pilzinfektion– verstärkt durch die Auswirkungen der Chemotherapie – fraß sich innerhalb von Stunden durch das Gesicht des Texaners. Den Angaben zufolge blieb von seiner Haut zwischen Stirn und Oberlippe und auch von einem Auge kaum mehr etwas übrig. Die Ärzte schickten den Patienten nach Hause und teilten mit, er habe noch einen Tag zu leben.

Infektion wurde in anderer Klinik korrekt diagnostiziert
Crawford ging jedoch in eine andere Klinik in Dallas, wo die Infektion korrekt diagnostiziert und behandelt wurde. Der Texaner überlebte, war jedoch völlig entstellt, bis er im Krankenhaus auf Suzanne Verma traf. Die junge Frau ist Anaplastologin – sie versucht, entstellten Menschen zum Beispiel durch Prothesen wieder ein normales Leben zu ermöglichen. Mit seinem völlig entstellten Gesicht sei Crawford für sie ein absoluter Härtefall gewesen, berichtete Verma vor kurzem auf der Konferenz des weltgrößten Wissenschaftsverbands AAAS (American Association for the Advancement of Science) „Aber er ist auch bis heute der Patient, der mich am meisten beeindruckt und inspiriert hat. Seine positive Grundhaltung zum Leben war einfach toll.“

Gesichtsimplantat kam für Patient nicht infrage
Aufgrund seines geschwächten Immunsystems war der Texaner für ein Gesichtsimplantat nicht geeignet. Deshalb musste eine Prothese her. Dabei wandte Verma viele neuartige Methoden ihres Faches an. Wie die dpa berichtet, verglich sie mit ihrem Team die computertomographischen Daten des Patienten vor und nach seiner Infektion und erstellte am PC ein Modell für eine Gesichtsprothese. Crawford sollte mit Hilfe von Magnetimplantaten in seinen Gesichtsknochen die Prothese an- und ausziehen können. Sie schlug dem Chirurgen verschiedene Stellen für die Implantate vor, speicherte ihm die Informationen auf einem USB-Stick und ließ die Prothese per 3D-Drucker anfertigen.

3D-Kopien von Patienten
Verma kümmert sich nach der Operation noch um die Feinheiten der Prothese. „Zunächst sieht sie ein bisschen aus wie beim „Phantom der Oper“. Aber dann korrigieren wir die Farbe – bis hin zu Augenbrauen, Blutäderchen und Sommersprossen. Am Tag, als Billy zum ersten Mal seine Familie und Freunde wiedersehen konnte, fühlte er sich komplett wiederhergestellt.“ Für die Anaplastologin und auch Kollegen in anderen Städten ist es tägliche Krankenhaus-Realität, was für andere ein wenig wie Science-Fiction anmutet. So erstellt zum Beispiel der Arzt und Forscher James Mah von der Universität von Nevada in Las Vegas virtuelle 3D-Kopien von Patienten, wie er auf der AAAS-Konferenz erläuterte. Demnach fertigt er mit Hilfe von Daten etwa aus Kernspin- und Computertomographien 3D-Bilder der Patienten an, die er dann auf einen mannsgroßen Computerbildschirm projiziert, welcher wie ein Operationstisch aussieht. Auf diesem Bildschirm können beispielsweise Operationen geübt und mögliche Ergebnisse vorhergesagt werden.

Auch in Deutschland wird auf moderne Technologie gesetzt
Ein anderer Forscher, Eric Tremblay aus dem schweizerischen Lausanne, experimentiert mit Kontaktlinsen mit einer Art integriertem Teleskop. Die Linsen, getragen mit speziellen 3D-Gläsern, können mit einem Zwinkern aktiviert werden und eine Lupenfunktion bekommen. Bislang gebe es zwar nur Prototypen, erklärte der Experte auf der Konferenz. Doch möglicherweise könnte sein Produkt bereits in zwei Jahren erhältlich sein und vor allem Menschen mit starken Sehschwächen helfen. Auch hierzulande werden solche Techniken verstärkt angewendet. So berichtete die dpa im vergangenen Jahr, dass nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) innerhalb der Gesichtschirurgie immer stärker auf digitale 3-D-Technik und körpereigene Transplantate gesetzt werde. In immer mehr Fällen könne dadurch Leben gerettet und zugleich ein hohes Maß an Lebensqualität und Ästhetik erreicht werden.

Video zeigt Patienten kurz nach Erhalt der Gesichtsprothese
Solche modernen Techniken haben Billy Crawford für einige Jahre ein neues Leben geschenkt, bis er 2013 starb. Auf der AAAS-Konferenz spielte Ärztin Verma ein Video vor, dass den Texaner kurz nach dem Erhalt seiner Gesichtsprothese zeigt. „Ich kann wieder mit meinem Auto in die Stadt fahren, aussteigen und Freunde besuchen. Ich kann wieder in die Kirche gehen. Ich kann wieder ins Leben zurückkehren“, sagte Crawford damals voller Freude. „So schlecht wie es mir auch ging, es gibt Menschen, denen geht es noch schlechter. Man darf nicht in seinem Selbstmitleid ertrinken.“ (ad)

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