So lässt sich das Immunsystem stärken

Fabian Peters

Welche Maßnahmen können die Abwehrkräfte aufbauen? Welche sind ungeeignet?

09.10.2013

Zahlreichen Maßnahmen wird eine stärkende Wirkung auf das Immunsystem zugeschrieben, doch nicht alles was angeblich gut für die Abwehrkräfte ist, erfüllt die Erwartungen. Ob Bewegung, Saunagänge, viel Vitamine in Form von Obst und Gemüse oder spezielle Hausmittel – die Palette an Möglichkeiten zur Stärkung der Immunabwehr ist breit. Welche eine besonders vielversprechende Wirkung entfalten, haben Mediziner nun in einer aktuellen Mitteilung der Nachrichtenagentur „dpa“ zusammengestellt.

Tatsächlich sind die individuellen Abwehrkräfte der Menschen äußerst unterschiedlich. Während manche im Eiswasser baden, ohne auch nur Ansätze einer Erkältung zu entwickeln, reicht bei anderen eine kurze Unterkühlung aus, um anschließend mit Husten, Schnupfen und Heiserkeit für einige Tage im Bett zu liegen. Wieso die Abwehrkräfte der Menschen derart verschieden ausfallen, ist bislang nicht abschließend geklärt. Vielfach wird der Abhärtung dabei eine besondere Rolle zugesprochen, doch diese helfe tatsächlich nur wenig, berichtet Professor Stefan Meuer, Direktor des Instituts für Immunologie an der Universität Heidelberg, in der Pressemitteilung der Nachrichtenagentur „dpa“. Hier seien andere Maßnahmen vorzuziehen, die nachweislich das Immunsystem stärken.

Immunabwehr muss mit Nährstoffen versorgt werden
Zur Funktion der Immunabwehr erläuterte Hajo Haase vom Institut für Immunologie an der Uniklinik der RWTH Aachen, dass das „Immunsystem aus verschiedenen Zellen und löslichen Faktoren (besteht), die Krankheitserreger und Tumorzellen abwehren.“ Sobald Krankheitserreger die ersten natürlichen Abwehrbarrieren des Körpers wie beispielsweise die Haut oder Schleimhäute überwunden haben, erfolge eine Bekämpfung durch die Immunzellen, welche sie unschädlich machen und eine Vermehrung verhindern sollen. Um die Funktionsfähigkeit der Immunabwehr zu gewährleisten, müsse das Abwehrsystem jedoch mit bestimmten Nährstoffe versorgt werden, so Haase weiter. „Lassen Sie zum Beispiel Zink weg, dann sehen Sie ganz klar, welche Zellen fehlen und welche Abwehrmechanismen ausfallen“, erläuterte der Mediziner. Ebenfalls wichtig seien Kupfer, Eisen und Vitamine wie A, C, D und E. Laut Haase alles Inhaltsstoffe, die auch zu einer ausgewogenen Ernährung gehören.

Ernährung hat einen deutlichen Effekt auf das Immunsystem
Die zitierten Mediziner in der Pressemitteilung der Nachrichtenagentur sind sich darin einig, dass die Ernährung einen maßgeblichen Effekt auf die Abwehrkräfte hat. Auf die Frage, ob sich die Ernährung auf die Immunabwehr auswirkt, antwortete Prof. Stefan Meuer: „Eindeutig ja, aber wir wissen noch nicht wie.“ Denn die Darmflora spielt bei der Verstoffwechslung der aufgenommenen Nahrung eine entscheidende Rolle. Billionen von Bakterien bilden das sogenannte Mikrobiom, also die Gesamtheit der Mikroorganismen, die auf und im menschlichen Körpern leben. Seine Zusammensetzung kann von Mensch zu Mensch stark variieren, was bedeutet, dass auch die Darmflora erheblichen individuellen Unterschieden unterliegt. „Gezielte Veränderungen durch die Ernährung lassen sich erst erfassen, wenn man das Mikrobiom entschlüsselt hat“, betonte Prof. Meuer. Dies könne allerdings noch einige Jahre dauern. Daher seien derzeit „die meisten Geheimtipps zur Ernährung reine Spekulation.“

Mischkost mit dem stärksten Effekt auf die Abwehrkräfte
Karsten Krüger vom Institut für Sportwissenschaft an der Universität Gießen erklärte, angesichts der vom Immunsystem benötigten Nährstoffe gelte es als gesichert, „dass normale Mischkost einen maximalen Effekt auf das Immunsystem hat.“ Auch Hajo Haase betonte, dass eine gesunde Ernährung wichtig für gute Abwehrkräfte ist. Allerdings lasse sich durch einzelne Lebensmittel kein gezielter Einfluss auf die Abwehrkräfte nehmen. Am Beispiel der Hühnersuppe erläuterte er, dass die Patienten sich durch die Zufuhr von Nährstoffen, Salz und etwas Warmem zwar mitunter zunächst besser fühlen, aber die Hühnersuppe sich eher kurzfristig auf den Allgemeinzustand auswirke und das Immunsystem hiervon nicht beeinflusst werde.

Sport stärkt die Immunabwehr
Einig waren sich die Mediziner auch in der Einschätzung, dass Sport einen positiven Einfluss auf die Abwehrkräfte hat. „Moderates Training – also Schwimmen, Radfahren oder Joggen – stärkt das Immunsystem unabhängig von Regen, Schnee oder Sonne“, zitiert die Nachrichtenagentur „dpa“ die Aussage von Karsten Krüger. „Wir gehen davon aus, dass wir mit jedem Training das Immunsystem ein bisschen reizen und dadurch stimulieren. Dann funktioniert es besser“, erläuterte der Sportmediziner. Des Weiteren kann Sport beim Abbau von Stress helfen, was ebenfalls eine positive Wirkung auf das Immunsystem hat. Denn dauerhafter Stress führt laut Prof. Meuer dazu, dass der Körper vermehrt Kortisol ausschüttet, wodurch das Immunsystem unterdrückt werde. „Psychisches Wohlbefinden ist deshalb sehr wichtig“, so Meuer weiter.

Abhärtung ohne nachweislichen Effekt auf das Immunsystem
Zu möglichen Abhärtungsmaßnahmen, wie dem Saunieren oder Spaziergängen im Nieselregen erläuterte Professor Meuer, es gebe hier „keine einzige wissenschaftliche Untersuchung, die belegt, dass das Abhärten einen Einfluss auf das Immunsystem hat.“ Dennoch sei ein positiver Effekt der Abhärtungsmaßnahmen zu verzeichnen, da zum Beispiel regelmäßige Sauna-Besuche oder Kaltwasserbäder eine Verbesserung der körpereigenen Thermoregulation bewirken, ergänzte Karsten Krüger. So könne der Körper im Sommer leichter abkühlen und im Winter seine Wärmekapazitäten schonen. „Dazu gehört aber mehr, als im Regen spazieren zu gehen. Der Effekt wird wissenschaftlich erst sichtbar, wenn man in die Extreme geht“, so Krüger weiter.

Naturheilkunde bietet zahlreiche Ansätze zur Stärkung des Immunsystems
In dem Beitrag der Nachrichtenagentur wird auf die Ansätze der Naturheilkunde zum Stärken des Immunsystems, wie beispielsweise die Eigenbluttherapie, Hydrotherapie oder Maßnahmen der Pflanzenheilkunde bedauerlicherweise nicht weiter eingegangen, obwohl diese in der Praxis vielfach angewandt werden. Hier wird gemäß dem ganzheitlichen Ansatz der Naturheilkunde oftmals auch gezielt auf die Kombination aus psychischem und physischem Wohlbefinden eingegangen, was zumindest über die Stresslinderung auch im Sinne von Prof. Meuer einen positiven Effekt auf das Immunsystem haben sollte. (fp)

Bild: Gänseblümchen / pixelio.de