Sport ist so glücklichmachend wie Cannabis: Das Glück des Läufers und die Endocannabinoide

Sebastian
Was die Glücksgefühle bei Läufern auslöst
Menschen, die gerne joggen gehen, kennen das Glücksgefühl, das Anstrengung und Schmerz vergessen lässt. Eine neue Studie zeigt nun, woher dieses Hochgefühl beim Laufen womöglich kommt. Forscher meinen, dass cannabisähnliche Substanzen dahinter stecken könnten.

Glücksgefühl beim Laufen
Vor allem viele Langläufer kennen das Glücksgefühl, das selbst Schmerz und Anstrengung vergessen lässt. Ein Gefühl, das manche Sportler sogar regelrecht süchtig machen kann, wie Sportpsychologen immer wieder warnen. Als Ursache für dieses sogenannte „Runner`s High“ (Läuferhoch) wird häufig die Ausschüttung körpereigener Endorphine genannt.

Wenn Sport zur Sucht wird. Forscher haben Gründe analysiert. Bild: lassedesignen - fotolia
Wenn Sport zur Sucht wird. Forscher haben Gründe analysiert. Bild: lassedesignen – fotolia

Mannheimer und Hamburger Wissenschaftler um Johannes Fuß vom Institut für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie am Universitätsklinikum Eppendorf und Peter Gass vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim haben jetzt andere körpereigene Stoffe, die sogenannten Endocannabinoide, stärker ins Spiel gebracht, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Körpereigene Endocannabinoide sollen unter anderem Heißhunger animieren, wie in früheren Untersuchungen festgestellt wurde.

Ekstatische Zustände beim Sport und beim Sex
Die deutschen Forscher berichteten nun in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften („PNAS“) über die Ergebnisse. Ihren Angaben zufolge können die im Blut ausgeschütteten Endorphine die Blut-Hirn-Schranke nicht passieren und damit auch nicht die Effekte auslösen. Bei den lipophilen Endocannabinoiden, deren Werte im Blut von Läufern ebenfalls ansteigen, sehe dies jedoch anders aus. Wie Fuß mitteilte, sei es erstmals gelungen, in Experimenten nachzuweisen, dass das Läuferhoch bei Mäusen mit den Cannabinoid-Rezeptoren zusammenhänge. Nach eigenen Angaben interessiert sich der Wissenschaftler generell für ekstatische Zustände, „sowohl beim Sport als auch bei der Sexualität“.

Schmerzempfindlichkeit nimmt ab
Bei dem Test der Theorie mussten sich die Tiere fünf Stunden lang in Laufrädern abstrampeln. Dabei legten sie bis zu 6,5 Kilometer zurück. An Mäusen lasse sich zwar kein Glücksgefühl nachweisen, doch das Team konnte dafür Begleiteffekte des Läuferhochs feststellen. So waren die Langstreckenmäuse der Studie weniger schmerzempfindlich und weniger ängstlich als die Kontrollgruppe. Die Schmerzempfindlichkeit testeten die Forscher, indem sie die Mäuse nach dem Lauf auf eine heiße Versuchsplatte setzten. Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe zeigten sich die Langstreckenmäuse dabei entspannter. Demnach dauerte es länger, bis sie ihre Pfoten leckten oder in die Höhe sprangen. Den Wissenschaftlern zufolge deute dies auf ein geringeres Schmerzempfinden hin.

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Langstreckenmäuse zeigten weniger Angst
Zudem zeigten Tests in einer Licht-Dunkel-Box bei ihnen auch ein geringeres Angstempfinden. Die Tiere wurde dabei in eine dunkle Kammer gesetzt. Dann beobachteten die Forscher, wie häufig und wie weit sich die Mäuse aus der für sie gemütlich dunklen Kammer in die benachbarte gleißend helle Kammer wagten. Dabei konnte festgestellt werden, dass die Langstreckenläufer unter den Mäusen weniger Angst zeigten und sich allgemein länger in die für sie unangenehme helle Umgebung wagten. Daraufhin wurden den Mäusen Medikamente verabreicht, die die Endocannabinoid-Rezeptoren blockten. Die positiven Effekte des Läuferhochs blieben aus. Laut den Wissenschaftlern müsse es also einen Zusammenhang geben. Auf das Läuferhoch hatte die Blockade der Endorphin-Rezeptoren hingegen keinen Effekt. Die Forscher meinen, dass die zugrundeliegenden Mechanismen bei Mensch und Maus ähnlich sein dürften.

Sport kann süchtig machen
Ein „Runner`s High“ oder allgemein zu viel Sport kann aber auch zur gefährlichen Sucht werden, wie verschiedene Experten erst kürzlich warnten. „Es gibt Entzugssymptome, die Betroffenen werden aggressiv und unruhig“, erklärte der Sportpsychologe Heiko Ziemainz von der Universität Erlangen-Nürnberg. „Sie versuchen alles, um Sport treiben zu können und vernachlässigen ihr soziales Umfeld.“Und andere Fachleute hoben hervor, dass auch gesellschaftliche Zwänge und das Idealbild eines perfekten Körpers zu einer Sportsucht beitragen können. Wenn Sport zur Sucht wird, kann dies auch der Gesundheit schaden. So drohen unter anderem schwere Verschleißerscheinungen an den Gelenken, Knochen, Sehnen und Bändern oder auch Erschöpfung und Herzrhythmusstörungen. (ad)