Stress & Ärger verschlechtert Herzinfarkt-Prognose

Sebastian

Stress und Ärger verschlechtern Herzinfarkt-Prognose

02.09.2011

Herzinfarkt-Patienten, die emotional belastenden Ärger und Stress im Alltag erleben, verzeichnen insgesamt eine ungünstigere Genesungsprognose, wie eine italienische Langzeitstudie des Instituts für Klinische Physiologie in Pisa ermittelte. Die Studie zeigte, dass sich Herzpatienten keinesfalls allein auf die Gabe von Medikamenten verlassen dürfen, sondern ein emotional positiver Lebenswandel unabdingbar ist.

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Patienten, die bereits einen Myokardinfarkt erlitten haben und auch nach dem Herzanfall sich häufig ärgern und gestresst sind, haben eine schlechtere Prognose als jene, die ein ausgeglichenes und glückliches Leben führen. Das ergab eine 10 Jahre andauernde Studie des Instituts für Klinische Physiologie in Pisa, die aktuell auf dem europäischen Kardiologie-Kongress in Paris vorgestellt wurde. Als besonders schädigende Emotionen benannten die Forscher Wut, Aggression, Feindseligkeit, Angst und soziale Isolation. Während Negativgefühle schädigend auf das Herz wirken, können Positivgefühle die Heilungschancen erhöhen, wie die Wissenschaftler betonten. Dazu gehören laut der Studienergebnisse Mitgefühl, Phantasie, Geborgenheit und spirituelle Interessen. All diese Emotionen können das Herz vor schädigenden Einflüssen schützen, wie es in dem Studienbericht heißt.

Ärger und Wut verschlechtern Heilungschancen
An der Studie nahmen insgesamt 228 Probanden aus 13 Herz-Spezialkliniken teil. Alle Teilnehmer erlitten zwischen 1990 und 1995 einen Herzinfarkt. Hauptziel der Studie war, die emotionalen Verhaltensweisen der Patienten in einen Kontext zur Prognose zu setzen. Mittels eines Persönlichkeitstest wurden die Teilnehmer über zehn Jahre hinweg beobachtet. Während der Studienzeit wurden insgesamt 51 kardiale Vorfälle wie ein erneuter Herzinfarkt registriert. Unter zur Hilfenahme statistischer Analysen untersuchte das Forscherteam die Einflussnahme von psychischen Faktoren unter Berücksichtigung der äußeren Begebenheiten wie Alter, Geschlecht und klinischen Daten. Durch das Analyseverfahren war es dann möglich, eine konkrete Vorhersage zur weiteren Prognose zu treffen. In der Auswertung der ermittelten Daten zeigte sich, dass Angst, Ärger und Wut auf einem hohen Niveau die Genesungsprognose massiv beeinflusste. Herzpatienten, die übermäßig Ärger und Wut in ihrem Lebensalltag verspürten, zeigten ein 2,3 fach erhöhtes Risiko für Herzanfälle, als jene, die eher ausgeglichen waren. Wer trotz Herzinfarkt weiterhin Stressgeplagt war, verzeichnete ein 1,9 fach erhöhtes Risiko für kardiale Zwischenfälle. Patienten, die wenig Ärger verspürten, erlitten in 78,5 Prozent der Fällen während der zehnjährigen Untersuchungszeit keinen weiteren Myokardinfarkt. Probanden mit viel Wut und Ärger im Bauch zeigten nur eine Positivrate von 57,4 Prozent.

„Diese Zusammenhänge sind bedeutsam für Patienten nach einem akuten Herzinfarkt mit ihrer speziellen Verletzlichkeit und ihrem erhöhten Risiko. Die gute Nachricht ist, dass diese Patienten die Chance haben, ihr Verhalten zu ändern“, so Studienleiter Dr. Franco Bonaguidi. „Das ist ein günstiger Zeitpunkt für psychologische Interventionen und Verhaltenstherapie, wenn Patienten dies brauchen”, mahnte der Herzspezialist.

Stress und Ärger abbauen
Die Studiendaten zeigen erneut, wie wichtig es ist, sich mit Körper und Geist im Einklang zu befinden. Nach Meinung der Autoren müsse daher den Patienten ein „multidimensionaler therapeutischen Zugang“ ermöglicht werden. Neben der Gabe von Arzneimitteln ist eben auch eine psychische Begleitung in Form von Psychotherapie von hoher Bedeutung. Diese behandelt nicht das Gefühl als solches, sondern den tiefer gehenden Schmerz, der sich hinter solchen emotionalen Regungen verbirgt.

In der Naturheilkunde können Herzinfarkt-Patienten in der Ordnungstherapie den Abbau von Stress und das Erleben von Ruhephasen erlernen. Ein gesundes Maß an sportlicher Betätigung hilft ebenfalls dabei, Stress abzubauen und neue Energie zu tanken. Zur Vermeidung von Stress und Ärger empfehlen Heilpraktiker Autogenes Training, Selbsthypnose und Muskelentspannung. (sb)