Studie: Klimaerwärmung bewirkte mehr Diabetes-Typ2-Patienten

Alexander Stindt
Mediziner untersuchen Auswirkungen des Klimawandels auf Diabetes
Die negativen Auswirkungen des globalen Klimawandels auf unsere Umwelt dürften den meisten Menschen wohl mittlerweile bekannt sein. Forscher fanden jetzt heraus, dass die sich immer weiter erwärmende Erde zu vermehrten Fällen von Typ-2-Diabetes führen wird.

Die Wissenschaftler des Leiden University Medical Center in den Niederlanden stellten bei einer Untersuchung fest, dass die globale Klimaerwärmung zu einer Erhöhung der Fälle von Typ-2-Diabetes führen wird. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „BMJ Open Open Diabetes Research & Care“.

Viele Menschen in der heutigen Zeit sind an Diabetes erkrankt. Die immer weiter zunehmenden Temperaturen aufgrund der globalen Klimaerwärmung führen dazu, dass es in Zukunft zu noch viel mehr Diabetes-Erkrankungen kommen wird. (Bild: Andrey Popov/fotolia.com)

Bereits eine Erhöhung der globalen Temperatur um nur ein Grad hat große Auswirkungen
Die Erhöhung der Umgebungstemperatur um nur einem Grad Celsius führt dazu, dass alleine in den Vereinigten Staaten mehr als 100.000 neue Fälle von Typ-2-Diabetes auftreten werden, sagen die Experten. Die Autoren der Studie erklärten weiter, dass durch einen Zeitraum von einigen kalten Tagen das sogenannte braune Fett aktiviert wird. Es gibt einen Unterschied zwischen braunen und weißen Fett. Wenn braunes Fett aktiviert wird, führt dies zu einer Verbesserung der Körperempfindlichkeit gegenüber Insulin. Dieses Hormon hilft, Zucker aus Lebensmitteln in Energie umzuwandeln.

Braunes Fettgewebe erzeugt Wärme und hält die Körpertemperatur aufrecht
Die Funktion von braunem Fettgewebe ist es, Fett zu verbrennen. So wird Wärme erzeugt, um einen Abfall der Körpertemperatur durch die auftretende Kältebelastung zu verhindern, erläutert Autorin Lisanne Blauw vom Leiden University Medical Center.

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Bei Wärme ist braunes Fett nicht so aktiv
Wir nehmen an, dass braunes Fett eine wichtige Rolle bei dem Mechanismus spielt, der einer Assoziation zwischen Außentemperatur und Diabetes zugrunde liegt, erläutern die Experten. In wärmeren Klimazonen ist braunes Fett weniger aktiv, was möglicherweise zu Insulinresistenz und Diabetes führen kann.

Zumindest ein Teil des Effekts hängt mit dem braunen Fett zusammen
Bevor Sie jetzt in eine kältere Gegend ziehen, ist es wichtig zu beachten, dass diese Studie keine direkte Ursache-Wirkungs-Beziehung zwischen wärmeren Temperaturen und der Entwicklung von Typ-2-Diabetes nachweisen kann, sagen die Mediziner. Auf der Grundlage der sogenannten braunen Fetthypothese vermuten wir aber, dass zumindest ein Teil des Effekts durch die Aktivität des braunen Fetts erklärt werden kann, so die Autorin Blauw.

Immer mehr Menschen auf der Welt leiden an Diabetes
Die Prävalenz von Typ-2-Diabetes steigt schnell auf der ganzen Welt. Im Jahr 2015 litten etwa 415 Millionen Menschen weltweit an der Krankheit. Bis zum Jahr 2040 wird diese Zahl voraussichtlich auf 642 Millionen ansteigen, sagen die Wissenschaftler.

Bei einer längeren Erkältung verbessert sich die Insulinresistenz
Eine aktuelle Studie zeigte bereits, dass Menschen mit Typ-2-Diabetes mit einer moderaten Erkältung über einen Zeitraum von zehn Tagen, eine verbesserte Insulinresistenz aufweisen. Dies bedeutet, dass Betroffene Insulin effizienter einsetzen, erläutern die Forscher. Der Effekt könnte durch eine Erhöhung der Fettaktivität ausgelöst werden. Braunes Fett ist aktivsten im Winter, wenn die Temperaturen am kältesten sind, fügen die Autoren hinzu.

Studie analysiert Daten aus 50 verschiedenen U.S. Staaten
Für ihre aktuelle Studie untersuchten die Wissenschaftler die Daten von Erwachsenen in 50 U.S. Staaten, zusammen mit Guam, Puerto Rico und den U.S. Virgin Islands. Die Daten stammten aus dem Zeitraum vom Jahr 1996 bis zum Jahr 2009. Das Studienteam betrachtete zusätzlich auch die Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum Blutzuckerspiegel und den Fettleibigkeitsraten in 190 Ländern.

In wärmeren Bereichen der Welt haben die Menschen eine erhöhte Insulinresistenz
In der aktuellen Studie konnten wir beweisen, dass eine Zunahme der Außentemperatur mit einer Zunahme der neuen Diabetes-Fälle in den USA zusammenhängt, sagt die Studienautorin Blauw. Obwohl die Forscher keine Informationen über die Diabetes-Diagnosen weltweit hatten, sahen sie Anzeichen dafür, dass die Menschen in wärmeren Bereichen eine erhöhte Insulinresistenz aufwiesen.

Globale Erwärmung hat ernste Auswirkungen für die Gesundheit
Die Menschen müssen sich klarmachen, dass die globale Erwärmung ernste Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben kann, erläutern die Autoren. Die Ergebnisse zeigen, dass mehr Menschen in Ländern an Diabetes erkranken, in denen die mittlere Außentemperatur erhöht ist, fügt Blauw hinzu. Die Datenbank der Forscher beruht auf selbst gemeldeten Fällen von Diabetes, dies könnte zur Überschätzung oder Unterschätzung der Diabetes-Raten führen, weshalb weitere Untersuchungen für eine abschließende Bewertung erforderlich sind. (as)

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