Was tun bei Liebeskummer? Darüber reden!

Heilpraxisnet

Was tun bei Liebeskummer? Darüber reden!

12.01.2015

Es gibt wohl niemanden, der noch nie in seinem Leben an Liebeskummer zu leiden hatte. Freunde und Bekannte haben dann oft schnell Ratschläge parat, was man gegen das „gebrochene Herz“ tun kann: Ausgehen, Ablenken, neuen Partner suchen. Doch viele Betroffene wollen nur über ihren Kummer reden. Und das ist auch gut so, wie Psychologen meinen. Denn das hilft am besten, über den Verlust des Partners hinwegzukommen.

Viele Trennungen während der Weihnachtszeit
Frauen und Männer, Junge und Alte: Kaum jemand ist davor gefeit, nach einer Trennung an einem „gebrochenen Herzen“ zu leiden. Nicht nur seelische, sondern auch körperliche Beschwerden machen Betroffenen dann zu schaffen. Innere Unruhe, Schlafstörungen, Müdigkeit, Erschöpfung, Konzentrationsstörungen, Übelkeit und Bauchschmerzen sind typische Symptome, die auftreten können. Meist kommen Liebeskummer und Herzschmerzen in der Winterzeit, wie die „Welt“ in einem aktuellen Beitrag berichtet. Demnach zeige die Statistik, dass ein Drittel aller Trennungen in der Weihnachtszeit passieren. Freunde und Bekannte haben dann meist schnell Ratschläge parat: Neue Leute kennenlernen, Ausgehen, Ablenken. Doch frisch Getrennte wollen häufig nur über ihren Liebeskummer reden. Und das ist auch gut so, wie Wissenschaftler meinen.

Darüber reden und nachdenken
Forschern zufolge hilft das ständige darüber reden und nachdenken am besten dabei, über den Verlust des Partners hinwegzukommen. Selbst wenn niemand zuhört, lässt sich Liebeskummer mit Autotherapie heilen. Zu diesem Ergebnis kamen die Psychologin Grace M. Larson von der Northwestern University im US-amerikanischen Evanston und ihr Kollege David A. Sbarra von der University of Arizona in Tucson. Die Wissenschaftler hatten dafür 210 frisch Getrennte ins Labor gebeten, um zu untersuchen, was gegen Liebeskummer hilft. Die Probanden wurden in zwei Gruppen aufgeteilt, wobei der eine Teil kurze Fragebögen zur Trennung auszufüllen hatte und der andere die Beziehungsgeschichte sowie die Trennung so genau wie möglich wiedergeben sollte. Dies taten sie, indem sie alleine in einem Raum ihre Stimme selbst aufnahmen.

Weniger einsam und seltenere Gefühlsausbrüche
„Auf den ersten Blick könnte man auch meinen, dass es nicht so gut ist, die Betroffenen immer wieder an die Trennung zu erinnern, indem man sie bittet, diese zu beschreiben“, meinte Larson. Allerdings zeigen die jetzt im Fachjournal „Social Psychological and Personality Science“ veröffentlichten Ergebnisse genau das Gegenteil. Denjenigen Teilnehmern, die dauernd über ihre Trennung sprechen sollten, ging es nach den neun Wochen deutlich besser als jenen, die nur ein paar Kreuzchen in den Fragebögen gemacht hatten. Sie fühlten sich weniger einsam und wurden seltener von Gefühlsausbrüchen überfallen.

Veränderung des Selbstkonzeptes
Eine wichtige Rolle spielte dabei die Veränderung des Selbstkonzeptes. Diese gerät einer 2010 erschienenen Studie zufolge nach einer Trennung in der Regel völlig durcheinander.Die Forscher hatten damals in ihrer Studie „Who am I without you“geschrieben, dass das Konzept der eigenen Identität gerade in längeren Beziehung eng an die Identität des Partners gekoppelt sei. Wenn die Beziehung endet, gerät das Bild der eigenen Identität ins Wanken. In verschiedenen Studien wurde gezeigt, dass sich das Selbstkonzept nach einer Trennung langsam verändert und dass diese Veränderung zusätzlich zum eigentlichen Trennungsschmerz negativen Gefühlen Vorschub leistet.Die Reflexion über die Geschichte der Trennung kann demnach dabei helfen, schnell ein neues Selbstkonzept zu schaffen und zu stabilisieren, sich selbst unabhängig vom Partner und trotzdem vollständig zu fühlen, schreibt die „Welt“. Oder „ein besseres Verständnis dafür zu entwickeln, wer man als Single ist“, wie Larson es formuliert.

Kaum jemand fühlt sich vom Partner unabhängig
Bereits seit Anfang der 1990er-Jahre beschäftigen sich Wissenschaftler mit der Flexibilität des Selbstkonzeptes. Der US- amerikanische Psychologe Arthur Aron von der Stony Brook University stellte damals in einer Studie fest, dass die meisten Probanden das Gefühl hatten, der Partner sei ein mehr oder weniger großer Teil von ihnen. Kaum jemand gab an, sich von seinem Partner komplett unabhängig zu fühlen. Diese gefühlte Überlappung der Partner wurde von Forscheren „Inclusion of other in the self“ genannt. Diese existiert späteren Untersuchungen zufolge nicht nur „gefühlt“, sondern selbst Persönlichkeitseigenschaften gleichen sich bei Partnern, die schon lange zusammen waren, über die Zeit an. Manchmal wird diese Überlappung so stark, dass die verlorene „Eigenständigkeit“ zu einem Problem für die Beziehung und manchmal gar die Ursache für die Trennung wird.

Wiederholte Reflexion über die Trennung
Larson zufolge ist es sehr schmerzhaft, eine völlig normale Überlappung der Persönlichkeiten nach einer Trennung wieder aufzulösen. Die Expertin vermutet, dass die wiederholte Reflexion über die Trennung dabei hilft, weil sie es dem Betroffenen nach und nach immer größere Distanz zu dem Geschehenen ermöglicht. Bisher war das Prinzip des Aufarbeitens durch Reflexion vor allem für das Schreiben bekannt. Wie die „Welt“ berichtet, wendet der Psychologe James W. Pennebaker von der University of Texas in Austin das reflexive Schreiben als therapeutische Technik schon seit über 20 Jahren an. Wenn man vier Tage in Folge jeweils etwa eine Viertelstunde das aufschreibt, was einen innerlich durcheinanderwirbelt, dann entspanne dies nicht nur in diesen turbulenten Zeiten, sondern führe auch zu besserem Schlaf und verbesserter Immunfunktion.

Gute Strategie nach schmerzhafter Trennung
Der Psychologe schreibt auf seiner Webseite: „Emotionale Umbrüche berühren jeden Teil des Lebens“. Weiter heißt es: „Man verliert nicht einfach einen Job oder lässt sich scheiden. Diese Dinge berühren alle Aspekte dessen, was man ist – die finanzielle Situation, das Verhältnis zu anderen, den Blick auf sich selbst. Das Schreiben hilft dabei, uns zu fokussieren und die Erfahrung zu sortieren.“ Die Reflexion, egal ob im Kopf oder auf dem Papier, ist also eine gute Strategie nach einer schmerzhaften Trennung. Larson rät, dass man über die Trennung so schreiben oder sprechen sollte, als würde man es einem Fremden erzählen. Dies helfe am ehesten dabei, emotionale Distanz aufzubauen und sich von den Ereignissen innerlich zu lösen. Die, die ihr Selbstkonzept neu geordnet haben, sind auch wieder offen für eine neue Beziehung. (ad)

Bild: Paul-Georg Meister / pixelio.de

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