Weltnierentag: Übergewicht kann Nieren schaden

Sebastian

Nieren können durch Übergewicht belastet werden

11.03.2014

Im Vergleich zu Normalgewichtigen haben Menschen mit starkem Übergewicht und einem Body-Mass-Index über 40 häufiger eine eingeschränkte Nierenfunktion. Bislang sind jedoch die genauen Mechanismen der Nierenschädigung bei Adipositas unklar.

Menschen mit Adipositas haben öfter eingeschränkte Nierenfunktion
Menschen mit starkem Übergewicht und einem Body-Mass-Index über 40 haben im Vergleich zu Normalgewichtigen öfters eine eingeschränkte Nierenfunktion. Der Leiter der Nephrologie am Universitätsklinikum Leipzig, Professor Tom Linder erläuterte laut Presseberichten dazu: „Bei einem Teil der Patienten kann sich das Übergewicht negativ auf die Nierenfunktion auswirken. Dies passiere unabhängig von anderen Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes mellitus Typ 2, für die bei Übergewichtigen das Risiko ebenfalls stark erhöht ist. Erste Zeichen der Nierenbeeinträchtigung können erhöhte Kreatininwerte im Blut sowie die Ausscheidung von Proteinen im Urin sein.“ Die Nieren könnten also durch Adipositas beeinträchtigt werden auch wenn noch keine Folgeerkrankungen des Übergewichts vorliegen.

Folgeerkrankungen verstärken die Nierenbelastung
Allerdings treten die Folgeerkrankungen einer Adipostas häufig auf und verstärken die Nierenbelastung. Betroffene leiden zunächst an einem metabolischen Syndrom, wobei es sich um eine Kombination von Krankheitszeichen wie Zucker- und Fettstoffwechselstörungen sowie Bluthochdruck handelt. Bereits das metabolische Syndrom hat einen negativen Einfluss auf die Nieren und unbehandelt führt es häufig zu den typischen Folgeerkrankungen der Adipositas wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus Typ 2, welche den Nieren weiter zusetzen.

Auswirkung nur bei einem Teil der Patienten
Auch das Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) Adipositas Erkrankungen der Universität Leipzig und des Universitätsklinikums Leipzig berichtet anlässlich des Weltnierentags am 13. März über neue Erkenntnisse der Adipositasforschung. Die Wissenschaftler erklärten, dass die genauen Mechanismen hinter den Nierenschädigungen bei Adipositas noch unklar sind. Interessant sei jedoch, dass sich das Übergewicht nur bei einem Teil der Patienten negativ auf die Nierenfunktion auswirkt.

Progranulin fördert entzündliche Prozesse
Eine Ursache für den negativen Effekt einer Adipositas auf die Nieren könnte sein, dass adipöse Menschen vermehrt bestimmte Proteinhormone aus dem Fettgewebe (Adipokine) im Blut aufweisen. Leptin etwa verstärkt die Sklerose von Blutgefäßen und dies führt zu einer Verschlechterung der Nierenleistung. Im Zentrum der Forschung von Thomas Ebert am IFB steht das Adipokin Progranulin: „Die Progranulin-Spiegel im Blut von Patienten mit Adipositas oder mit Diabetes mellitus Typ 2 sind deutlich erhöht.“ Progranulin und seine Abbauprodukte fördern entzündliche Prozesse und können deshalb langfristig das Risiko für einen Diabetes mellitus Typ 2 sowie Arteriosklerose verstärken.

Stoffwechsel und Nieren beeinträchtigt
Ebert gelang es erstmals, zu demonstrieren, dass eine verringerte Filtrationsrate der Nieren mit erhöhten Progranulin-Spiegeln einhergeht. Durch die verringerte Nierenfunktion werden diese überschüssigen Adipokine nicht ausreichend ausgeschieden und beeinträchtigen weiter Stoffwechsel und Nieren. Langfristig könnte dieser Teufelskreis zur erhöhten Rate an Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei eingeschränkter Nierenfunktion beitragen. In weiterführenden Forschungsprojekten müsse untersucht werden, ob die überschüssigen Adipokine direkt nierenschädigend wirken. (sb)

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