WHO warnt vor resistenten Tripper-Bakterien

Fabian Peters

Verstärkte Ausbreitung von Antibiotika resistenten Tripper-Bakterien

07.06.2012

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor der Ausbreitung Antibiotika-resistenter Tripper-Bakterien. Weltweit infizieren sich laut Angaben der WHO jährlich mehr 100 Millionen Menschen mit Tripper (Gonorrhoe). Sollten die Resistenzen der Bakterien gegen Antibiotika weiter zunehmen, drohe ein starker Anstieg der Todesfälle, befürchten die WHO-Experten.

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„Tripper wird zu einem großen Problem der öffentlichen Gesundheit, wegen der hohen Inzidenz von Infektionen begleitet von schwindenden Behandlungsmöglichkeiten", erklärte Dr. Manjula Lusti-Narasimhan von der Abteilung für Reproduktive Gesundheit und Forschung bei der WHO. In vielen Ländern seien Resistenzen der Erreger gegen die bisher zur Behandlung eingesetzten Breitband-Antibiotika beobachtet worden. „Ohne die Erforschung neuer Antibiotika, könnte bald keine wirksame Behandlung für die Patienten“ mehr zur Verfügung stehen, betonte Dr. Lusti-Narasimhan. Schlimmstenfalls werde Tripper unheilbar.

Tripper-Bakterien entwickeln zunehmend Resistenzen
Während Tripper früher mit einfachem Penicillin relativ effektiv therapiert werden konnten, musste die Medikation wegen der zunehmenden Resistenzen der Tripper-Bakterien in der Vergangenheit bereits auf bestimmte Breitband-Antibiotika (Cephalosporine) umgestellt werden. Doch auch diese verlieren zusehends ihre Wirkung. Im Jahr 2011 wurde in Japan erstmals ein Gonokokken-Stamm entdeckt, der gegen alle Cephalosporine Resistenzen entwickelt hatte. Laut Angaben der WHO wurden seither in zahlreichen weiteren Ländern wie beispielsweise Australien, Frankreich, Japan, Norwegen und Schweden entsprechende Resistenzen bei Tripper-Bakterien (Gonokokken oder auch Neisseria gonorrhoeae) nachgewiesen. Sollte sich die Entwicklung fortsetzen, könnte es für Millionen Infizierte keine Heilungsmöglichkeiten mehr geben, warnt die WHO. „Wir sind sehr besorgt über jüngste Berichte von Therapieversagen bei der letzten wirksame Behandlungsoption (Cephalosporin-Antibiotika), da sich keine neue therapeutische Medikamente in der Entwicklung befinden“, erklärte die WHO-Expertin, Dr. Lusti-Narasimhan.

Globaler Aktionsplan zur Eindämmung resistenter Tripper-Keime
Die Weltgesundheitsorganisation fordert daher in ihren am Mittwoch veröffentlichten Leitlinien zum Umgang mit Gonorrhoe „eine größere Wachsamkeit für den korrekten Einsatz von Antibiotika und die weitere Erforschung alternativer Behandlungsverfahren bei Gonokokkeninfektionen.“ Mit einem globalen Aktionsplan soll gegen die Ausbreitung der resistenten Tripper-Keime vorgegangen werden. Hierzu gehöre auch die stärkere Überwachung der Antibiotika-Resistenzen bei Neisseria gonorrhoeae sowie „eine bessere Prävention, Diagnose und Kontrolle von Gonokokken-Infektionen“, berichtet die WHO in ihrer Pressemitteilung. Nach Einführung des Infektionsschutzgesetzes im Jahr 2001 nicht mehr flächendeckend erfasst, doch im vergangenen Jahr meldete das RKI, dass in Sachsen – wo die Daten noch erhoben werden – ein massiver Anstieg der Infektionszahlen zu beobachten war. Hier habe sich die Infektionsrate zwischen 2003 und 2010 mehr als verdoppelt. Inwiefern möglicherweise resistente Tripper-Bakterien dabei eine Rolle spielten, bleibt jedoch unklar.

Gesundheitliche Risiken einer nicht therapierbaren Tripper-Infektion
Zu den gesundheitlichen Risiken, die von einer nicht therapierbaren Tripper-Infektion ausgehen können, erläuterte die WHO , dass gesundheitliche Probleme, wie zum Beispiel Infektionen der Harnröhre, Gebärmutter und des Mastdarms, drohen. Auch könne Tripper zur Unfruchtbarkeit bei Männern und Frauen führen. Hinzu komme „ein signifikant erhöhtes Risiko der HIV-Infektionen.“ Eileiterschwangerschaften, Fehlgeburten, Totgeburten und Frühgeburten seien weitere mögliche Folgen des Trippers. Darüber hinaus besteht laut WHO bei Tripper-Infektionen während der Schwangerschaft ein Risiko von 30 bis 50 Prozent, dass die Babys bei der Geburt an einer schweren Augeninfektion durch die Gonokokken leiden. Weil die Infektion generell von den Geschlechtsorganen auch auf andere Organe übergehen kann, droht schlimmstenfalls ein tödlicher Krankheitsverlauf. Die Zunahme der Resistenzen ist daher nach Einschätzung der WHO äußerst kritisch zu bewerten.

Entwicklung der Antibiotika-Resistenzen bei Tripper-Bakterien
Zu der Entwicklung der Antibiotika-Resistenzen bei den Tripper-Bakterien erläuterte die WHO, dass diese „durch den ungehinderten Zugang zu Antibiotika, die Übernutzung und schlechte Qualität von Antibiotika, sowie natürliche genetische Mutationen der Krankheitserreger verursacht werden.“ Etwas mehr Sorgfalt bei der Verwendung von Antibiotika könnte demnach bereits der Ausbreitung der resistenten Tripper-Keime entgegenwirken. Deutliche Erfolge ließen sich nach Einschätzung der Experten auch auf dem Bereich der Infektionsprävention erzielen, wenn beim Geschlechtsverkehr verstärkt auf eine sichere Verhütung geachtet würde. Hier könnten schon einfache Aufklärungsmaßnahmen eine deutliche Verbesserung bringen. (fp)

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Bild: Sebastian Karkus / pixelio.de