Wieso Masern ansteckend sind

Fabian Peters

Forscher erklären, wieso die Infektionskrankheit Masern so ansteckend ist

03.11.2011

Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) haben gemeinsam mit Kollegen aus den USA, Kanada, Singapur und Frankreich herausgefunden, weshalb Masernviren so ansteckend sind. Erstmals gelang ein detaillierter Nachweis der Mechanismen, die der Übertragung von Masernviren zu Grunde liegen.

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Masern gelten als hoch infektiös, doch bislang blieb unklar, warum die Masernviren im Vergleich zu anderen Erregern so leicht von Mensch zu Mensch überspringen können. Die Wissenschaftler des auch für die Zulassung von Impfstoffen und Arzneimitteln in Deutschland zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts konnten nachweisen, dass die Masernviren aufgrund ihrer Ansiedlung in der Luftröhre besonders leicht übertragbar sind. Von dieser strategisch günstigen Lage aus werden die Viren beim typischen Masern-Husten mit winzigen Partikel in die Umgebung geschleudert und anschließend von den Mitmenschen aufgenommen, erläuterten die Forscher in der Onlineausgabe des Fachmagazins „Nature“.

Übertragung der Masernviren bis ins Detail entschlüsselt
Nach Ansicht der Wissenschaftler des PEI ist es „verblüffend, dass bisher nicht im Detail bekannt war, wie das Virus in den Körper gelangt.“ Zwar sei seit längerem erwiesen, dass die Masernviren einen speziellen Rezeptor nutzten, um die Zellen der Atemwege zu infizieren und die infizierten Zellen sich anschließend über die Lymphknoten im gesamten Organismus verbreiten. Doch um weitere Wirte zu befallen, müssen die Viren sich wieder an der strategisch günstigen Lage in der Luftröhre ansiedeln. „Wie aber die Erreger in die Atemwege zurückgelangen, um schließlich den Weg nach außen zu nehmen, blieb bisher ein Rätsel“, erläuterten die Experten des PEI. Die Forscher um Michael Mühlebach vom Paul-Ehrlich-Institut fanden nun heraus, dass das sogenannte Transmembranprotein „Nectin-4“ den Masernviren ihren Weg zurück in die Luftröhre ermöglicht.

Mit Masernviren gegen Krebs?
Ihre Erkenntnisse könnten nicht nur dazu beitragen, die Verbreitung der Masernviren deutlich zu reduzieren und die Behandlung der Infektionskrankheit zu verbessern, sondern auch Fortschritte beim Einsatz der „Masernviren in der Krebstherapie“ ermöglichen, erklärten die PEI-Forscher. Amerikanische Wissenschaftler der Mayo Clinic in Rochester im Bundesstaat Minnesota hatten im Juni eine Studie veröffentlicht, der zufolge die Injektion von abgeschwächten Masernviren direkt in die Tumore, das Wachstum von Lymphdrüsenkrebsgeschwüren deutlich verlangsamte und die Tumore teilweise sogar schrumpfen ließ.

Renaissance der Masern in Deutschland
Die wachsende Verbreitung der Masernviren in Deutschland hat zuletzt für erhöhte mediale Aufmerksamkeit gesorgt, nicht zuletzt da das Robert-Koch-Institut und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) mehrfach den ihrer Ansicht nach zu geringen Impfschutz in der Bevölkerung angeprangert hatten. So habe sich die Zahl der Masern-Infektionen im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt, kritisierten die Experten. Im Jahr 2010 wurden insgesamt 780 Masern-Infektionen gemeldet, dieses Jahr seien derzeit bereits mehr als 1.500 Erkrankungen registriert. Dabei sei das Gesundheitsrisiko einer Masern-Infektion nicht zu unterschätzen, wie auch die weltweit rund 120.000 Masern-bedingten Todesfälle pro Jahr verdeutlichen, betonten die Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts. (fp)