Yoga-Übungen senken die Nebenwirkungen der Strahlenbehandlung bei Prostatakrebs

Alexander Stindt
Experten untersuchen Auswirkungen von Yoga auf die Behandlung von Prostatakrebs
Yoga umfasst verschiedene geistige und körperliche Übungen. Viele Menschen nutzen Yoga zur Entspannung von unserem stressigen Alltag. Forscher fanden jetzt heraus, dass Yoga bei der Abwehr von Nebenwirkungen der Strahlenbehandlung bei Prostatakrebs helfen kann.

Die Wissenschaftler der Perelman School of Medicine an der University of Pennsylvania stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass Yoga die Nebenwirkungen einer Strahlenbehandlung bei Prostatakrebs vermindern kann. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse der Studie in der medizinischen Fachzeitschrift „International Journal of Radiation Oncology, Biology, Physics“.

Yoga-Unterricht hat positive Auswirkungen auf Körper und Geist. Forscher stellten jetzt fest, dass regelmäßige Yoga-Übungen sogar die Nebenwirkungen einer Strahlenbehandlung bei Prostatakrebs verringern können. (Bild: WavebreakMediaMicro/fotolia.com)

Regelmäßiges Yoga reduziert negative Auswirkungen einer Strahlenbehandlung
Wenn Männer mit Prostatakrebs zweimal in der Woche an strukturiertem Yoga-Unterricht teilnahmen, während sie sich einer Strahlenbehandlung unterzogen, verminderte dies die auftretenden Nebenwirkungen. Betroffene berichteten über weniger Müdigkeit, bessere Harnfunktionen und bessere sexuelle Funktionen, erläutern die Autoren.

Probanden wurden in zwei Gruppen aufgeteilt
Alle Patienten in der Studie unterzogen sich einer externen Strahlentherapie für Prostatakrebs, über einen Zeitraum zwischen sechs und neun Wochen. Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe nahm zweimal in der Woche an Yoga-Unterricht teil, die anderen Probanden dienten lediglich als Kontrollgruppe, berichten die Mediziner.

Mehr zum Thema:

Probanden nahmen wöchentlich an zwei jeweils 75 Minuten langen Yoga-Sitzungen teil
Jede Yoga-Sitzung dauerte 75 Minuten. Dabei begannen die Teilnehmer mit einer fünf Minuten langen Übung der Atmung und sogenannten Techniken der Zentrierung. Typische Sitzungen beinhalteten Sitz-, Steh- und Liegepositionen, welche mit der Hilfe von Requisiten modifiziert wurden, erklären die Wissenschaftler. So konnten die Übungen an die Bedürfnisse und Einschränkungen der Patienten angepasst werden.

Teilnehmer wurden regelmäßig zu ihrem Ermüdungsgrad befragt
Die Probanden wurden in erster Linie nach ihrem Ermüdungsgrad bewertet. Jeder Teilnehmer füllte einen Fragebogen über die sogenannte Ermüdungsschwere und die Auswirkungen auf den Alltag aus, erläutern die Forscher. Zum ersten Mal mussten die Probanden den Fragebogen zwischen zwei und drei Wochen vor Beginn ihrer Strahlentherapie ausfüllen. Während der Strahlentherapie musste der Fragebogen zweimal in der Woche beantwortet werden. In der letzten Woche der Strahlenbehandlung oder bei der letzten Teilnahme am Yoga-Unterricht, wurde ein abschließender Fragebogen ausgefüllt, fügen die Experten hinzu.

Am Anfang der Behandlung berichteten alle Teilnehmer über eine sehr geringe Ermüdung
Bevor die Patienten mit der Behandlung begannen, lagen alle Teilnehmer beider Gruppen am unteren Ende der Skala. Mit anderen Worten, sie berichteten über eine niedrige Ermüdung. Als die Behandlung weiter voranschritt, beobachteten wir einen Unterschied zwischen beiden Gruppen, erklären die Wissenschaftler.

Yoga senkte die Ermüdungswerte
Die Patienten in der Yoga-Gruppe berichteten über niedrigere Ermüdungswerte im Laufe der Zeit, in der sie am Yoga-Unterricht teilnahmen, sagen die Forscher. Patienten aus der Kontrollgruppe tendierten eher in die entgegengesetzte Richtung und berichteten über eine größere Ermüdung, um so mehr die Behandlung fortschritt.

Typische Erhöhung der Ermüdung blieb bei der Yoga-Gruppe komplett aus
Eigentlich gehen Mediziner davon aus, dass die gemeldete Müdigkeit sich in der vierten oder fünften Woche einer typischen Strahlenbehandlung erhöht. Bei der Yoga-Gruppe war dieser Effekt allerdings nicht zu beobachten. Sowohl die Schwere der Ermüdung als auch die Fähigkeit der Patienten, einen normalen Alltag zu führen, schienen positiv von dem Yoga-Unterricht betroffen zu sein, fügen die Wissenschaftler hinzu.

Normalerweise haben 85 Prozent der Behandelten Probleme mit ihrer sexuellen Gesundheit
Die Forscher haben außerdem beide Gruppen hinsichtlich ihrer sexuellen Gesundheit bewertet. Die sexuelle Dysfunktion betrifft normalerweise bis zu 85 Prozent der Patienten einer Strahlentherapie während der Zeit der Behandlung, sagen die Autoren.

Yoga verhindert negative Auswirkungen auf die sexuelle Gesundheit
Die Studie nutzte den sogenannten International Index of Erectile Function (IIEF) Fragebogen. Bei dieser Befragung reichte die Skala von 0 bis 25 Punkten. Menschen mit Bewertungen unter 12 Punkten wiesen eine moderate bis schwere erektile Dysfunktion auf. Die Punktezahl der Yoga-Teilnehmergruppe blieb weitgehend unverändert. Die Kontrollgruppe erlebte im Laufe der Behandlung einen Rückgang ihres Punktewerts.

Yoga verbesserte auch die Harnfunktion der Behandelten
Yoga ist dafür bekannt, dass es die Muskeln des Beckenbodens stärkt. Eventuell kann dieser Effekt dazu beitragen, dass die Yoga-Gruppe keinen Rückgang bei dem Punktewert erlebte, sagen die Autoren. Dies könnte auch mit besseren Werten der Harn-Funktion zusammenhängen. Die Ergebnisse weisen auf eine verbesserte oder stabile Harnfunktion hin, berichten die Wissenschaftler. Diese Erkenntnis stimme mit anderen Untersuchungen über die Auswirkungen der physikalischen Therapie der Beckenbodenmuskeln überein.

Yoga führt zu einer schnelleren Verbesserung des emotionalen Wohlbefindens
Die Studie stellte außerdem fest, dass zwar das emotionale Wohlbefinden beider Gruppen während der voranschreitenden Behandlung anstieg, die Auswertungsergebnisse verbesserten sich allerdings schneller in der Gruppe mit dem Yoga-Unterricht. Eine Auswertung des körperlichen Wohlbefindens zeigte ein ähnliches Muster. (as)