Hohe Kalzium-Zufuhr erhöht Herzinfarkt Risiko

Alfred Domke

Zu viel Kalzium kann schädlich sein: Nahrungsergänzungsmittel nicht immer sinnvoll

27.12.2013

Der Mineralstoff Kalzium ist ein weit verbreitetes und beliebtes Nahrungsergänzungsmittel mit dem Knochen und Nerven gesund und die Muskulatur in Gang gehalten werden. Lange Zeit galt der Vitalstoff als völlig ungefährlich und sinnvoll, doch nun haben Studien ergeben, dass ein übermäßiger Konsum Herz-Kreislauf-Risiken birgt.

Lebenswichtig für den Menschen
Kalzium gehört zu den lebenswichtigen Mineralien für den Menschen: Es stärkt und stabilisiert Knochen und Zähne und ist zudem an elementaren Körperfunktionen wie dem Informationsfluss in den Nerven, der Blutgerinnung und Muskelspannung beteiligt. Auch für die Aktivierung von Enzymen und die Hormonregulierung ist das Mineral nötig. Ein Kalziummangel kann unter anderem Muskelkrämpfe oder unter Umständen auch eine Rachitis und Osteoporose hervorrufen. Der Vitalstoff ist in verschiedenen Nahrungsmitteln reichlich enthalten, etwa in Milchprodukten wie Joghurt oder Käse, in Gemüsen wie Brokkoli und Lauch sowie in Nüssen. Zudem kann man ihn mit dem Trinkwasser und kalziumreichen Mineralwasser zu sich nehmen.

Knochengesundheit steigt durch Kalzium-Zufuhr
Wenn eine ausreichende Kalziumzufuhr aufgrund von einseitiger Ernährungsweise, oder auch wegen Mangelernährung im Alter oder bei Krankheiten auf der Strecke bleibt, greifen viele Menschen zu Kalzium-Pillen. Professor Armin Zittermann, Mitglied der Arbeitsgruppe Kalzium bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), erklärte gegenüber dpa: „Es ist in der Tat nachgewiesen, dass die Knochengesundheit durch die Zufuhr von Kalzium als Nahrungsergänzungsmittel steigt und die Rate an Knochenbrüchen in gefährdeten Bevölkerungsgruppen sinkt.“ Allerdings könne ein übermäßiger Konsum jener Mittel dazu führen, das Risiko für Gefäßverschlüsse und einen Herzinfarkt zu erhöhen. „Mehrere hochqualitative Studien aus den letzten Jahre liefern Hinweise darauf, dass diese Nebenwirkungen auftreten können“, so Zittermann.

Todesfälle bei Frauen erhöht
Problematisch werde die zusätzliche Aufnahme von Kalzium in Form von Nahrungsergänzungsmitteln vor allem dann, wenn bereits hohe Kalziumdosen mit der täglichen Nahrung zugeführt werden. Professor Zittermann bezieht sich dabei auf eine Studie aus Schweden, deren Ergebnisse Anfang 2013 in der Fachzeitschrift „British Medical Journal“ (BMJ) veröffentlicht worden sind. Der Studie zufolge war die Zahl der Todesfälle bei Frauen, die täglich mehr als 1400 Milligramm (mg) Kalzium über ihre Nahrung und Ergänzungspräparate zu sich genommen hatten, deutlich erhöht. Zittermann erläuterte: „Im Endeffekt hat Kalzium zwei Funktionen“. Der Mineralstoff wird größtenteils in Knochen eingelagert und trägt zur Knochenstabilität und -bruchsicherheit bei. Kleinere Mengen werden zudem im Blut für die Blutgerinnung benötigt.

Empfohlene Tageszufuhr häufig nicht erreicht
Der Forscher erklärt, dass man zusätzliches Kalzium nur dann einnehmen soll, wenn eine ausreichende Zufuhr über die Nahrung nicht gewährleistet werden könne. Von der DGE wird eine tägliche Zufuhr von 1.000 mg Kalzium für Erwachsene empfohlen. Laut dem Dachverband Osteologie (DVO) sollte die Summe aus Nahrungsergänzung und Ernährung 1.500 mg pro Tag nicht überschreiten. Die DGE-Empfehlung für Jugendliche liegt bei 1200 mg pro Tag. Die Ernährungswissenschaftlerin Petra Ambrosius, die dem internen wissenschaftlichen Ausschuss der Gesellschaft zur Information über Vitalstoffe und Ernährung (Give) angehört, erklärte, dass die empfohlene Tageszufuhr jedoch häufig nicht erreicht werde.

Ausreichende Versorgung mit Vitamin D
Diejenigen, die ihre Ernährung nicht verbessern können, sollten dann über eine Ergänzung nachdenken. Dabei komme es auf eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D an. „Vitamin D benötigt der Körper, um Kalzium aufnehmen zu können“, so Ambrosius. Meist enthielten handelsübliche Präparate daher eine Kombination aus Kalzium und Vitamin D. Vor allem im Winter herrsche oft ein Vitamin-D-Mangel, da der Körper das Vitamin nur mit Hilfe von Sonnenlicht bilden kann. Die individuelle Kalzium- und Vitaminzufuhr lasse sich durch eine Nährwertfeinanalyse überprüfen. „Man schreibt ein paar Tage lang auf, was man isst und trinkt“, erklärte Ambrosius. „Die Ernährungsberater analysieren die Angaben anhand von Nährwertprogrammen und können dann feststellen, ob die Zufuhr wahrscheinlich gedeckt ist.“

Umdenken bei Osteoporose
Aufgrund der Studienergebnisse sei ein Umdenken bei der Einnahme von Kalzium-Supplementen auch in Bezug auf die Knochenkrankheit Osteoporose angebracht, resümiert Prof. Johannes Pfeilschifter von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. „Früher hat man gesagt, wer einer Osteoporose vorbeugen will, sollte viel Milch trinken, viel Käse essen und selbstverständlich auch Kalziumtabletten einnehmen“, erläuterte er. „Nach diesem Motto „Viel hilft viel“ würde man heute nicht mehr verfahren.“ Diejenigen, die durch ihre Ernährung verlässlich auf ihre 1.000 mg Kalzium pro Tag kommen, benötigen daher keine Nahrungsergänzungsmittel. Aus den bisherigen Studien ergebe sich nicht, dass es einen Nutzen bringe trotzdem welche zu konsumieren. (ad)

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