Zwei Krebsarten in Europa: Deutliche Zunahme

Sebastian

Krebstodesfälle in Europa nehmen ab – Zwei Krebsarten nehmen zu

24.04.2014

Wie neueste Zahlen zeigen, nehmen Krebstodesfälle in Europa ab. Bei zwei Krebsarten steigen die Zahlen jedoch. So sind Bauchspeicheldrüsenkrebs und Lungenkrebs bei Frauen die einzigen Krebsarten, die in Europa auf dem Vormarsch sind.

Zwei Krebsarten in Europa auf dem Vormarsch
Neueste Zahlen zeigen, dass Krebstodesfälle in Europa abnehmen. Jedoch ist bei zwei Krankheitsbildern das Gegenteil der Fall. Demnach sind Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskrebs) und Lungenkrebs bei Frauen die einzigen Krebsarten, die in Europa auf dem Vormarsch sind. Wie Hochrechnungen von schweizerischen und italienischen Forschern zeigten, werden alle anderen Krebsarten 2014 weniger Todesfälle verursachen. Dies berichten die Wissenschaftler im britischen Fachmagazin „Annals of Oncology“.

Anstieg von Bauchspeicheldrüsenkrebs ist besorgniserregend
Demnach sterben in diesem Jahr über 82.000 Männer und Frauen an Bauchspeicheldrüsenkrebs, gegen den es kaum Behandlungsmöglichkeiten gibt. Wie das Team um Fabio Levi vom Universitätsspital und der Uni Lausanne berichtet, dürften 2014 in Europa insgesamt etwa 742.000 Männer und 580.000 Frauen an Krebs sterben. „Der Anstieg beim Bauchspeicheldrüsenkrebs ist besorgniserregend, denn die Prognose ist düster, und nur 5 Prozent der Patienten leben fünf Jahre nach der Diagnose noch“, so Co-Hauptautor Carlo La Vecchia von der Universität Mailand in einer Mitteilung.

Prävention mangels erfolgversprechender Therapien
Risikofaktoren für Pankreaskrebs sind neben Rauchen, Übergewicht beziehungsweise Adipositas und Alkoholmissbrauch auch eine Familiengeschichte der Krebserkrankung. Die Prävention über Rauchstopp, Kontrolle von Übergewicht und Diabetes sei mangels erfolgversprechender Therapien derzeit der einzige Ansatz. Deshalb sei eine Priorität, bessere Präventions- und Therapiemöglichkeiten zu suchen. Doch ansonsten malen die Mediziner ein eher positives Bild. So sind die Krebstodesfälle bei Männern seit 1988 um 26 Prozent und bei Frauen um 20 Prozent gefallen. Und seit 2009 immerhin um sieben respektive fünf Prozent. Wie die Forscher berichten, konnten somit im Vergleich zu 1988 für dieses Jahr 250.000 Krebstodesfälle verhindert werden.

Bald mehr Todesfälle durch Lungenkrebs als durch Brustkrebs
Erfreulich ist auch, dass die drei häufigsten Krebsarten bei Männern (Lungen-, Dickdarm- und Prostatakrebs) dieses Jahr um 8,4 beziehungsweise 10 Prozent abnehmen. Bei den Frauen reduzieren sich Brust- und Dickdarmkrebs um neun und sieben Prozent. Allerdings nimmt Lungenkrebs bei ihnen um acht Prozent zu. La Vecchia erklärte dazu: „Die Frauen, die in den 1960er- und 70er-Jahren zu rauchen begannen, bekommen nun Lungenkrebs.“ Er meint, dass Lungenkrebs in den nächsten paar Jahren bei Frauen den Brustkrebs als häufigste Todesursache überholen wird. Wie Levi sagte, müssten die EU- und nationalen Behörden daher vor allem die Tabakkontrolle durchsetzen, hauptsächlich durch höhere Steuern. In Deutschland wird dem Robert-Koch-Institut (RKI) zufolge jährlich bei mehr als 70.000 Frauen ein Brusttumor festgestellt. Jedes Jahr sterben etwa 17.000 Frauen daran und somit ist Brustkrebs noch immer die häufigste Krebstodesursache bei Frauen hierzulande.

Verbesserungen durch Vorsorgeprogramme und bessere Therapien
Die Reduktion bei Dickdarm- und Prostatakrebs schreiben die Ärzte besseren Vorsorgeprogrammen, Diagnose- und Behandlungsoptionen zu. Bei Brustkrebs seien vor allem die besseren Therapien dafür verantwortlich. Es müsste von den Behörden dafür gesorgt werden, dass alle Menschen Zugang zu diesen Optionen haben. Dies gelte insbesondere für die osteuropäischen Staaten, die noch hinterherhinkten. Die Autoren prognostizieren die Krebstodesfälle in Europa nun das vierte Jahr in Folge und haben dazu Daten von 27 EU-Staaten verwendet. Finanziert wurde die Studie von der Schweizer Krebsliga, der Stiftung Krebsforschung Schweiz und der italienischen Krebsforschungsgesellschaft. Die im Rahmen des EU-Pancreas-Programms durchgeführte Untersuchung schaute sich insbesondere die Todesfälle durch Bauch-, Darm-, Bauchspeicheldrüsen-, Lungen-, Prostata-, Brust- und Gebärmutter(hals)-Krebs an. (sb)

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