Akupunktur

Die Ohrakupunktur ist eine besondere, häufig angewendete Form der traditionellen chinesischen Heilmethode. (Bild: photophonie/fotolia.com)
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Akupunktur ist eine Jahrtausende alte Therapieform aus dem Bereich der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Das Wort Akupunktur wurde zusammengesetzt aus den beiden lateinischen Begriffen acus = Nadel und pungere = stechen. Bei der Behandlung werden bestimmte Punkte des Körpers mit einer Akupunkturnadel versehen. Diese Nadelung soll die Selbstheilung aktivieren, sich positiv auf die allgemeine Gesundheit auswirken und verschiedene Krankheiten heilen. Akupunktur wird in der Traditionellen Chinesischen Medizin nicht als alleinige Therapieform angewandt, sondern meist zusammen mit anderen Naturheilverfahren. Nach Grabfunden zu urteilen gab es schon 200 vor Christus eine Art Akupunktur in China.

Inhaltsverzeichnis

Lebensenergie als Basis
Verschiedene Arten des Qi
Meridiane mit ihren Akupunkturpunkten
Ablauf einer Akupunkturbehandlung
Auswirkungen der Akupunktur
Einsatzbereiche
Kontraindikationen
Besondere Formen der Akupunktur

Lebensenergie als Basis

In der Traditionellen Chinesischen Medizin, in der die Akupunktur zuhause ist, wird von Lebensenergie als dem sogenannten Qi (gesprochen „Tschi“) gesprochen. Hier ist Qi die Basis allen Lebens. Qi kommt nach der Lehre der TCM im Makrokosmos, das heißt, überall im Universum vor, aber auch im Mikrokosmos, also in jedem menschlichen Körper, fließt das Qi. Diese Art von Lebenskraft strömt nach der chinesischen Lehre in bestimmten Bahnen durch den Körper und sammelt sich zudem in allen Organen. Die Energiebahnen werden als Meridiane bezeichnet. Qi ist als eine Art Transportmedium zu verstehen, das schützt, eine Kontrollfunktion besitzt, für Wärme und für Nahrung sorgt.

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Die Nadeln in den Akupunkturpunkten sollen den Fluss des Qi beeinflussen. Bild: B. Wylezich/fotolia.com

Verschiedene Arten des Qi

Der TCM zufolge existieren verschiedene Arten des Qi. So gibt es ein Ursprungs-Qi, das in der vorgeburtlichen Zeit, im Mutterleib herrscht. Diese Lebensenergie sorgt für Wärme und eine gesunde Entwicklung des Körpers. In der Milz wird, nach der Lehre des TCM, aus Nahrung das sogenannte Nahrungs-Qi erstellt. Dies ist bedeutsam für die Energie des Körpers und versorgt vor allem die inneren Organe und den Bewegungsapparat. Ein weiteres Qi ist das Atmungs-Qi, das der Mensch durch die Atemluft aufnimmt und welches dann im Körper zu Lunge und Herz gebracht wird. Das klare Qi ist die Lebensenergie der Natur, die wir ebenfalls mit der Atmung in uns aufnehmen. Das Qi, welches dann in den Meridianen, den Energiebahnen des Körpers fließt, wird als Wahres Qi bezeichnet. Wahres Qi versorgt alle Organe.

Aus der Sicht der chinesischen Medizin bedeutet Gesundheit ein ausgewogenes Dasein des Qi. Krankheit hingegen ist ein Zustand, in dem die Lebensenergie nicht richtig fließen kann, es zu Stauungen oder Blockaden kommt. Eine gesunde Lebensenergie kann, nach Sicht der TCM, durch Hitze, Kälte. Feuchtigkeit, einseitige Ernährung, verschiedene psychische Faktoren, Drogen, Alkohol und noch vieles mehr aus dem Tritt geraten.

Meridiane mit ihren Akupunkturpunkten

In der TCM werden zwölf Hauptmeridiane von acht Nebenmeridianen unterschieden. Die Hauptmeridiane sind mit den inneren Organen und den Gliedmaßen verbunden. Die Nebenmeridiane sind nicht eindeutig zuzuordnen und stellen auch keinen geschlossenen Kreislauf dar.

Die Hauptmeridiane werden in Yin- und Yang-Meridiane unterschieden. Yin und Yang stellen nach der Lehre des TCM gegensätzliche Prinzipien und Qualitäten dar, die in jedem Lebewesen enthalten sind. So entspricht Yang zum Beispiel dem Tag, der Sonne und dem Himmel. Yang besitzt männliche Energie, entspricht der linken Gehirnhälfte, bedeutet Fülle und ist den Organen Gallenblase, Dünndarm, Magen, Dickdarm und Herz zugeordnet. Yin ist das weibliche Element, entspricht der Erde und der Nacht, steht für die rechte Gehirnhälfte und beeinflusst die Organe Leber, Herz, Milz, Lunge und Niere. Yin-Meridiane sind der Herzmeridian, Nierenmeridian, Lebermeridian, Lungenmeridian, Milz-Pankreas-Meridian und Perikardmeridian. Zu den Yang-Meridianen gehören der Dünndarmmeridian, Blasenmeridian, Gallenmeridian, Dickdarmmeridian, Magenmeridian und der Dreifach-Erwärmer-Meridian.

Auf den Hauptmeridianen sind circa 400 Akupunkturpunkte angeordnet. Um diese aufzufinden, richten sich Therapeuten nach genauen, topographischen Zuordnungen. Die Akupunkturpunkte werden klassifiziert in Alarmpunkte, antike Punkte, Zustimmungspunkte, Durchgangspunkte und Quellpunkte. Alarmpunkte reagieren, wie der Name schon sagt, meist auf Druck mit Schmerz. Sie befinden sich in der Nähe eines Organs und können schon frühzeitig auf ein krankhaftes Geschehen deuten. Antike Punkte werden die Anfangs- oder Endpunkte der Meridiane genannt. Zustimmungspunkte liegen auf dem Blasenmeridian. Diese Punkte haben Einfluss auf die verschiedensten Organe und Gewebe. Sie werden zusätzlich in die Behandlung mit einbezogen. Wenn zum Beispiel der Darm erkrankt ist und deshalb Punkte des Dünndarmmeridians für die Behandlung herangezogen werden, sind noch zusätzlich Zustimmungspunkte auf dem Blasenmeridian wichtig.

Ablauf einer Akupunkturbehandlung

Zuerst wird anhand einer ausführlichen Anamnese das herrschende Ungleichgewicht im Körper des Patienten ermittelt. Daraus resultieren dann die gewählten Akupunkturpunkte, die für eine erfolgreiche Behandlung nötig sind. Diese werden mit Hilfe feiner, dünner Nadeln akupunktiert. Das bedeutet, dass in die gewählten Punkte mit den feinen Akupunkturnadeln eingestochen wird. Je nachdem, ob es sich um einen Fülle- oder Leere-zustand handelt, wird die Nadel nach rechts oder links gedreht. Dieses Prinzip beruht auf überlieferten Erkenntnissen aus der Traditionellen chinesischen Medizin.

Bei einer einzigen Behandlung werden bis zu fünfzehn Nadeln verwendet. Diese verweilen bis zu dreißig Minuten in der Haut. Die Akupunktur wird beim liegenden Patienten ausgeführt. Eine Ruhezeit von ungefähr fünfzehn Minuten schließt sich der Akupunktur an. Ein Behandlungszyklus von fünf bis zehn Akupunktursitzungen ist die Regel. Bei äußerst empfindlichen Personen oder gar Kindern wird die Behandlungsdauer dementsprechend angepasst. Für die Akupunkturbehandlung werden sterile Einmalnadeln verwendet. Mitunter kann das Einbringen der Nadel in die Haut schmerzhaft sein, und/oder ein Wärme- oder Schweregefühl verursachen. Dies ist dann aber auch der Beweis dafür sein, dass der richtige Akupunkturpunkt getroffen wurde.

Auswirkungen der Akupunktur

Die Akupunktur-Behandlung beeinflusst das Nervensystem, sowohl das vegetative als auch das periphere. Sie beeinflusst den Blutfluss im Körper, hat stimulierende oder sedierende Auswirkungen auf das Hormonsystem. Die Akupunkturnadeln treffen auf Nervenzellen. Diese werden durch den Druck angeregt und geben Impulse an das Rückenmark weiter, bestimmte Substanzen werden ausgeschüttet, die zum Beispiel eine schmerzstillende oder anti-entzündliche Wirkung haben können. Ebenso wurde festgestellt, dass bei einer Akupunktur-Therapie die Produktion von Serotonin und Glucocorticoiden beeinflusst werden kann. Serotonin gehört zu der Gruppe der Neurotransmitter. Es regelt die Körpertemperatur, den Schlaf und hat Einfluss auf das Gefühlsleben. Glucocorticoide gehören zu den Steroidhormonen und haben neben vielfältigsten Aufgaben eine anti-entzündliche und anti-allergische Wirkung.

Bei histologischen Untersuchungen wurde festgestellt, dass besonders an Akupunkturpunkten gehäuft Meißner-Tastkörperchen (sensible Rezeptoren in der Haut) vorkommen. Akupunkturpunkte besitzen einen bis zu 85 Prozent niedrigeren elektrischen Hautwiderstand als die restliche Haut. Messgeräte, die dazu dienen Akupunkturpunkte aufzusuchen, nutzen diese Eigenschaft.

Einsatzbereiche

Hier hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestimmte Einsatzgebiete für eine Akupunkturbehandlung festgelegt. Dies sind neurologische und orthopädische Erkrankungen, Erkrankungen des Verdauungstraktes, sowie des Mundes und der Atmung. Die Akupunktur wird auch bei gynäkologischen Beschwerden eingesetzt. Häufig kommt sie bei der Schmerzbehandlung zum Einsatz und kann bei einer Operation benötigtes Narkosemittel reduzieren. Auch Beschwerden wie Ohrensausen, Kopfschmerzen und Rückenschmerzen lassen sich unter Umständen mit Akupunktur erfolgreich behandeln.

Kontraindikationen

Bei schwachen Personen und Kindern unter zwölf Jahren wird die Akupunktur im Allgemeinen nicht angewandt. Der Einsatz bei einer Schwangeren muss sehr kritisch betrachtet werden.

Die Ohrakupunktur ist eine besondere, häufig angewendete Form der traditionellen chinesischen Heilmethode. (Bild: photophonie/fotolia.com)
Die Ohrakupunktur ist eine besondere, häufig angewendete Form der traditionellen chinesischen Heilmethode. (Bild: photophonie/fotolia.com)

Besondere Formen der Akupunktur

Die Ohrakupunktur stellt eine bekannte Sonderform dar. Hier werden Nadeln verwendet, die ganz flach sind und deshalb auch als Dauernadeln zum Einsatz kommen. Das bedeutet, dass diese mehrere Tage in der Haut bleiben. Weitere Sonderformen sind die Fußakupunktur, Schädelakupunktur, Mundakupunktur, Augenakupunktur und die Farbakupunktur. In manchen Fällen kommt bei der klassischen Akupunktur noch das Moxakraut hinzu. Dies wird in kleinen Kugeln auf die Enden der Nadeln aufgebracht und angezündet. Moxakraut soll nach der Lehre der TCM, hier noch zusätzliche Wirkungen haben. Besondere Massageformen, wie zum Beispiel Akupressur oder Shiatsu arbeiten ebenso mit Akupunkturpunkten. Diese werden nicht gestochen sondern mit Massagetechnik stimuliert. In der Naturheilkunde werden häufig Injektionen in bestimmte Akupunkturpunkte gegeben. Dies stellt eine Kombination aus Akupunktur und Injektion dar und kann damit die Wirkung aus beiden Therapierichtungen verstärken. (sw)