Doppelbilder sehen – Ursachen und Therapie

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Dr. Utz Anhalt
Doppelt sehen – Diplopie
Normalerweise fügt das Gehirn die Eindrücke des rechten und linken Auges zu einem Gesamtbild zusammen. Wer unter Diplopie leidet, der sieht jedoch Dinge doppelt – entweder auf einem Auge oder auf beiden Augen gleichzeitig.

Wir unterscheiden zwischen monokularen und binokularen Doppelbildern. Monokulare Doppelbilder entstehen, wenn das Auge einfallende Lichtstrahlen in Augenlinse und Hornhaut unterschiedlich bricht. Der gleiche Gegenstand erzeugt so zwei verschiedene Bilder auf der Netzhaut und im Gehirn.

Verbreiteter sind binokulare Doppelbilder. Dabei entsteht in jedem Auge ein unterschiedliches Bild. Manche Betroffene sehen Bilder seitlich verschoben, bei anderen kippt das Bild, andere nehmen ihre Umwelt verschwommen wahr, sehen dabei aber zwei Bilder, die sich überlagern.

Die Ursachen für Doppelbilder sehen sind vielfältig, ernsterer Natur und oft auch harmlos. Bild: Robert Kneschke - fotolia
Die Ursachen für Doppelbilder sehen sind vielfältig, ernsterer Natur und oft auch harmlos. Bild: Robert Kneschke – fotolia

Die Patienten können Entfernungen nicht mehr richtig einschätzen, deshalb haben sie Probleme, Dinge zu greifen und zu gehen. Körperliche Arbeiten fallen ihnen schwer, sie können ihre Bewegungen schlecht konditionieren, und sie klagen über Erschöpfung, weil sie sich übermäßig anstrengen, um Gegenstände des Alltags zu fokussieren.

Die Ursache dafür kann harmlos sein, zum Beispiel, wenn ein Augenmuskel strapaziert ist. Manchmal steckt jedoch eine ernste Krankheit dahinter – bis hin zu einem Gehirntumor.

Was geschieht beim Doppeltsehen?

Die Ursachen für eine Diplopie sind vielfältig.

1) Bei einer Augenmuskellähmung entstehen die Doppelbilder, weil die Betroffenen die Augenmuskeln nicht angemessen bewegen können.

Zu diesen Muskeln gehören die sechs Augenmuskeln und der Lidhebermuskel. Drei Hinrnnerven leiten Informationen an diese Muskeln weiter.

Solche Lähmungen entstehen, wenn die Hirnnerven beschädigt sind. Oft entsteht dieser Schaden durch eine Basiserkranung, zum Beispiel durch einen Tumor oder eine gestörte Durchblutung.

Die gelähmten Muskeln können die Informationen des Gehirns nicht mehr umsetzen.

2) Augenbewegungsstörungen

Bewegungsstörungen in den Augen entstehen durch Verletzungen der Augenhöhle. Wenn das Auge sich nicht in der Höhle kaum noch bewegen kann, sehen wir doppelt.

3) Angeborene Fehlsteuerungen der Augenmuskeln können dazu führen, dass sich die Struktur der Muskeln verändert. Dann sehen wir Doppelbilder, sie seitlich verschoben oder gekippt erscheinen.

Erkrankungen der Augenhöhle

Doppelbilder entstehen auch durch Verletzungen der Augenhöhlenwände – meist durch Gewalt. Ein Schlag auf das Auge, der eine Fraktur der Höhlenwände auslöst, klemmt bisweilen die Augenmuseln ein. Jetzt kann sich der Augapfel schlecht bewegen. Ist zusätzlich ein Nerv beschädigt, erschlafft außerdem der Augenmuskel. Eine Knochenfraktur muss operiert werden.

Die Augenhöhlen können sich auch entzünden, häufig greift hier eine Infektion der Nasennebenhöhlen auf das Auge über. Die Bewegung der Augen schränkt sich dann in allen Richtungen ein, egal wohin die Betroffenen gucken, überall nehmen sie Bilder doppelt wahr. Hier helfen Antibiotika effektiv.

Eine Augenhöhlenentzündung lässt sich leicht mit nicht infektiösen Erkrankungen der Augenmuskeln oder des Bindegewebes verwechseln, die zudem die gleichen Symptome auslösen. Hier helfen keine Antibiotika, sondern Kortison – und zwar über längere Zeit.

Erkrankungen der Hirnnerven

Gelähmte Hirnnerven erkennen wir unter anderem daran, dass die Betroffenen schielen.

Der vierte Hirnnerv ist mit dem oberen Augenmuskel verbunden. Wenn keine Informationen mehr an den Muskel gelangen, senkt sich das Auge nicht mehr nach unten und lässt sich nicht mehr nach innen rollen. Die Doppelbilder sind in der Höhe versetzt und gekippt. Die Bilder verstärken sich, wenn der Kopf zur betroffenen Seite kippt oder die Blicke sich nach unten richten.

Der sechste Hirnnerv gibt die Impulse an den äußeren Augenmuskel. Fällt er aus, dreht sich das Auge nach innen.

Der dritte Hirnnerv ist für die anderen vier Augenmuskeln zuständig. Versagt er, dann gleitet das Auge nach außen ab. Auf- und abblicken ist nur noch eingeschränkt möglich.

Diese Nervenlähmungen entstehen meist durch eine gestörte Durchblutung, und diese geht meist einher mit einer Diabetes mellitus. Auch starkes Rauchen und Bluthochdruck können diese Störung verursachen.

Das Doppelsehen bei einer Lähmung des vierten Hirnnervs entsteht meist durch eine Verletzung, also durch ein Schädel-Hirn-Trauma. Die Betroffen schielen in der Regel nicht und sehen verkippte Doppelbilder, wenn sie nach unten sehen.

Bei einer Lähmung des sechsten Hirnnervs nimmt meist das Gehirnvolumen zu, sei es durch einen Tumor oder durch innere Blutungen.

Eine schnelle neurologische Untersuchung ist besonders dann wichtig, wenn die Beschwerden immer wieder auftreten oder anhalten. Bild: ocketclips - fotolia
Eine schnelle neurologische Untersuchung ist besonders dann wichtig, wenn die Beschwerden immer wieder auftreten oder anhalten. Bild: ocketclips – fotolia

Nach der Behandlung der ursächlichen Erkrankung wartet der Arzt ein Jahr ab, damit Nerven und Muskeln sich regenerieren können. Schielen als Folge der Lähmung lässt sich durch eine jetzt folgende Operation behandeln.

Bis diese Operation die Fehlstellung endgültig beseitigt, tragen die Betroffenen eine Brille mit Umkehrprismen.

Betroffene, die an einer Lähmung der Hirnnerven leiden, leiden unter Schwindel, ihr Raumempfinden ist gestört, und sie versuchen, den verzerrten Blick auszugleichen, indem sie den Kopf zur Seite neigen.

Doppelt sehen mit nur einem Auge

Keratokonus heißt eine seltene Erkrankung der Hornhaut. Darunter leiden in Deutschland um die 40.000 Menschen. Die betroffene Hornhaut wölbt sich vor und dünnt aus.

Am meisten verbreitet ist die Krankheit bei Männern in den 20ern. Die Brechkraft des Auges verändert sich bei ihnen immer wieder von neuem und so schwankt ihre Sehschwäche. Sie sehen „Schatten“ an Buchstabern und sie sehen doppelt – aber nur auf einem Auge.

Die Ursache ist unbekannt. Augenärzte erkennen Keratokonus mit einer Hornhaut-Topographie. Sie messen die Dicke der Hornhaut und untersuchen mit einem Spaltlampenmikroskop, wie die Hornhaut sich verändert.

Alkoholbedingte Doppelbilder

Stark Betrunkene sehen doppelt. Das hat mit einer sonstigen Sehschwäche wenig zu tun. Ob jemand kurz- oder weitsichtig ist, beeinflusst der Alkohol nicht.

Wenn wir zu viel getrunken haben, ist hingegen das Zusammenspiel zwischen Gehirn und Auge gestört. Die Nervenimpulse erreichen das System Auge nicht mehr, und wo im nüchternen Zustand ein dreidimensionales Bild aus den Eindrücken beider Augen entsteht, tanzen plötzlich zwei Bilder herum. Beide Augen müssen in die exakt gleiche Richtung blicken, um ihre Bilder zu verschmelzen. Nach schwerem Alkoholgenuss ist das nicht mehr möglich.

Therapie

Das doppelt Sehen lässt sich ebenso behandeln wie die Krankheiten, die ihm zugrunde liegen.

Eine Prismenfolie auf der Brille oder ein spezielles Brillenglas mit Prismenschichten stellen das Gesamtbild wieder her. Oft muss das betroffene Auge abgedeckt werden, das ist aber nur eine Lösung für kurzfristige Augenstörungen. (Dr. Utz Anhalt)

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Referenzen:

http://cms.augeninfo.de/hauptmenu/presse/aktuelle-presseinfo/pressemitteilung/article/mit-einem-auge-doppelt-sehen-1.html
https://www.orthoptik.de/fileadmin/pdf/Behandlungsmoeglichkeiten_bei_Doppelbilder.pdf
http://www.diabetes-ratgeber.net/Schlaganfall/Warnzeichen-eines-Schlaganfalls-54174_3.html
http://www.sehtestbilder.de/warum-betrunken-doppelt-sehen.php