Eiter im Ohr – Ursachen und Therapie

Eiter im Ohr ist ein ernstzunehmendes Symptom, das dringend ärztlich abgeklärt werden sollte. (Bild: pathdoc/fotolia.com)
Susanne Waschke
Eiter im Ohr ist stets ernstzunehmen und muss von ärztlich abgeklärt werden. Eventuell ist ein Antibiotikum nötig. Hausmittel und naturheilkundliche Behandlungsverfahren unterstützen den Heilungsprozess.

Was ist Eiter und warum entsteht dieser?

Eiter entsteht im Rahmen eines „Abwehrkampfes“. Leukozyten (weiße Blutkörperchen) wandern in ein Entzündungsgebiet ein. Diese sterben ab, hinzu kommen noch Bakterien und Gewebereste – dies Alles zusammen wird Eiter.

Eiter im Ohr ist ein ernstzunehmendes Symptom, das dringend ärztlich abgeklärt werden sollte. (Bild: pathdoc/fotolia.com)
Eiter im Ohr ist ein ernstzunehmendes Symptom, das dringend ärztlich abgeklärt werden sollte. (Bild: pathdoc/fotolia.com)

Ursachen

Mögliche Ursachen für Eiter im Ohr sind eine Gehörgangentzündung (Otitis externa), Innenohrentzündung (Labyrinthitis), Mittelohrentzündung (Otits media), Verletzungen, Abszesse, Furunkel oder Fremdkörper im Ohr.

Gehörgangsentzündung

Eine Gehörgangsentzündung entsteht durch Schädigung der Haut im äußeren Gehörgang. Die Ursachen dafür sind oft unsachgemäße Reinigung oder zum Beispiel unsauberes Badewasser, das in das Ohr eingedrungen ist. Der Gehörgang ist schmerzhaft geschwollen, gerötet und eine schmierige bis blutige Sekretion tritt auf. Auch Eiter im Ohr ist möglich. Wird der Gehörgang vollständig verlegt, klagen die Betroffenen über Schwerhörigkeit. Sind keine Bakterien, sondern Pilze für die Entzündung verantwortlich, steht nicht der Schmerz, sondern Juckreiz im Vordergrund. In schweren Fällen kommen zu den bereits genannten Symptomen noch Fieber und eine lokale Lymphknotenschwellung hinzu.

Der behandelnde Arzt stellt mit Hilfe eines Abstrichs den Erreger fest. Je nach Ursache wird ein alkohol-, antibiotika, – oder kortisonhaltiger Salbenstreifen in den Gehörgang eingebracht. In leichteren Fällen reichen entsprechende Ohrentropfen aus.

Tubenkatarrh

Bei Kindern ist ein Tubenkatarrh in Verbindung mit einer Erkältung häufig anzutreffen. Die Schleimhaut in der Ohrtrompete entzündet sich und ist geschwollen. Infolgedessen funktioniert der Druckausgleich im Mittelohr nicht mehr richtig. Die Ohrtrompete, auch Tuba auditiva oder Eustachische Röhre genannt, verbindet den Nasen-Rachen-Raum mit dem Mittelohr. Bei einem Tubenkatarrh entzündet sich die Schleimhaut der Ohrtrompete (Tuba auditiva, Eustachi-Röhre). Dadurch funktioniert der Druckausgleich im Mittelohr nicht mehr richtig. Gerade bei Kindern entzündet sich diese aufgrund der kindlichen anatomischen Verhältnisse häufig. Ein akuter Tubenkatarrh macht sich durch ein plötzlich auftretendes Druckgefühl im Ohr bemerkbar. Hinzu kommen eventuell stechende Ohrenschmerzen, ein Knacken im Ohr beim Schlucken und eine Hörminderung. Das anfallende Sekret kann eitrig sein. Behandelt wird der Tubenkatarrh in erster Linie mit Nasentropfen. Eventuell werden Schmerz stillende Medikamente verordnet. Ein Antibiotikum ist in der Regel nur dann nötig, wenn die Gefahr einer Mittelohrentzündung besteht.

Bei KIndern sind Mittelohrentzündungen relatv hufig Ursache für Eiter im Ohr. (Bild: Picture-Factory/fotolia.com)
Bei KIndern sind Mittelohrentzündungen relatv hufig Ursache für Eiter im Ohr. (Bild: Picture-Factory/fotolia.com)

Mittelohrentzündung

Die Ursachen für Eiter im Ohr kann eine Mittelohrentzündung sein. Sie ist eine ernstzunehmende Erkrankung und gehört unbedingt in die Hand eines Arztes. Diese Ohrenentzündung tritt vor allem bei kleineren Kindern auf und steht meist in Verbindung mit einem Infekt oder einer Infektionskrankheit, wie zum Beispiel Masern. Oft sind Bakterien dafür verantwortlich. Die Erreger gelangen über die Ohrtrompete in Richtung Trommelfell. Die Schleimhaut entzündet sich, schwillt an und ein eitriges Sekret bildet sich.

In der Regel treten plötzliche, massive Schmerzen auf, die einen pulsierenden Charakter haben. Die Kinder fühlen sich sehr krank, haben Fieber und eventuell auch Kopfschmerzen. Bei Säuglingen und Kleinstkindern sind die Symptome häufig recht unspezifisch. Sie schreien vor allem dann, wenn sich sich hinlegen sollen, wollen ständig umher getragen werden und leiden unter Durchfällen und/oder Erbrechen. Hinzu kommt Unruhe und ein ständiges Greifen an das betroffene Ohr. Schon bei sanftester Berührung kann das Ohr schmerzen. Durch den Sekretstau hinter dem Trommelfell, kann dieses reißen. Ist dies der Fall, tritt plötzlich Sekret aus und die Schmerzen lassen schlagartig nach.

Innenohrentzündung (Labyrinthitis)

Eine Innenohrentzündung spielt sich, wie der Name schon verrät, im Innenohr ab, dort wo sich das Gleichgewichtsorgan befindet. Bei dieser Erkrankung, die häufig mit Eiter im Ohr auftritt, ist ebenfalls ein Arztbesuch unumgänglich. Mögliche Ursachen dafür sind zum Beispiel eine Mittelohrentzündung, die nicht auskuriert wurde und sich auf das umliegende Gewebe ausgebreitet hat. Ebenso möglich ist die Ausbreitung in die entgegengesetzte Richtung. Das heißt, eine Infektion im Gehirn ist in Richtung Innenohr gewandert. Eine virale Labyrinthitis kann durch Viren ausgelöst werden, die auch für Infektionskrankheiten, wie Masern oder Mumps verantwortlich sind.

Zu den Symptomen dieser ernstzunehmenden Krankheit gehören Schwindel, massive Übelkeit, Erbrechen, Schwerhörigkeit und ein Paukenerguss, der aus aus seröser, aber auch blutiger, schleimiger oder eitriger Flüssigkeit bestehen kann. Eventuell muss dieser mit Hilfe eines chirurgischen Eingriffs entlastet werden.

Abszess oder Furunkel im Ohr

Ein Furunkel kann dort entstehen, wo Haare sind, das heißt, die Entzündung, in Form eines kleinen Eiterpickels bildet sich um ein Haar herum. Ein Furunkel kann sich im äußeren Gehörgang bilden. Ursache dafür ist häufig unsachgemäße Reinigung mit einem Wattestäbchen. Das Furunkel kann äußerst schmerzhaft sein, was sich eventuell beim Kauen und Sprechen noch verstärkt. In der Regel ist so ein mit Eiter gefüllter Pickel eine harmlose Angelegenheit. Doch da der äußere Gehörgang schwer einsehbar ist, sollte ein Arzt sich das Furunkel ansehen. Eventuell ist ein Einritzen nötig, damit der Eiter abfließen kann.

Eiter im Ohr kann aber auch mit einem Abszess zusammenhängen. Dies ist eine Komplikation, die aus einem Furunkel entstehen kann. Allerdings geschieht das recht selten. Egal, ob Furunkel oder Abszess, im Gehörgang sollte auf keinen Fall eigenmächtig herumgedrückt werden.

Fremdkörper im Ohr

Vor allem bei kleinen Kindern gelangen mitunter Fremdkörper wie zum Beispiel kleine Spielzeuge, eine Murmel oder Ähnliches ins Ohr. Bei Erwachsenen sind es eher eine Mücke oder Käfer, die sich ins Ohr verirrt haben. Auf jeden Fall muss der Fremdkörper entfernt werden und zwar auf jeden Fall von einem Arzt. Der Fremdkörper kann eine Gehörgangsentzündung und somit auch Eiter im Ohr hervorrufen. Hat der „Eindringling“ den Gehörgang verletzt, kommen spezielle Ohrentropfen und eventuell zusätzlich noch Schmerzmittel zum Einsatz.

Behandlungsverfahren

Bei Eiter im Ohr, sollte, wie bereits erwähnt, immer ein Arzt aufgesucht werden. Aber auch, wenn Antibiotika, Schmerzmittel oder Ähnliches zum Einsatz kommen, ist eine naturheilkundliche Therapie, die zeitgleich durchgeführt wird, eine gute Möglichkeit, die Heilung zu forcieren.

Naturheilkundliche Therapiemöglichkeiten

Bei Eiter im Ohr, sind Schüssler Salze ein einfaches, jedoch sehr hilfreiches Therapeutikum. Hier werden Nr. 1 Calcium fluoratum und Nr. 11 Silicea angewandt. Kann der Eiter abfließen, aber erst dann, kommt noch die Nr. 12 Calcium sulfuricum zum Einsatz. Die Homöopathie wendet bei Eiteransammlungen Mittel wie Myristica sebifera , Belladonna, Hepar sulfuris und Pyrogenium an.

Als homopathische Mittel kommt bei Eiter im Ohr häufig Pulsatilla zum Einsatz. (Bild: juhumbert/fotolia.com)
Als homopathische Mittel kommt bei Eiter im Ohr häufig Pulsatilla zum Einsatz. (Bild: juhumbert/fotolia.com)

Tritt der Eiter im Ohr in Zusammenhang mit einem Tubenkatarrh auf, werden homöopathisch zum Beispiel Pulsatilla, Kalium bichromicum, Causticum und Luffa operculata empfohlen. Die Anthroposophische Medizin setzt Ohrentropfen ein, die die angegriffene Schleimhaut im Ohr beruhigen soll. Dies ist aber nur möglich, wenn das Trommelfell intakt ist. Die Phytotherapie baut auf Pflanzen wie Echinacea zur Abwehrsteigerung und Tropaeolum majus (Kapuzinerkresse) gegen bakterielle Entzündungen. Die Traditionell Chinesische Medizin wendet die Akupunktur begleitend an.

Tritt der Eiter im Ohr zusammen mit einer Mittelohrentzündung auf, sind neben der schulmedizinischen Behandlung als homöopathische Mittel Acidum nitricum, Barium carbonicum, Belladonna, Aconitum, Calcium sulfurium, Mercurius solubilis und Pulsatilla empfehlensert. Die Schüssler Salz Therapie wendet hier Nr. 3 Ferrum phosphoricum, Nr. 4 Kalium chloratum und Nr. 11 Silicea an.

Bei wiederkehrenden Infekten, die häufig die Auslöser einer Ohrenentzündung, mit oder ohne Eiter sind, ist eine Darmsanierung angezeigt. Hierbei wird der Darm „gesäubert“ und anschließend mit geeigneten Mitteln wieder aufgebaut, so dass die Darmflora ihrer Abwehrfunktion wieder nachkommen kann.

Hausmittel

Bei Eiter im Ohr können Hausmittel die Schmerzen lindern und die Heilung etwas beschleunigen. Ein Zwiebelwickel kann beispielsweise die Beschwerden deutlich reduzieren und die Heilung unterstützen. Dafür wird eine Zwiebel gehackt, in ein Stofftaschentuch gepackt, auf das betroffene Ohr gelegt und mit einem Stirnband oder einer Mütze fixiert. Unterstützt wird das ganze noch durch Wärme, zum Beispiel mit einer Wärmflasche. Der Zwiebelwickel hilft bei Eiter im Ohr in Verbindung mit einem Tubenkatarrh und einer Mittelohrentzündung.

Ein Säckchen mit Kamillenblüten, dass über Wasserdampf erwärmt und anschließend auf das Ohr gelegt wird, ist ein vielfach bewährtes Hausmittel bei Ohrentzündungen. (Bild: womue/fotolia.com)
Ein Säckchen mit Kamillenblüten, dass über Wasserdampf erwärmt und anschließend auf das Ohr gelegt wird, ist ein vielfach bewährtes Hausmittel bei Ohrentzündungen. (Bild: womue/fotolia.com)

Ein weiteres Hausmittel ist die Kamille. Sie lindert Schmerzen, wirkt antientzündlich und heilend. Am besten werden Kamillenblüten in ein Baumwollsäckchen gegeben, dieses wird verschnürt und anschließend über Wasserdampf angewärmt. Wenn das Säckchen nicht mehr zu heiß ist, wird dies auf das betroffene Ohr gelegt und fixiert. Mit der Kamille kann aber auch ein Ohren-Dampfbad gemacht werden. Mit einer Hand voll Kamillenblüten und kochendem Wasser wird ein Dampfbad zubereitet. Das schmerzende Ohr wird ein paar Minuten lang über die aufsteigenden Dämpfe gehalten (wenn das Wasser nicht mehr zu heiß ist)

Ist das Trommelfell intakt, können selbst gemachte Ohrentropfen helfen. Dazu wird einfach etwas hochwertiges Olivenöl angewärmt und tropfenweise in den Gehörgang getropft. Dem Olivenöl kann ein kleiner Tropfen ätherisches Lavendelöl hinzu gefügt werden. Das unterstützt die Wirkung.

Bei Ohrenschmerzen mit oder ohne Eiter im Ohr ist Wärme das Mittel der Wahl. Dafür werden eine kleine Wärmflasche, die jedoch nicht zu heißt sein soll, oder auch warme Tücher aufgelegt.

Vorbeugung

Um sich vor Eiter im Ohr, beziehungsweise vor Ohrenentzündungen zu schützen, helfen folgende Vorbeugungsmaßnahmen. Ohrenschmerzen können durch fest sitzendes Ohrenschmalz entstehen. Damit dies gar nicht passiert, sollte nur der äußere Gehörgang ganz sanft und niemals mit einem Wattestäbchen gereinigt werden. Das bereits verhärtete Ohrenschmalz wird mit angewärmtem Wasser entfernt. Am besten wird dies zu zweit durchgeführt. Der oder die Betroffene legt sich entspannt auf das nicht betroffene Ohr und die zweite Person spritzt mit einer Spritze ohne Nadel etwas lauwarmes Wasser ins Ohr. Dabei muss unbedingt gewährleistet sein, dass keine Entzündung vorliegt und das Trommelfell intakt ist. Das Wasser sollte ein paar Minuten einwirken und dann der Kopf mit dem Ohr nach unten über ein Gefäß gehalten werden. Dies kann gerne noch einmal wiederholt werden. Wenn sich dabei das feste Ohrenschmalz nicht lösen sollte, ist eine professionelle Ohrreinigung beim Arzt zu empfehlen.

Damit die Ohrtrompete richtig belüftet ist, hilft Kaugummi kauen. Das ist vor allem wichtig, wenn jemand unter häufig wiederkehrenden Ohrenentzündungen leidet. Nach jedem Duschen oder Baden ist ein Trocknen der Ohren zu empfehlen. Dazu wird ein Tuch oder aber der Fön verwendet. Ein Stirnband oder eine Mütze schützen vor Wind und Kälte. Empfindliche Ohren werden beim Baden mit sogenannter Badewatte geschützt.

Liegt vor Antritt einer Flugreise bereits eine Erkältung vor, ist mehrmaliges Einbringen von Nasentropfen wichtig. Zusätzlich sollte während des Fluges Kaugummi gekaut werden. (sw)

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