Lichtempfindlichkeit – Ursachen, Symptome und Therapie

Dr. Utz Anhalt
Lichtempfindlichkeit – Wenn Licht den Augen Schmerzen bereitet
Lichtempfindlichkeit umfasst verschiedene Probleme das Auges, auf Licht zu reagieren. Je nach Schweregrad bereitet es den Betroffenen Schmerzen, ihre Augen dem Licht auszusetzen. Dabei geht es nicht um intensives „in die Sonne gucken“. Das nämlich erträgt niemand.

Wer hingegen unter Lichtempfindlichkeit leidet, kann normales Tageslicht nicht ertragen. Seine Augen röten sich, tränen und jucken. Je nach Erkrankung verringert sich auch das Sichtvermögen umso stärker, je mehr die Lichteinstrahlung zunimmt.

Menschen, die besonders empfindlich auf Licht reagieren, ziehen oft tagsüber die Gardinen zu oder setzen sich starke Sonnenbrillen auf. Je nach Krankheit reagieren sie entweder auf künstliches Licht oder auf die natürliche UV-Strahlung der Sonne – oder auf beides.

Hautveränderungen

Erhöhte Lichtempfindlichkeit führt nicht nur zu Beschwerden der Haut, sondern auch zu allergischen Reaktionen der Haut. Werden diese Reaktionen speziell durch die UV-Strahlen ausgelöst, sprechen wir von einer Sonnenallergie.

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Augenschmerzen bei Lichtempfindlichkeit. Bild: Adam Gregor – fotolia

Dabei muss es sich nicht um eine natürliche Reaktion handeln. Auch künstliche Substanzen wie Cremes, Gels oder Sprays können, auf die Haut aufgetragen, photochemisch so verändert werden, dass sie eine allergische Reaktion auf UV-Licht auslösen.

Die zeigt sich erst einmal wie ein Sonnenbrand: Die Haut rötet sich, schwillt an und juckt. Bei einer so genannten phototoxischen Reaktion laufen diese Prozesse schneller und intensiver ab. Ein kurzer Kontakt mit Sonnenlicht sorgt jetzt dafür, dass die Haut verbrennt.

Von Natur aus lichtempfindlich sind Albinos, also Menschen, denen alle dunklen Pigmente fehlen. Besonders gravierend leiden darunter Albinos in tropischen Ländern wie Tansania, die genetisch gewöhnlich eine sehr dunkle Haarfarbe hätten.

Ohne jeden Schutz können jetzt UV-A, B und C Strahlen im Übermaß in die Haut eindringen. Das führt nicht nur zu extremem Sonnenbrand, also Hautverbrennungen ersten und zweiten Grades, wenn die Betroffenen auch nur weniger Minuten dem Sonnenlicht ausgesetzt sind, sondern auch das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken, ist für diese Menschen extrem hoch, ebenso die Gefahr, das ihr Immunsystem versagt und die Herzfunktionen gestört sind.

Allergien durch künstliche Mittel

Lösen bestimmte Cremes, Gels oder Medikamente die Sonnenallergie aus, dann mindern sich die Symptome, wenn die Haut der Sonne nicht länger ausgesetzt ist. Verfärbungen an der betroffenen Hautstellen können aber bleiben.

Die Behandlung ist einfach: Die Patienten dürfen den Wirkstoff, der die Allergie auslöst, nicht mehr verwenden. Tun sie es dennoch, wiederholt sich die Reaktion.

Allerdings kann das Jucken an den exponierten Stellen chronisch werden, wenn die Betroffenen die Mittel über längere Zeit auftragen. Dann ist die Hautstruktur so beschädigt, dass sie extrem sensibel auf Sonnenlicht reagiert, auch, wenn die Patienten das auslösende Mittel absetzen.

Tätowierungen

Frisch Tätowierte sollten die tätowierten Hautflächen zumindest für einige Wochen nicht der Sonne aussetzen. Der Grund dafür ist ebenso einfach wie viele Menschen die notwendige Vorsicht vergessen: Eine Tätowierung besteht aus hunderten von winzigen Hautverletzungen.

Die menschliche Haut ist nicht nur unser größtes Organ, sondern auch ein hervorragender Selbstschutz des Körpers für die lebenswichtigen Organe im Inneren. Als Puffer zur Außenwelt führt die Haut einen permanenten Abwehrkrieg gegen Pilze, Bakterien, Viren und alle Arten von Fremdkörpern und Chemikalien – gewöhnlich äußerst erfolgreich.

Die Selbstheilungskräfte der Haut sind so effektiv, dass kleine Verletzungen wie Schürf- oder Schnittwunden, Verbrennungen und Stiche ohne fremde Hilfe ausheilen. Heilung bedeutet dabei, dass sich an der Wundfläche eine neue Haut bildet.

In diesem Heilungsprozess ist die Haut jedoch besonders sensibel – auch besonders sensibel gegenüber Sonnenlicht. So sollten sie auch ein Narbengewebe, dass sich nach einer Schnittverletzung bildet oder eine frisch verheilte Brandwunde nicht ungeschützt dem Sonnenlicht aussetzen. Ebenso verhält es sich bei Tätowierungen.

Hornhautentzündung

Menschen, deren Hornhaut im Auge sich entzündet, leiden nicht unter einer überempfindlichen Haut. Die Nerven in der Hornhaut sind extrem empfindlich. Wenn ein Fremdkörper eindringt, reagieren sie zusätzlich empfindlich.

Die Lider schließen jetzt reflexartig schon bei geringem Lichteinfall. Ähnlich sieht es bei einem Sonnenbrand im Auge aus, bei einer entzündeten Iris, bei einer Bindehautentzündung oder einer Hirnhautentzündung.

Porphyrie – Die Vampirkrankheit

Prophyrie bezeichnet ein Spektrum von Stoffwechselstörungen. Produkte des Stoffwechsels lagern sich dabei in der Haut ab und lösen „Lichtvergiftungen“ aus.

Die Haut verändert sich bei chronischen Prophyrien bis hin zu einem „monströsen“ Aussehen der Betroffenen. Patienten zeigen eine starke Lichtempfindlichkeit, sodass sie es vorziehen, sich erst bei Dunkelheit im Freien zu bewegen. Die faulenden Zähne fluoreszieren, die Körperhaare wachsen sogar im Gesicht. Die Zähne wirken durch Auflösung des Zahnfleisches größer, als sie es in Wirklichkeit sind. Die Knochen verkrümmen sich im Verlauf der Krankheit. Ein Zustand des Deliriums und Gefühlsausbrüche ergeben zudem ein Bild, das an die Verwandlung eines Menschen in „etwas anderes“ denken lässt.

Dunkle Haut und brauner Urin

Akute Formen gehen mit Beschwerden des Herzkreislaufs einher und ebenso mit Bauchschmerzen, psychische Irritationen sind verbreitet – dazu zählen Psychosen und Depressionen.

Die Porphyria cutanea tarda ist chronisch und hat vermutlich eine genetische Anlage als Basis. An den Hautstellen, die Licht ausgesetzt sind, bilden sich Blasen, vor allem auf den Handrücken, im Nacken und im Gesicht. Die Pigmente bilden sich verstärkt und unregelmäßig, die Betroffenen haben also große Flächen dunkler Haut. Die Haut am Körper wächst stark. Der Urin der Betroffenen dunkelt im Licht zu einer rosabraunen Farbe.

Noch gefährlicher ist die Porphyria acuta intermittens, sie ist ebenfalls erblich und bricht meist bei jungen Erwachsenen auf. Trigger für einen Ausbruch können Infektionen sei, aber auch Alkohol, Stress oder Hunger. Koliken, Erbrechen, starkes Fieber, Herzstörungen, Lähmungen, Krämpfe, Dissoziationen und extreme Gefühlsschwankungen ohne äußeren Anlass sind typisch. Atemlähmungen treten häufig auf, und deswegen müssen die Patienten bei einem Ausbruch sofort in die Intensivstation.

Porphyrie und der Glaube an lebende Tote

Die typischen Symptome der Porphyrie in ihren verschiedenen Formen, verbunden mit der Tatsache, dass sie als Erbkrankheit bei einigen Geschlechtern des europäischen Adels grassierte, veranlasste einige Mediziner und Historiker, sie als eine Erklärung für den Glauben an Werwölfe und Vampire zu nehmen.

Dem Historiker H. Sidky zufolge deckten sich Beschreibungen von vermeintlichen Werwölfen in der frühen Neuzeit teilweise mit der Porphyrie. Die Romanautorin Nina Blazon nahm die Porphyrie in einen Vampirroman auf, in dem eine abergläubische Dorfbevölkerung einen leidenden Mitmenschen für einen Vampir hält.

Welche Symptome haben Vampire und Werwölfe gemein?

Dem Betroffenen verursacht Licht große Schmerzen, deswegen meidet er die Sonne. Seine Augen sind rot unterlaufen, sein Aussehen grotesk verändert.

Fantastische Figuren des Horrorfilms und der Gothic Novel, die Werwölfe und Vampire, „ähneln“ tatsächlich Menschen, die an Porphyrie leiden. Oft löst ein Erbfluch ihre Verwandlung aus (genetische Anlage), dann können sie kein Sonnenlicht ertragen, den Werwölfen wuchert auch in menschlicher Gestalt das Haar auf dem Körper, bei Werwölfen geht die Verwandlung einher mit extremen Gefühlsausbrüchen, die sie nicht unter Kontrolle haben.

Forscher, die die Verbindung zwischen Porphyrie und Werwolf / Vampir vertreten, verweisen außerdem auf die „raubtierhaften“ Gesichtszüge: Die durch die Krankheit deformierte Haut und insbesondere die durch das austrocknende Zahnfleisch hervor tretenden Zähne würden demnach den Kranken ein „tierhaftes Aussehen“ verleihen.

Eine tragfähige Erklärung?

Die bei akuter Porphyrie auftretenden Krämpfe und Lähmungen seien ebenfalls von „Werwölfen“ überliefert, die sich von ihrer menschlichen in eine tierische Gestalt verwandeln.

Solche Theorien sind zwar interessant, aber historisch nicht haltbar. Tatsächlich ist die Metamorphose des Werwolfs erst für die Romanautoren des 19. Jahrhunderts wichtig, bis sie im Horrorfilm den wesentlichen Reiz für Maskenbildner ausmacht.

Im Mittelalter und der frühen Neuzeit, als Menschen an Werwölfe als reale Lebewesen glaubten, stand das Wie nicht im Mittelpunkt des Glaubens. Ganz selten taucht in den Erzählungen das Wie der Verwandlung überhaupt auf.

Zudem wäre es fahrlässig von einer äußerst seltenen Krankheit auf allgegenwärtige Vorstellungen im Volksglauben zu schließen.

Ist Porphyrie heilbar?

Porphyrie lässt sich bis heute nicht vollständig heilen, doch die Symptome können Betroffene erheblich lindern, wenn sie die Auslöser meiden. Heute gibt es effektive Lichtschutzsalben, und Chloroquin kann die Porphyrine aus dem Gewebe lösen. Auch heute noch müssen die Betroffenen Licht, so weit es geht, meiden.

Was tun gegen Lichtempfindlichkeit?

Reagieren ihre Augen sehr empfindlich auf Licht, ohne dass sie eine direkte Erklärung wie eine Bindehautentzündung haben, gehen sie zum Augenarzt. Der kann bei Kenntnis der Krankheit die Ursache bekämpfen.

Leiden Sie indessen zeitweise unter einer Überreaktion auf Lichtreize, während einer Erkältung oder bei Migräne, dann meiden sie flackerndes Licht und lindern Sie die Beschwerden, indem Sie Augentropfen in die gereizten Augen tröpfeln.

Eine Migräne kann für die Lichtempfindlichkeit verantwortlich sein. Bild: Antonioguillem – fotolia

Reicht es, Sonnenlicht zu meiden?

Seien Sie vorsichtig. Wenn Sie überempfindlich auf Sonnenlicht reagieren, reicht es nicht aus, nicht in die Sonne zu gehen. UV-A Strahlen durchdringen auch Glasscheiben.

Meiden Sie Solarien, tragen Sie dichte und lange Kleidung, und cremen Sie sich mit einem hohen Lichtschutzfaktor und gegen UV-A wie UV-B Strahlung ein. Bringen Sie Folien an den Fenstern an, die kein UV-Licht durchlassen.

Die Mallorca-Akne

Dieses Sonnenekzem ging erst 1972 in die medizinische Definition ein. Hier erkranken die Haarfolikel, und das führt zu Veränderungen der Haut, die der Akne ähneln. Der Begriff Mallorca-Akne rührt daher, dass es sich um eine typische „Touristenkrankheit“ handelt. Hauptbetroffene sind Urlauber aus nördlichen Ländern, die sich mit zu wenig Sonnenschutz und zu lange in heißen Ländern ins Sonnenband stürzen.

Bei den Patienten bildet sich nicht nur ein normaler Sonnenbrand, sondern kleine Knötchen an den Haarfolikeln, die meist leicht gerötet sind. Typisch verbreiten sie sich im Dekolletee und an den Schultern. Im Unterschied zur „pickligen“ Akne bildet sich kein Eiter.

Es handelt sich, eng genommen, nicht um eine Krankheit, sondern um einen Selbstschutz der Haut. Die Haut reagiert auf ein Übermaß an UV-Strahlen und bildet neues Bindegewebe – das sind die Knötchen.

Wenn die Betroffenen sich vom Sonnenlicht fernhalten, klingen die Symptome langsam ab.

Der graue Star

Beim Grauen Star trübt sich die Linse, und die Sehkraft lässt nach, bis die Erkrankten vollständig erblinden. Durch die getrübte Linse blendet das Licht außerdem viel stärker als gewöhnlich, egal, ob es sich dabei um die untergehende Sonne oder eine Wohnzimmerlampe handelt.

Wer am Grauen Star leidet, setzt sich und seine Mitmenschen erhöhter Gefahr aus, wenn er Auto fährt. Denn er wird permanent so geblendet wie normal Sehende bei schrägstehender Sonne die durch den Schmutzfilm der Winschutzscheibe dringt.

Eine Linsentrübung entsteht auch durch zu viel UV-Licht auf längere Zeit. Im Gegensatz zur Haut, die einen Sonnenbrand erleidet, kann sich die Augenlinse nicht regenerieren, und kleine Schäden führen mit den Jahren zu einem Verlust des Sehvermögens.

Ein Grauer Star lässt sich nicht behandeln, sondern nur aufheben, indem die Linse operativ durch eine künstliche Linse ersetzt wird. (Dr. Utz Anhalt)

Literatur

Leubuscher, Rudolph: Ueber die Wehrwölfe und Thierverwandlungen im Mittelalter. Ein Beitrag zur Geschichte der Psychologie von Dr. Rud. Leubuscher. Privatdocenten und praktischem Arzte in Berlin. Druck und Verlag von G. Reimer. Berlin 1850. Nachdruck der Originalausgabe. Allmendingen 1981.

Lorey, Elmar: Heinrich, der Werwolf. Eine Geschichte aus der Zeit der Hexenprozesse. Frankfurt am Main 1997. / Werwolfsprozesse auf seiner Website: www.elmar-lorey.de

Marx, K. F. H.: Ueber das Vorkommen und die Beurtheilung der Hundwuth in alter Zeit. Aus dem siebzehnten Bande der Abhandlungen der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen. Göttingen 1872.

Otten, Charlotte (Hrsg.): A Lycanthropy Reader: Werewolves in Western Culture. Syracuse, New York 1986.

Oeser, Erhard: Hund und Mensch. Die Geschichte einer Beziehung. Darmstadt 2004.

Roberts, Keith: Eine Werwolf-Formel. Eine kleine Kulturgeschichte des Werwolfs. In: Müller, Ulrich, Wunderlich, Werner (Hrsg.): Mittelaltermythen Vol. 2. St. Gallen1999, S. 565–581.

Rosenbohm, Alexandra: Marburger Studien zur Völkerkunde. Halluzinogene Drogen im Schamanismus. Mythos und Ritual im kulturellen Vergleich. Berlin 1991.

Rougemont, Joseph Claudius: Abhandlung von der Hundswuth. Aus dem Französischen übersetzt von Professor Wegeler. Bei Philipp Heinrich Guilhauman. Frankfurt am Main 1798.

Rowlands, Mark: Der Philosoph und der Wolf. Was ein wildes Tier uns lehrt. Berlin 2009.

Summers, Montague: Werewolf. London 1933.

Sidky, Hubert: Witchcraft, Lycanthropy, Drugs, and Disease. New York 1997.

Stewart, Caroline T.: Die Entstehung des Werwolfglaubens. In: Bolte, Johannes (Hg.): Zeitschrift des Vereins für Volkskunde. Berlin 1909. S.30-49.