Zungenbläschen – Ursachen, Hausmittel und Therapie

Bläschen auf der Zunge. Diese Mittel können helfen. Bild: TR Design - fotolia
Dr. Utz Anhalt
Jeden Menschen plagen zumindest einmal im Leben Bläschen auf der Zunge und im Mund. Eine unschöne Schicht in gräulichem Weiß überzieht sie, und die Geschwüre reagieren sehr empfindlich auf Druck. Manche platzen auf, und die Schwellungen variieren in Form und Größe. Die Zungenbläschen werden auch Aphthen genannt.

Ärzte unterscheiden zwischen drei Formen dieser so genannten Aphthen

Minor-Aphthen sind die kleinsten, Major-Aphthen die großen, und herpetiforme Aphthen gehören zu den herpesartigen Erkrankungen. 9 von 10 der Bläschen fallen unter die kleinen Aphthen, und die platzen in der Regel nicht auf. Die Major-Schwellungen erreichen hingegen einen Durchmesser von bis zu drei Zentimetern, platzen besonders häufig auf und verursachen stärkere Beschwerden als die kleinen Bläschen. Sie wachsen in das Gewebe hinein und verursachen dort Wunden, die sich entzünden, schmerzen und schlecht verheilen. Die Heilung kann mehrere Wochen dauern.

Bläschen auf der Zunge. Diese Mittel können helfen. Bild: TR Design - fotolia
Bläschen auf der Zunge. Diese Mittel können helfen. Bild: TR Design – fotolia

Die herpesartigen Blasen verbreiten sich vor allem auf der Innenseite der Lippe, wachsen dort in großer Anzahl und schmerzen erheblich. Sie heilen aber schneller ab als die Major-Aphthen.

Zunge, Gaumen, die Innenseite der Wangen und Lippen sind die bevorzugten Regionen, an denen sich die Bläschen ansiedeln.

Entscheidender als die Größe ist der Sitz der Bläschen: Die empfindliche Zungenspitze zum Beispiel schmerzt enorm, wenn sich dort auch nur eine kleine Aphthe bildet, während eine größere Blase im Wangengewebe weniger weh tut, da sie seltener in Kontakt mit Fremdkörpern oder anderen Körperteilen wie den Zähnen kommt.

Diagnose

Typisch für Aphthen sind veränderte Schleimhäute und ein entzündeter Rachensaum. Die Veränderungen gehen dabei nicht ineinander über., sondern zeigen sich als klar abgegrenzte „gelbe Pickel“ im Zentrum eines rosa farbigen Saums. Kommt ein brennender Schmerz hinzu, ein vermehrter Speichelfluss und schmerzt es beim Essen, dann handelt es sich eindeutig um die lästigen Bläschen.

Zungenbläschen Ursachen

Falls keine Basiserkrankung vorliegt, lässt sich über die Ursachen der Bläschen nur mutmaßen: Hormone scheinen eine Rolle zu spielen, ebenso psychosomatische Gründe wie Stress, aber auch ein gestörtes Immunsystem und die Unverträglichkeit von Nahrungsmitteln. Da Aphthen sehr häufig mit einer allgemeinen Schwäche im Vorfeld einer infektiösen Erkrankung verbunden sind, spielen vermutlich mehrere dieser Faktoren zusammen.

Viele Erkrankungen gelten zu Unrecht als Ausdruck mangelnder Hygiene der Betroffenen. Bei Aphthen trifft dies aber meist zu. Die Ursache Nummer 1 für die nervigen Bläschen ist nämlich eine fehlende Mundhygiene. Wer sich nicht oder nur oberflächlich die Zähne putzt, die Zunge nicht reinigt, Mundspülungen für überflüssig hält und Nahrungsreste nicht von Zähnen und Zunge nicht entfernt, der wirkt auf andere nicht nur unästhetisch, er bietet auch Bakterien im Mundraum ein Paradies. Diese Bakterien schädigen die Schleimhäute, und die Bläschen zeigen, dass Entzündungen sich ausbreiten, wenn diese Schleimhäute nicht mehr intakt sind.

Allerdings kann auch eine durchaus gesunde Ernährung, die zudem für einen guten Geruch aus dem Mund sorgt, die Schleimhäute angreifen. Zitrusfrüchte, Ananans oder Kiwis enthalten Säuren, und diese Säuren zersetzen ebenfalls die Schutzschicht im Mundinnenraum.

Auch beim Zähneputzen und Reinigen der Zunge ist „zu viel des Guten“ schlecht. Die Zähne, die Zunge und die Schleimhäute mit Bürste, Zahnpasta und Mundspülung zu reinigen, ist wichtig und richtig. Sich aber ständig die Zunge mit der Zahnbürste zu putzen, zum Beispiel vor und nach jeder Mahlzeit, bevor die Betroffenen das Haus verlassen, und vor allem, sobald sich Belag auf der Zunge bildet, greift die Schutzschicht im Mundraum an. Die selbst ist aber keine Krankheit, sondern beugt Erkrankungen gerade vor.

Regelmäßiges Zähneputzen kann Zungenbläschen vorbeugen- doch wer zu viel putzt, kann auch die Mundflora schädigen und wiederum Bläschen fördern. Bild: 2mmedia - fotolia
Regelmäßiges Zähneputzen kann Zungenbläschen vorbeugen- doch wer zu viel putzt, kann auch die Mundflora schädigen und wiederum Bläschen fördern. Bild: 2mmedia – fotolia

Zungenbläschen wiederum sind keine eigene Erkrankung, sondern zeigen eine Krankheit an. Sie gehen zum Beispiel einer Erkältung voraus, sie können auf Störungen des Magen-Darm-Systems hindeuten oder zeigen eine allgemeine Schwäche des Immunsystems, einen grippalen Infekt oder Pilzerkrankungen wie die Kandidose.

Bläschen entstehen aber auch als Nebenwirkung von Antibiotika oder als Symptom für Stress, Zigaretten- oder Drogensucht.

Folgende Auslöser stehen als Ursache im Verdacht:
1) Autoimmunreaktionen. Hier richtet sich das Abwehrsystem des Körpers nicht gegen Krankheitserreger, sondern gegen den Körper selbst, in diesem Fall gegen die Schleimhäute.

2.) Allergien. Betroffene leiden auffällig häufig unter Allergien gegen Zitrusfrüchte, deren Säure wiederum die Mundschleimhaut angreifen kann.

3) Viren verursachen ähnliche Bläschen, dazu gehört das Herpesvirus beim Menschen und die Maul- und Klauenseuche bei Tieren.

4) Nervenschäden. Regulieren die Nerven den Blutfluss unzureichend, bietet das einen Nährboden für Infektionen.

5) Mangel an Folsäure, Vitamin B12 und Eisen begünstigt vermutlich die Bildung der Bläschen.

6) Falsche Zahnpasta: Natriumlaurylsulfat, Netriumdodecylpolyoxoethylensulfat und Triclosan gelten als mögliche Auslöser von Aphthen.

7) Morbus Behcet geht mit Aphthen im Mund und an den Genitalien einher. Die Darmkrankheit Morbus Crohn führt ebenfalls zu diversen der schmerzenden Bläschen.

Vorbeugung

Mundbläschen lassen sich effektiv vorbeugen, da meist mangelnde Hygiene die Ursache ist. Zungenreiniger helfen, den Zungenbelag einzudämmen, in dem sich die Bakterien ausbreiten, Mundwasser und Zahnpasta enthalten oft spezielle antibakterielle Substanzen, die eine Infektion verhindern.

Ein Betroffener rät Mitleidenden: „Viele Betroffene schwören auf Propolis (eine Substanz, die Bienen von den Knospen der Laubbäume sammeln, um damit ihre Waben zu verfestigen). Propolis scheint länger an der Aphthe zu haften und hat bei manchen Patienten eine äußerst gute schmerzstillende Wirkung. Manche Betroffene berichten auch von einer beschleunigten Wundheilung. Allerdings scheint die schmerzlindernde und entzündungshemmmende Wirkung je nach Patient und Aphthe sehr unterschiedlich zu sein. Außerdem ist zu beachten, dass gerade Blütenpollenallergiker auf Propois allergisch reagieren können und dass es bei längerer Anwendung zu Reizungen des Zahnfleisches kommen kann.“

Haben sich die Bläschen bereits gebildet, sollten Sie, wenn Sie diese selbst behandeln wollen, folgendes beachten:

Die meisten Aphthen verschwinden von selbst nach einigen Tagen. Wenn nicht, steckt in der Regel eine schwerer wiegende Basiserkrankung dahinter. Sie sollten deshalb einen Arzt aufsuchen.

1) Stechen Sie die Bläschen bitte nicht auf, so sehr es ihnen auch in den Fingern juckt. Sonst riskieren Sie weitere Entzündungen und vergrößern das Problem, statt es zu lösen. Besser sind Wattestäbchen mit einem antibakteriellem Mittel. Betupfen Sie die betroffenen Stellen mehrmals am Tag damit und spülen Sie den Mundraum danach mit klarem Wasser aus.

2) Nutzen Sie zur Mundreinigung keine chemischen Substanzen, die Säure enthalten. Zum Spülen ist Salbeitee zu empfehlen, ebenso können Sie Salbeiblätter kauen, mit Salbei kochen oder Salbeibonbons lutschen. Öl mit Nelken, Salbei oder Johanniskraut wirkt ebenfalls gegen die Bläschen.

3) Der Mund lässt sich ausgezeichnet mit Salzwasser desinfizieren. Spülen Sie ihn mit Wasser, in dem Sie Salz aufgelöst haben. Die Bakterien, die die Entzündung verursachen, vertragen es nicht.

4) Verzichten Sie auf alle Produkte, die im Übermaß Zucker enthalten: Keine Cola, Fanta oder Sprite, keine Schokolade, Kindermilchschnitte oder Ketchup. Zucker ist die Erde, auf der Pilze und Bakterien blühen.

Ein Mann, der seit Jahren unter wieder kehrenden Bläschen leidet, empfiehlt: „Was wirklich geholfen hat war Cistus oder Zistrose, ein Kraut das man als Tee über den Tag verteilt trinkt oder in Tablettenform langsam im Mund zergehen lässt. Am besten hilft es bei mir, wenn ich vor dem Schlafengehen 2 Tabletten einnehme, die dann nachts langsam im Mund zergehen können. Klar, Gute Mundhygiene (z.B. auch mit Zahnpflegekaugummi), gesunde Ernährung, viel Bewegung an der frischen Luft und wenig Stress helfen zusätzlich natürlich auch.“

Ingwer bei Bläschen auf der Zunge

Ein Betroffener machte gute Erfahrungen mit Ingwer. Er behauptet:

„1.) Als Akut-Mittel gegen Schmerzen: Ein Stück geschälte Ingwerknolle (vom Asiaten, Supermarkt, etc.)(vielleicht so groß wie eine kleine Walnuss) so 2 bis 3 Minuten kauen ist anfangs ziemlich scharf bzw. es brennt etwas. Die Wirkung hält so vielleicht 1 bis 2 Stunden an, ähnlich wie bei Kamistad! Einfach erneut ein Stückchen Ingwer kauen und man ist wieder völlig schmerzfrei!

Ingwer bei Zungenbläschen. Bild: baibaz - fotolia
Ingwer bei Zungenbläschen. Bild: baibaz – fotolia

2.)Ingwer fördert die Heilung. Das mehrmalige Kauen der Ingwerknolle wie oben beschrieben führt nach meinen Beobachtungen zu einer sehr viel schnelleren Abheilung. Schon nach ca. 1-2 Tagen sind selbst ohne Ingwergenuss keinerlei Schmerzen mehr vorhanden. Die Aften sind dann meist so nach 5 Tagen komplett verschwunden.

3.) Ingwer beugt vor. Regelmäßiges Ingweressen oder Ingwerteetrinken (einfach ein Stück geschältes Stück Ingwer in Scheiben schneiden und kurz aufkochen) lässt die Zeit des Auftretens von Aphthen nach meiner Erfahrung deutlich länger werden.“

Beim Arzt

Ärzte und Ärztinnen kennen eine Vielzahl von Mitteln, um die Bläschen zu behandeln. Um die Schmerzen zu stillen, dienen Lidocain, Polidocanol oder Benzydamin.

Ein Betroffener rät: „Bei Verletzungen im Mundraum, beispielsweise offenem Zahnfleisch, Aphten oder sonstigen wunden Stellen, hilft Kamistad zuverlässig, die Wunden schnell zu schließen. Der Geschmack ist zwar sehr gewöhnungsbedürftig, es schmeckt aber nicht wirklich … „

Adstringierende Wirkstoffe trocknen Schleimhäute aus, stillen das Blut und hemmen Entzündungen. Sie helfen bei Hauterkrankungen, die nässen und jucken. Solche Stoffe sind die Taninine, welche sich in Rotwein oder Grünteee befinden oder Extrakte der Roten Johannisbeere. Gegen Bläschen im Mund dienen auch Myrrhentinktur, Extrat aus Rhabarberwurzeln oder Silbernitrat. Sie ziehen das Gewebe zusammen und sorgen so dafür, dass das abgestorbene Gewebe um die Bläschen abgestoßen wird. Eine ähnliche Wirkung erzielen Wasserstoffperoxid oder Zinksulfat.

Eine Betrofene empfiehlt: „Alles halbe Jahr bekomme ich schmerzhafte Aphthen meistens ganz hinten im Rachen und zwar so schlimm, dass ich krank geschrieben werden muss. Durch die Conaskin-Tinktur ist das alles viel besser geworden. Die Aphthen verschwinden nach 2-3 Tagen …“

Sulfonierte Phenole und Schwefelsäure lösen den Biofilm aus, indem sie ihn austrocknen und mit ihm die Bläschen. (Dr. Utz Anhalt) 

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