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Schwere Vorwürfe: Bundesregierung gefährdet medizinische Versorgung

Sebastian Bertram
Verfasst von Sebastian Bertram
4. Oktober 2015
in News
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Bundesregierung gefährdet die medizinische Versorgung im Land
Der Bedarf an ärztlicher Behandlung wird auch in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Dies hat vor allem mit der demografischen Entwicklung zu tun: Die Menschen hierzulande werden immer älter. Die Freie Ärzteschaft erhebt nun Vorwürfe gegen die Bundesregierung. Diese würde die medizinische Versorgung in Deutschland gefährden.

Gesetz aussetzen und Reform stoppen
Die Freie Ärzteschaft (FÄ) ist davon überzeugt, dass der Bedarf an ärztlicher Behandlung in den nächsten Jahren stark zunehmen wird. Ursache dafür seien vor allem die demografische Entwicklung und der anhaltende Flüchtlingszustrom. „Umso absurder erscheint die aktuelle Gesundheitspolitik, die mit dem kürzlich in Kraft getretenen „Versorgungsstärkungsgesetz“ auf Praxenabbau und Terminservicestellen setzt sowie per Klinikreform Krankenhäuser schließen will“, erläuterte FÄ-Vorsitzender Wieland Dietrich laut einer Pressemitteilung. Die Ärzte forderten die schwarz-rote Bundesregierung auf, das Gesetz auszusetzen und die Reform zu stoppen. „Andernfalls ist mit einer massiven weiteren Verschlechterung der medizinischen Behandlung der Bevölkerung zu rechnen. Diese herrscht heute schon in ländlichen Regionen – wird aber künftig auch die Ballungsräume betreffen.“

Freie Ärzte kritisieren Regierung
Die FÄ übt Kritik an der Praxisaufkaufregelung, der derzeitigen Bedarfsplanung und der Budgetierung, „die ohnehin seit Jahren die Versorgung verschlechtere“. Die Terminservicestellen – „oder besser Wartezeitenverwaltungsstellen“ – seien eine Zumutung. „Sie entziehen den Praxisärzten Mittel zur Patientenbehandlung, wenn die unrealistischen und bürokratiebedingt teuren Terminplanungen scheitern, weil zu wenige Ärzte da sind“, so Dietrich. Zwar sind Wartezeiten laut einer Versichertenbefragung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) nur selten ein Problem, doch anderen Experten zufolge ist die durchschnittliche Wartezeit auf einen Termin beim Arzt für Kassenpatienten deutlich länger als für Privatpatienten.

Mehr Menschen werden von weniger Ärzten behandelt
Laut FÄ würden viele Patienten auch nicht verstehen, wenn es einerseits jetzt schon in vielen Arztgruppen zu wenige Termine gebe, andererseits immer mehr Menschen von weniger Ärzten behandelt würden. Dietrich warnte: „Es gilt aufzupassen, dass hier keine Ressentiments in der Bevölkerung wegen schwindender Ressourcen in der Gesundheitsversorgung entstehen. Außerdem werden Kassenärzte jetzt in die Erstversorgung von Flüchtlingen einbezogen. Dass sie dann bestraft werden, wenn sie zu wenig Termine für andere Patienten anbieten, ist politischer Zynismus.“ Schon jetzt sind Flüchtlinge Patienten zweiter Klasse, die nur Anspruch auf minimale Gesundheitsversorgung haben. Doch ausgerechnet sie bräuchten meist mehr Hilfe, denn über die Hälfte erreicht Deutschland traumatisiert, insbesondere diejenigen aus Syrien, die vor Hunger, Krieg und Gewalt geflohen sind.

Medizinische Versorgung sicherstellen
FÄ-Vize Dr. Silke Lüder hob hervor, dass die Integration der Asylsuchenden nur gelingen könne, wenn auch der Abbau des medizinischen Versorgungsangebots gestoppt werde. „Stattdessen aber“, so die Ärztin, „will die Bundesregierung per Asylverfahrensbeschleunigungsgesetz die Qualitätsstandards in der Medizin senken, indem Asylsuchende nur durch eidesstattliche Erklärung und ohne das Beibringen irgendwelcher Nachweise die Berechtigung zur „Ausübung von medizinischer Heilkunde“ in den Flüchtlingslagern erhalten sollen.“ Mit einem Federstrich würden hier elementare Anforderungen an die Zulassung von Ärzten in Deutschland geändert. Praxis- und Klinikabschaffung gepaart mit Qualitätsreduktion könnten nicht der richtige Weg sein, die medizinische Versorgung hierzulande sicherzustellen. (ad)

Autoren- und Quelleninformationen

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

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