Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) bietet vielversprechende Ansätze zur Linderung von Schlafstörungen, wobei die Wirkung auf verschiedenen Wegen wie beispielsweise über die Regulierung bestimmter Neurotransmitter oder Veränderungen der Darmflora erzielt wird.
Welchen Beitrag die TCM zur Linderung von Schlafstörungen leisten kann, hat ein chinesisches Forschungsteam in einer aktuellen Übersichtsarbeit untersucht und die Ergebnisse in dem Fachmagazin „Phytomedicine“ veröffentlicht.
Schlafstörungen schaden der Gesundheit
Beeinträchtigungen des Schlafs haben weitreichende Auswirkungen auf unsere Gesundheit und beispielsweise kamen Forschende der Universität Oulu (Finnland) erst kürzlich in einer Studie zu dem Schluss, dass unregelmäßige Schlafzeiten des Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.
Auch wird insgesamt die Lebenserwartung durch Schlafmangel signifikant verkürzt, wie eine Forschungsarbeit aus dem vergangenen Jahr belegt, und angesichts der Verbreitung von Schlafstörungen sind effektive Ansätze für deren Linderung dringend gesucht.
Behandlung oft mit Nebenwirkungen verbunden
„Weltweit ist etwa ein Drittel der Erwachsenen von Schlafstörungen betroffen und zu den pharmakologischen Behandlungsansätzen zählen Benzodiazepin-Rezeptor-Agonisten, Nicht-Benzodiazepin-Rezeptor-Agonisten sowie weitere Wirkstoffklassen wie Antidepressiva, Orexin-Rezeptor-Antagonisten, Melatonin-Rezeptor-Agonisten und Antihistaminika“, erläutert das Forschungsteam.
Oft seien die Präparate jedoch mit Nebenwirkungen wie beispielsweise Gedächtnisstörungen, „Hangover“-Effekten, drohender Abhängigkeit und Entzugssyndromen verbunden, weshalb ihre Anwendung zunehmend kritisch hinterfragt werde.
TCM-Präparate als Alternative?
Ob die pflanzlichen Präparate aus der traditionellen chinesischen Medizin hier eine nebenwirkungsarme Alternative zur Behandlung von Schlafstörungen bieten können, untersuchten die Fachleute nun anhand einer Auswertung der bislang veröffentlichen Studien.
Die Übersichtsarbeit widmete sich den wichtigsten TCM-Präparaten, deren Wirkmechanismen und den klinischen Belege für eine erfolgreiche Anwendung bei Schlafstörungen.
Nachweisbare Wirkung gegen Schlafstörungen
Die Forschenden kommen in ihrer Auswertung zu dem Schluss, dass TCM-Präparate wie Ginseng, Ziziphi Spinosae Semen (Same der Wilden Brustbeere) und Poria (Kokospilz oder auch Kiefernschwamm) einen signifikanten Beitrag zu Linderung von Schlafstörungen leisten können.
Dies erfolge auf verschiedenen Wegen wie beispielsweise durch die Regulierung von Neurotransmittern im Zentralnervensystem sowie von schlafrelevanten Zytokinen und Hormonen der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse, aber auch durch den Einfluss auf die Zusammensetzung der Darmflora.
Vielversprechende Ergänzung der Therapie
Im Vergleich zu gängigen pharmakologischen Therapien, die häufig mit Nebenwirkungen verbunden sind, bietet die TCM kostengünstige Alternativen, die an mehreren Zielpunkten ansetzen und deren klinische Sicherheit und Wirksamkeit nachgewiesen sind, resümieren die Forschenden.
So erscheint eine Integration der TCM-Präparate in die Behandlung von Schlafstörungen als äußerst vielversprechender Ansatz, auch wenn weitere Studien erforderlich bleiben, um die spezifischen Wirkmechanismen zu ermitteln und die Nachweise für den klinischen Nutzen zu untermauern. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Zhongmei He, Ruiqi Wang, Xiaowei Dai, Jianming Li, Jianan Geng, Jia Zhou, Rui Du, Hongyan Pei: Treatment of sleep disorders with traditional Chinese medicine: Pharmacological activities and mechanisms; in: Phytomedicine (veröffentlicht 10.06.2026), sciencedirect.com
- Laura Nauha, Maisa Niemelä, Saeid Azadifar, Raija Korpelainen, Vahid Farrahi: Sleep timing irregularity in midlife: association with incident major adverse cardiac events and cardiovascular disease mortality over a 10-year follow-up; in: BMC Cardiovascular Disorders (veröffentlicht 24.03.2026), springer.com
- Kathryn E. McAuliffe,Madeline R. Wary, Gemma V. Pleas, Kiziah E. S. Pugmire, Courtney Lysiak, Nathan F. Dieckmann, Brooke M Shafer, Andrew W. McHill: Sleep insufficiency and life expectancy at the state-county level in the united states, 2019-2025; in: Sleep Advances (veröffentlicht 08.12.2025), academic.oup.com
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