Bestimmte Bakterien, die als Auslöser von Zahnfleischentzündungen und Parodontitis gelten, können offenbar im Darm zu Veränderungen des Stoffwechsels beitragen und so auch einen systemischen Knochenabbau fördern. Dies bietet eine mögliche Erklärung für das erhöhte Osteoporose-Risiko bei Personen mit Parodontitis.
Über welche Mechanismen Parodontitis mit dem Knochenabbau verbunden ist, der letztendlich zu Osteoporose führen kann, hat ein chinesisches Forschungsteam in einer aktuellen Studie untersucht. Die entsprechenden Studienergebnisse sind in dem Fachmagazin „International Journal of Oral Science“ veröffentlicht.
Parodontitis ein Gesundheitsrisiko
Weltweit leiden hunderte Millionen Menschen an Parodontitis, wobei die Erkrankung des Zahnhalteapparates mit einem erhöhten Risiko für zahlreiche weitere Gesundheitsbeschwerden außerhalb der Mundhöhle in Zusammenhang gebracht wird.
Beispielweise zeigt eine Studie aus dem Jahr 2024, dass Parodontitis mit rheumatoider Arthritis verbunden ist und bereits zwei Jahre zuvor berichteten Forschende in dem Fachmagazin „JACC: Clinical Electrophysiology“ , dass Parodontitis einen Risikofaktor für Vorhofflimmern bildet.
Parodontitis und Osteoporose verbunden
Auch deuteten verschiedene epidemiologische Studien auf einen Zusammenhang zwischen Parodontitis und Osteoporose hin, insbesondere bei postmenopausalen Frauen, wobei die biologischen Mechanismen, die diese Erkrankungen verbinden, jedoch unklar blieben.
Gleichzeitgig gab es vermehrt Belege dafür, dass die Mund- und Darmflora eine zentrale Rolle bei der Regulierung des Stoffwechsels und der Immunreaktionen in entfernten Organen spielt, erläutert das Forschungsteam.
Welche Rolle spielen orale Bakterien?
Die Fachleute vermuteten daher, dass orale Mikroben die Knochengesundheit indirekt beeinflussen könnten. Anhand der Speichelproben von Personen mit fortgeschrittener Parodontitis und parodontal gesunder Teilnehmender ermittelten die Forschende typische Merkmale der Mundflora, die im Zusammenhang mit der Erkrankung stehen.
Dabei zeigten die Teilnehmenden mit Parodontitis eine signifikant erhöhte Vielfalt der Speichelmikrobiota und eine erhöhte Anzahl pathogener Bakterien, erläutern die Forschenden.
In weiteren Untersuchungen an Mäusen beobachteten die Fachleute bei Tieren, denen die Speichelmikrobiota der Teilnehmenden mit Parodontitis übertragen wurden, im Vergleich zu Kontrolltieren eine signifikant reduzierte Knochenmineraldichte und eine verschlechterte innere Struktur der Knochen.
Mit diesen Skelettveränderungen ging ein deutlicher Anstieg der Osteoklastenzahl einher, was auf eine verstärkte Knochenresorption hindeutete, erläutert das Forschungsteam.
Auswirkungen über den Darm vermittelt
Zudem sei deutlich geworden, dass die Veränderungen der Knochen über den Darm vermittelt werden. Obwohl die oralen Bakterien selbst den Darm nicht dominant besiedelten, veränderten sie offenbar die Darmflora.
Dies hatte verschiedene Effekte und bewirkte zum Beispiel eine signifikante Suppression des Tryptophanstoffwechsels. Außerdem wurde Indol-3-Milchsäure durch die parodontitisassoziierten Mikrobiota deutlich reduziert und in zellbasierten Experimenten hemmte diese direkt die Differenzierung und Aktivität von Osteoklasten, erläutert das Team.
Die orale Verabreichung von Indol-3-Milchsäure an betroffene Mäuse führte zu einer Wiederherstellung der Knochendichte, einer Verbesserung der Trabekelstruktur und einer signifikanten Reduktion der Osteoklastenzahl, wodurch die Skelettschädigung effektiv rückgängig gemacht wurde, so die Fachleute weiter.
Hoffnung auf neue Therapien
„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass die gezielte Beeinflussung des Darmmikrobenstoffwechsels zukünftig neue präventive und therapeutische Wege eröffnen könnte, nicht nur für Osteoporose, sondern auch für andere systemische Erkrankungen, die durch chronische Entzündungen im Mundraum beeinflusst werden“, so die Studienautorin Dr. Fangfang Sun vom Nanjing Stomatological Hospital.
Insgesamt verdeutlicht die Studie die Bedeutung der Mundgesundheit als Teil des Osteoporose-Risikomanagements und mikrobielle Metabolite könnten möglicherweise als frühe Biomarker oder Interventionsziele dienen, so das Fazit des Forschungsteams. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Editorial Office of West China School of Stomatology, Sichuan University: How periodontitis-linked bacteria accelerate osteoporosis-like bone loss through the gut (veröffentlicht 04.03.2026), eurekalert.org
- Nannan Wang, Jun Qian, Min Wang, Lili Li, Wenzheng Liao, Rixin Chen, Hua Nie, Ruiyang Ge, Fangfang Sun, Fuhua Yan: Periodontitis-associated salivary microbiota exacerbates systemic osteoclastogenesis via gut modulation and tryptophan metabolism suppression in ovariectomized mice; in: International Journal of Oral Science (veröffentlicht 27.01.2026), nature.com
- Tokuju Okano, Hiroshi Ashida, Noriko Komatsu, Masayuki Tsukasaki, Tamako Iida, Marie Iwasawa, Yuto Takahashi, Yasuo Takeuchi, Takanori Iwata, Miwa Sasai, Masahiro Yamamoto, Hiroshi Takayanagi, Toshihiko Suzuki: Caspase-11 mediated inflammasome activation in macrophages by systemic infection of A. actinomycetemcomitans exacerbates arthritis; in: International Journal of Oral Science (veröffentlicht 15.08.2024), nature.com
- Sho Okumara, Shunsuke Miyauchi, Hiromi Nishi, Kazuhisa Ouhara, Takehito Rokuyama, et al.: Relationship Between Periodontitis and Atrial Fibrosis in Atrial Fibrillation: Histological Evaluation of Left Atrial Appendages; in: JACC: Clinical Electrophysiology (veröffentlicht 31.10.2022), sciencedirect.com
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