Selbst zubereitet Mahlzeiten können das Demenz-Risiko im Alter offenbar deutlich senken. So erkranken ältere Menschen, die mindestens einmal pro Woche selbst kochen, deutlich seltener als Personen, die ausschließlich Fertiggerichte und Essen von Lieferdiensten oder Restaurants verzehren.
Forschende des Institute of Science Tokyo und der Chiba University in Japan haben mögliche Zusammenhänge zwischen selbst gekochtem Essen und der Demenz-Inzidenz untersucht. Die durchaus überraschenden Ergebnisse sind in dem „Journal of Epidemiology & Community Health“ veröffentlicht.
Ernährung beeinflusst Demenz-Risiko
Dass die Ernährung bei Demenzerkrankungen eine wichtige Rolle spielen kann, ist durch zahlreiche früherer Studien bereits eindeutig belegt. Dies gilt allerdings in beide Richtungen. Während manche Ernährungsmuster und Nahrungsmittel das Erkrankungsrisiko erhöhen, scheinen andere einen gewissen Schutzeffekt zu entfalten.
Beispielsweise berichteten Forschende erst vor wenigen Monaten in dem „International Journal of Epidemiology“, dass bei Demenz die Kohlenhydrate der Ernährung einen wichtigen Faktor bilden. Dabei scheinen kohlenhydrathaltige Lebensmittel mit niedrigem glykämischen Index das Risiko zu senken, während andere Kohlenhydrate eher nachteilig wirken.
Manche Ernährungsformen gelten zudem als besonders vorteilhafte in Bezug auf die Demenz-Prävention. So zeigt zum Beispiel eine Studie aus dem vergangenen Jahr, dass die mediterrane Ernährung das Demenz-Risiko deutlich senken kann.
Bewusste Ernährungsentscheidungen bieten demnach einen vielversprechenden Ansatz, um das Erkrankungsrisiko signifikant zu reduzieren. Doch dies setzt eine Kenntnis der Inhaltsstoffe voraus, die insbesondere bei Fertiggerichten und Essen vom Lieferdienst oder aus dem Restaurant oftmals nur eingeschränkt gegeben ist.
Welche Einfluss hat selbstständiges Kochen?
Da auch immer mehr ältere Menschen auf Fertiggerichte, Restaurantbesuche und Lieferdienste zurückgreifen, anstatt zu Hause zu kochen, stellte sich das japanische Forschungsteam nun die Frage, welchen Einfluss die eigenständige Zubereitung von Mahlzeit auf das Demenz-Risiko haben kann.
Anhand der Daten von 10.978 Teilnehmenden aus der Japanischen Gerontologischen Evaluationsstudie untersuchte das Team die Zusammenhänge zwischen selbst gekochtem Essen und der Demenzinzidenz
Alle Teilnehmenden waren im Alter ab 65 Jahren und ein Fünftel von ihnen war über 80 Jahre alt. Die Ernährungsgewohnheiten wurden zu Studienbeginn mittels einer Befragung erfasst und mit den Gesundheitsdaten der Teilnehmenden aus einem Zeitraum von sechs Jahren abgeglichen, berichten die Forschenden.
Auch die Kochfertigkeiten der Teilnehmenden fanden Berücksichtigung und wurden in der Befragung anhand von sieben Fertigkeiten bewertet (z.B. die Fähigkeit Obst und Gemüse zu schälen oder Eintöpfe zuzubereiten), erläutert das Team.
In dem Beobachtungszeitraum seien 1.195 Teilnehmende an Demenz erkrankt und 870 verstorben und rund ein Viertel der Teilnehmenden habe seltener als einmal pro Woche eine Mahlzeit selbst zubereitet.
Deutlich reduziertes Demenz-Risiko
Bei dem Abgleich mit den auftretenden Demenzerkrankungen zeigte sich, dass Teilnehmende, die einmal pro Woche selbst Mahlzeiten zubereiteten, ein deutlich geringeres Demenz-Risiko aufwiesen als Teilnehmende, die seltener als einmal pro Woche selbst kochten, berichten die Forschenden.
Zudem hatten Teilnehmende mit niedrigen Kochkenntnissen zwar insgesamt ein höheres Demenz-Risiko als jene mit guten Kochkenntnissen, doch sie profitierten den Fachleuten zufolge besonders stark von den selbst zubereiteten Mahlzeiten.
Bei Teilnehmenden mit geringen Kochkenntnissen, die mindestens eine Mahlzeit pro Woche selbst zubereiteten, sei das Demenz-Risiko um 67 Prozent geringer ausgefallen, als bei jenen, die seltener als einmal pro Woche selbst kochten.
Auch nach Berücksichtigung anderer potenzieller Einflussfaktoren wie dem Lebensstil, dem Haushaltseinkommen und den Bildungsjahren waren die Zusammenhänge laut den Forschenden signifikant
Selbst kochen zur Demenz-Prävention
Eine mögliche Erklärung sei, dass für ältere Menschen die Zubereitung von Mahlzeiten nicht nur eine wichtige Quelle körperlicher Aktivität bilde, sondern auch kognitive Anreize biete. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, sind jedoch keine eindeutigen Rückschlüsse auf Kausalzusammenhänge möglich.
Obwohl hier weitere Studien erforderlich bleiben, deuten die bisherigen Ergebnisse nach Ansicht des Teams darauf hin, dass die Schaffung eines Umfelds, in dem ältere Menschen ihre Mahlzeiten selbst zubereiten, einen wichtigen Beitrag zur Demenz-Prävention leisten kann. (fp)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- BMJ Group: Preparing a home cooked meal at least once a week may cut older people’s dementia risk by 30% (veröffentlicht 24.03.2026), eurekalert.org
- Yukako Tani, Takeo Fujiwara, Katsunori Kondo: Home cooking, cooking skills and dementia requiring long-term care: a population-based cohort study in Japan; in: Journal of Epidemiology & Community Health (veröffentlicht 24.03.2025), bmj.com
- Nil Novau-Ferré, Javier Mateu-Fabregat, Christos K. Papagiannopoulos, Christos V. Chalitsios, Laura Panisello, Georgios Markozannes, Konstantinos K. Tsilidis, Mònica Bulló, Christopher Papandreou: Glycemic index, glycemic load, and risk of dementia: a prospective analysis within the UK Biobank cohort; in: International Journal of Epidemiology (veröffentlicht 31.10.2025), academic.oup.com
- Mónika Fekete, Péter Varga, Zoltan Ungvari, János Tibor Fekete, Annamaria Buda, et al.: The role of the Mediterranean diet in reducing the risk of cognitive impairement, dementia, and Alzheimer’s disease: a meta-analysis; in: GeroScience (veröffentlicht 11.01.2025), springer.com
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