Augengymnastik – Anleitung und Nutzen

Dr. Utz Anhalt

Was ist Augengymnastik und wogegen hilft sie?

Wenn Sie merken, dass ihre Augen schneller ermüden als zuvor oder es ihnen schwer fällt, Buchstaben aus der Nähe zu lesen, dann muss das nicht unbedingt an der Sehkraft liegen. Oft ist einfach nur der Augenmuskel nicht mehr in Form.


Augentraining

Der amerikanische Augenarzt William Bates (1860-1931) glaubte, Menschen bräuchten bis ins hohe Alter keine Brille, wenn sie den Augenmuskel trainieren, ausreichend Sonnenlicht und Wärme bekommen und die Augen nicht überanstrengen. Ein wissenschaftlicher Beweis dafür steht aus und viele Augenerkrankungen lassen sich keinesfalls allein mit Augentraining behandeln. Augengymnastik ist aber sinnvoll, um überlastete Augen (zum Beispiel von unserer Arbeit am PC) zu entspannen.

Unser Auge ist tagtäglich großen Belastungen ausgesetzt. (Bild: marinafrost/fotolia.com)

Altersweitsichtigkeit

Im Alter wird die Augenlinse unbeweglicher. Um Objekte aus der Nähe zu betrachten, muss die Linse sich jedoch verformen, wofür die Augenmuskeln sich zusammenziehen. Da im Alter jedoch dieser Ziliarmuskel auch an Spannkraft verliert, trifft jetzt eine zunehmend starre Linse auf einen kraftlosen Muskel. Das Resultat: Wir sehen Dinge in der Nähe immer schlechter.

Augentraining ist aber auch wichtig für altersunabhängige Störungen der Augenmuskulatur.

Sehen am Bildschirm

Die Arbeit am Laptop belastet unsere Augen. Wir wechseln ständig den Blick zwischen Tastatur, Bildschirm und Vorlagen. Das kann unter anderem zu verschwommenem Sehen, verspannten Muskeln, Doppelbildern, müden, schmerzenden, roten, tränenden oder trockenen Augen führen. Kopfschmerzen sind vorprogrammiert.

Beim angespannten Blick auf den Bildschirm bewegt sich das Auge kaum. Der natürliche Lidschlag setzt aus. Statt 10 bis 15 mal pro Minute schließen und öffnen wir unsere Lider nur ein- bis zweimal. Die Folge: Die Augen trocknen aus, röten sich, brennen und jucken.

Latentes Schielen

Latentes Schielen ist eine Gleichgewichtsstörung der Augenmuskeln. Die Betroffenen versuchen, diese gestörte Koordination auszugleichen, und das führt zu Müdigkeit, Stress, Kopf- und Augenschmerzen, Doppelbildern und Konzentrationsproblemen. Hier hilft präventiv eine orthopische Binokulartherapie (Binokular heißt auf beiden Augen).

Training

Es gehört zu den normalen Erscheinungen des Alterns, dass die Muskeln ihre Kraft verlieren und die Augenlinse ihre Flexibilität. Die Lösung ist jetzt aber kein Fatalismus, sondern die gleiche, wie bei anderen Muskelschwächen auch: Training. Der Augenmuskel ist tatsächlich ein Muskel und Muskeln lassen sich durch gezielte Übungen kräftigen. Augengymnastik kann zwar nicht verhindern, dass Sie irgendwann eine Lesebrille tragen  müssen, wohl aber die Zeitspanne ausdehnen, bis es soweit ist.

Trockene Augen

Trockene Augen zeigen sich durch brennende Schmerzen oder das Gefühl, in den Augen einen Fremdkörper zu haben. Diese Schmerzen entstehen, wenn die Augenlinse nicht mit Tränenflüssigkeit befeuchtet wird. Ursache können eine Krankheit sein, trockene Luft (zum Beispiel durch Klimaanlagen), das Gucken auf den Computer-Bildschirm oder Medikamente.

Augenärzte erkennen, ob die Tränenflüssigkeit zur Neige geht, weil die Betroffenen erkrankt sind. Dazu tropfen sie Fluoreszein in das Augen und messen die Zeit zwischen dem Blinzeln und dem Ende des Tränenfilms.

Einfache Übungen verschaffen den Betroffenen aber bereits Linderung. Dazu gehören häufiges Blinzeln, den Blick in die Ferne schweifen zu lassen und/oder die Augen zu massieren.

Augentraining und Augenmassage können ermüdete Augen kräftigen. (Bild: sebra/fotolia.com)

Tipps

Hier einige Tipps, um einer Ermüdung der Augen vorzubeugen:

  1. Blicken Sie in die Ferne und fixieren Sie dort Objekte. Damit unterbrechen Sie starre Blickbewegungen und halten die Muskeln flexibel.
  2. Sorgen Sie in der Wohnung und am Arbeitsplatz für genug Luftfeuchtigkeit. Stellen Sie Befeuchter/Vernebler auf, sprühen Sie häufiger ihre Zimmerpflanzen und lüften Sie regelmäßig. Auch Wasserschalen über der Heizung helfen.
  3. Blinzeln Sie häufig und bewusst. Dadurch schützen Sie die Augen vor dem Austrocknen.
  4. Decken Sie ihre Augen mehrmals pro Stunde mit den Handflächen ab. Das verschafft Linse und Muskel eine wichtige Ruhepause.
  5. Verziehen Sie den Mund zu Grimassen. Reiben Sie die Kieferknochen mit den Fingern und öffnen Sie dabei den Mund wie bei einer Schnappatmung. Das ist Hanteltraining für den Augenmuskel.
  6. Machen Sie so oft wie möglich Spaziergänge, am besten im Wald.
  7. Gönnen Sie ihren Augen mindestens einmal täglich einen Schwall kaltes Wasser.
  8. Trinken Sie ausreichend.

Spezielle Übungen

Außer diesen allgemeinen Hilfen für das Auge gibt es spezielle Augenübungen, die den Muskel in Fahrt halten:

  1. Halten Sie einen Zeigefinger eine Handbreit vor die Nase, den zweiten Zingefinger zwei Handbreit. Dann suchen Sie zusätzlich ein Objekt im Raum. Jetzt fixieren Sie ihren Blick abwechselnd auf einen der Finger und den dritten Punkt. Wiederholen Sie diese Übung täglich für mehrere Minuten.
  2. Bedecken Sie das linke Auge mit der linken Hand, strecken Sie den Arm aus und öffnen Sie die rechte Handfläche vor dem rechten Auge. Jetzt konzentrieren Sie sich auf einen Punkt auf der rechten Handfläche und bewegen diese langsam in Richtung Auge. Dann ziehen Sie die Hand wieder zum Ausgangspunkt zurück.
  3. Strecken Sie beide Arme halb aus, öffnen die Handflächen Richtung Auge und blicken darauf. Ziehen Sie jetzt die Hände behutsam nach links und rechts. Die Augen suchen nach Fixpunkten. Sie gucken auf die Hände, bis diese aus dem Blick verschwinden, dann bringen Sie diese wieder in ihre Ausgangsposition.
  4. Heben Sie ihre linke Hand mit angewinkeltem Arm in Höhe der Augen und blicken Sie auf den nach oben gerichteten linken Zeigenfinger. Jetzt strecken Sie den rechten Arm aus und heben den Finger, so dass sich der rechte Zeigefinger hinter dem linken befindet. Sie sehen jetzt drei Finger, wenn Sie ihren Blick auf den linken Zeigefinger richten. Fixieren Sie anschließend ihren Blick auf den rechten. Zuerst ist der linke Finger scharf, wenn Sie ihren Blick ändern der rechte. Am Ende blicken Sie auf einen anderen Punkt im Raum.
  5. Um die Augenlinsen flexibel zu halten, stellen Sie sich hin, spreizen die Beine und drücken die Arme in die Hüften. Mit dem Oberkörper schwingen Sie jetzt einige dutzend Male hin und her. Dabei zwinkern Sie jedes Mal. Den Blick lassen Sie im Raum umher schweifen.
  6. Halten Sie den Kopf gerade, ebenso den Rücken. Jetzt rollen Sie die Augen dreimal im Kreis und fixieren den Blick, zuerst nach rechts, dann nach links.

Training zur besseren Durchblutung der Augen

Um ihre Augen besser zu durchbluten und so leistungsfähiger zu halten, können Sie täglich einfache Übungen ausführen:

  1. Dafür setzen Sie sich erst einmal hin.
  2. Dann blicken Sie nach oben, dann nach vorne, dann nach unten.
  3. Als nächstes blicken Sie nach rechts, dann nach links.
  4. Jetzt blicken Sie nach rechts oben, dann nach links unten.
  5. Und umgekehrt: Erst nach links oben, dann nach rechts unten.
  6. Lassen Sie die Augen kreisen. Erst rechts herum, dann links herum.
  7. Pressen Sie die Lider zusammen und öffnen Sie sie wieder entspannt.

Augenmassage

Um die Augen zu entlasten, fassen Sie sich mit den Händen an den Hinterkopf und drücken die Daumen fest an die Senken hinter den Ohrläppchen unter dem Knochen. Durch diesen Druck nimmt der Druck auf die Augen ab. Sie lösen den Druck langsam und wiederholen das ganze so lange, bis sie die Entlastung spüren.
Jetzt stellen Sie sich eine liegende Acht vor ihren Augen vor. Sie folgen dieser Acht mit ihren Blicken, ohne dabei die Augen zu bewegen. Dann schließen Sie beide Augen und folgen dieser Acht, ohne die Augen zu öffnen. (Dr. Utz Anhalt)

Quellen

Wolfgang Hätscher-Rosenbauer: Kleine Augenschule. Kompakt-Ratgeber: Übungen und Tipps für gesundes und lebendiges Sehen. Mankau Verlag. ISBN: 3863743148