Bruchkraut – Inhaltsstoffe und Anwendungsgebiete

Kahles Bruchkraut (Herniaria glabra)

Das Kahle Bruchkraut, auch Harnkraut genannt, ist ein unauffälliger Bodendecker, der im gemäßigten Europa häufig auf Brachland mit steinigen Sandböden, auf Felsen oder auch auf Geröllhalden und Schuttplätzen zu finden ist. Bruchkraut dient als Heilpflanze vor allem dazu, den Harn zu treiben und so Leiden der Niere und Blase zu lindern.

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Herniaria glabra
  • Volksnamen: Nierenkraut, Christenweiß, Tausendkraut, Harnkraut, Tausendschönchen, Christusblut, Dürrkraut, Jungfernkraut, Kuckucksseife, Guggerseife
  • Pflanzenfamilie: Nelkengewächse (Caryophyllaceae)
  • Vorkommen: Gemäßigtes Europa und Westasien, sowie in Nord- und Südamerika eingeführt und in Marokko als Heilpflanze genutzt.
  • Verwendete Pflanzenteile: Die oberirdisch frisch geernteten Blüten und das Kraut samt Wurzeln.
  • Inhaltsstoffe (Auswahl) :
    • Saponine,
    • Flavonoide,
    • Cumarine,
    • Gerbstoffe (Gerbsäue),
    • ätherische Öle.
  • Anwendungsgebiete (Auswahl):
    • Blasen- und Nierenleiden,
    • Entzündungen der Harnwege,
    • chronischer Husten,
    • Erkältung,
    • Wunden.

Bruchkraut – Eine Übersicht

  • Das Kahle Bruchkraut Herniaria glabra gehört zur Gattung der Bruchkräuter. Der Gattungsname Herniaria leitet sich vom lateinischen Wort „hernia“ ab und bedeutet Bruch. Dies weist auf die schon vor langer Zeit bekannten Heilungskräfte der Buchkräuter bei Knochenbrüchen hin. Glabra, der Artname, bedeutet „kahl“ und bezieht sich auf die kahlen Blätter.
  • Das Kraut enthält verschiedene Inhaltsstoffe, die es zu einer vielseitig genutzten Heilpflanze machen.
  • Auch wenn es nicht offiziell als pflanzliches Arzneimittel empfohlen wird, gilt es doch als eine wirksames natürliches Mittel unter anderem gegen Harnwegsinfektionen, Nieren- und Blasenleiden, Ödeme, Husten und Erkältungen.
  • Zu Heilzwecken werden die oberirdischen, getrockneten Teile des Harnkrauts genutzt – innerlich vor allem als Tee-Zubereitung und äußerlich für Wickel, Kompressen oder Bäder.
  • Kahles Bruchkraut ist eine ein- bis mehrjährige, gelbgrüne, krautige Pflanze, deren Stängel aus einer dünnen Wurzel wachsen und über den Boden kriechen (Bodendecker).
  • Die Pflanze ist leicht selbst anzubauen und in der Zeit der Blüte – von Juni bis Oktober – kann sie gesammelt werden. Getrocknet kann Bruchkraut recht lange aufbewahrt werden.

Inhaltsstoffe

Harnkraut enthält eine Reihe verschiedener Inhaltsstoffe, wie:

  • Saponine,
  • Flavonoide,
  • Alkaloide,
  • Cumarine,
  • Gerbsäure,
  • Henriarin,
  • Paronychin,
  • Umbelliferon,
  • ätherische Öle.

Die Saponine bewirken, dass das Kraut beim Zerreiben schäumt. Das Wort „sapo“ ist die lateinische Bezeichnung für Seife. Das Bruchkraut nennt man auch Kuckucksseife, weil es früher als sogenannte Naturseife im Juni gesammelt wurde, zu einer Zeit wenn die Kuckucke zur Paarung rufen.

Konkret handelt es sich bei den Saponinen um Triterpensaponine: Herniariasaponine I-VII (Agylcon Medicagen, Gypsogen, 16-Hydroxy-Medicagen). Die Cumarine sind Hydroxycumarine. An Zuckern bietet die Pflanze Glucose, Rhamnose, Glucuronsäure und Fucose.

Wirkungen

Allgemein bekannte Wirkungen umfassen die Blutdrucksenkung, eine antioxidative und vor allem harntreibende (diuretische) Wirkung.

Die diuretischen Effekte machten das Bruchkraut schon vor langer Zeit zu einem wirksamen Mittel gegen Harnwegsinfektionen, Nieren- und Harnleitersteine (Harnsteine) und dadurch ausgelöste Koliken, Blasenentzündungen sowie Nierenbeschwerden im Allgemeinen. Auch gegen Ödeme und Wassersucht zeigt das Harnkraut Wirksamkeit.

In der Geschichte der Heilpflanzen zeigten Extrakte aus medizinischen Pflanzen, in denen auch das Kahle Bruchkraut Herniaria glabra enthalten war, dass der Harnfluss angeregt wurde – ohne den pH-Wert des Urins zu verändern. Ein Tee aus dem Kraut ist ein traditionelles Mittel bei chronischer Blasenentzündung, Schmerzen beim Harnlassen und Entzündungen der Harnröhre.

Außerdem weist das Bruchkraut eine wichtige Wirkung als Schleimlöser auf. Es fördert den Auswurf und stillt Husten bei einer Lungenverschleimung und bei Erkältungen. Weiterhin wirkt es gegen Mikroben (Bakterien und Pilze) sowie als Insektizid. Die antimikrobiellen Effekte eignen sich, um Infektionen der Atemorgane und des Rachenraums zu lindern, sowie äußere Wunden zu behandeln.

Als pflanzliches Arzneimittel empfiehlt die Kommission E (Zulassungskommission beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) im Bereich der Phytotherapie der Humanmedizin) Bruchkraut aber nicht, weil dazu hinreichende Untersuchungen und Studien zu den Wirkungen fehlen – belegt ist bislang ein schwach krampflösender Effekt. In Österreich ist Bruchkraut als pflanzliche Arznei anerkannt.

Anwendungen in der Volksmedizin und Naturheilkunde

In der Volksmedizin Europas wurde Harnkraut gegen vielerlei Beschwerden eingesetzt, vor allem aber gegen Nieren- und Blasenleiden. Heute ist es in Zypern und im Südosten Marokkos als Phytomedizin für solche Beschwerden noch immer populär.

Die Volksmedizin nutzt Harnkraut innerlich als Tee bei Lungenerkrankungen, grippalen Infekten, verschleimtem Husten und Nieren-, Harnwegs- sowie Blasenerkrankungen. Äußerlich wird es vor allem als Wickel, Kompresse, Bad oder Waschung gegen gerötete Haut oder geschwollene und erschöpfte Gliedmaßen genutzt.

Zu Heilzwecken werden die oberirdischen Teile der Pflanze genutzt, vor allem in getrockneter Form. Bruchkraut-Produkte gibt es heutzutage in Apotheken und Kräuterläden zu kaufen. Aber auch in anderen Fertig-Arzneimitteln aus dem Bereich der Urologie oder als Zutat von Blasen- und Nierentees ist Bruchkraut zu finden.

Tee aus Buchkraut und Bärentraube Rezept, Zubereitung und Wirkung
Eine selbst hergestellte Mischung aus Bruchkraut und Bärentraube kann eine Heilung auf natürlichem Wege unterstützen, etwa bei Blasen- und Nierenleiden. (Bild: Studio KIVI/stock.adobe.com)

Bruchkraut-Tee

In Tees wird Bruchkraut oft mit Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi) kombiniert, da Bärentraube die Wirkung ergänzt und auch desinfizierend und krampflösend wirkt. Um Flüssigkeit auszuschwemmen, reicht auch Tee, der allein aus Harnkraut besteht. Hier liegt die empfohlene tägliche Menge bei zwei bis drei Tassen.

Bruchkraut in der äußeren Anwendung

Für eine äußere Anwendung sollte das Mischverhältnis 6 Gramm auf 100 Milliliter Wasser betragen. Der Sud kann für Teilbäder und Waschungen genutzt werden oder aber für getränkte Kompressen, die auf die betroffenen Stellen gelegt werden.

Die Volksmedizin nutzt solche Bäder, Waschungen und Auflagen, um die Gefäße an der Hautoberfläche zu erweitern und so Blutergüsse zu lindern, geschwollene Glieder zum Abschwellen zu bringen sowie Hautrötungen entgegen zu wirken.

Nebenwirkungen

In therapeutischen Dosen ist Harnkraut unbedenklich. Wegen der enthaltenen Alkaloide sollte es jedoch nicht in größeren Mengen verzehrt werden – bei hohen Überdosierungen kann es hierdurch sogar zu Lähmungen kommen.

Überschreitet man die Effektivdosis nicht, kommt es nur zu Nebenwirkungen, wenn die Betroffenen eine erhöhte Sensibilität gegenüber Nelkengewächsen und bestimmter Inhaltsstoffe haben. Aus diesem Grund sollte Bruchkraut nach ärztlichem oder sachverständigem Rat (Apotheke) eingesetzt werden.

Kahles Buchkraut (Herniaria glabra): Beschreibung

Kahles Bruchkraut ist eine ein- bisweilen auch mehrjährige krautige Pflanze von gelbgrüner Farbe. Diverse Stängel sprießen bis zu 20 Zentimeter aus einer dünnen Wurzel und kriechen über den Boden (Bodendecker).

Die Blätter sind gegenständig an den Knoten, elliptisch lang gezogen mit kurzem Stiel und abgerundeter Spitze. Am Grund verschmälern sich die Blätter zum Stängel hin. Sie sind nur circa ein Zentimeter lang und gewöhnlich kahl (deshalb Kahles Bruchkraut), selten aber an der Spitze leicht behaart.

Die Blüten wachsen an blattachsenständigen Knäueln – jeweils fünf stehen zusammen (fünfzählig). Jede Blüte liegt auf einem wimprigen Deckblatt in Form einer Lanzette. Die fünf ovalen und flachen Kelchblätter sind grün und sehr viel größer als die Kronblätter, die oftmals auch ganz fehlen.

Das Harnkraut bildet kleine eiförmige Schließfrüchte, die etwas länger als der Kelch sind. Sie enthalten einen glänzend schwarzen Samen.

Harnkraut sammeln und lagern

Harnkraut wird in der Zeit der Blüte gesammelt: von Juni bis Oktober. Es sollte darauf geachtet werden, die gepflückten Pflanzen dunkel, kühl und trocken zu lagern. Während das Kraut in luftigen Schichten im Schatten getrocknet wird, sollte es häufig gewendet werden. Die getrockneten Pflanzen werden am besten in Papier- oder Stoffsäckchen aufbewahrt.

Anbau und Ökologie

Das Bruchkraut ist ein Bodendecker – also eine niedrig wachsende Pflanze mit sehr kleinen Blättern und winzigen Blüten, die auf der Erde eine Art Teppich bildet. Harnkraut selbst anzubauen ist einfach und es macht sich gut in Steingärten mit nährstoffarmem Boden.

Ist es erstmal angewachsen, braucht es keine weitere Pflege. Aus diesem Grund, und weil es wintergrün ist, findet sich Bruchkraut auch häufig als Grabpflanze. Ebenso werden Beete damit eingefasst.

Harnkraut mag Sonne und Sandboden, der aber nicht zu trocken sein sollte. Die Knospen des Harnkrauts werden weder durch Nässe noch durch Schnee oder Kälte geschädigt. Auch Hitze und eine Bedeckung durch Laub macht den Pflanzen nichts aus. Sobald die Sonne wieder scheint, blühen sie wieder auf.

Bruchkraut eignet sich gut als Unterbepflanzung für Kübelbäume und als Bepflanzung für Mauern, Terrassen, Schotterflächen, Garagendächern oder Auffahrten. Dort bringt es mit seinen feinen gelbgrünen Blättern Farbe in die Tristesse. Der Vorteil ist: Harnkraut gedeiht genau da, wo herkömmlicher Rasen nicht mehr wächst, weil es zu trocken ist.

Die vorweiblichen Blüten sind winzig und werden durch kleine Zweiflügler bestäubt oder bestäuben sich selbst. Das Kraut blüht von Juni bis Oktober. Die Samen sind nur einen halben Millimeter groß und verbreiten sich als Ballonflieger, haften an Tieren oder werden mit dem Regen verschwemmt.

Woher kommt der Name Bruchkraut?

Der Gattungsname Herniaria kommt aus dem Lateinischen – hier hat das Wort „hernia“ die Bedeutung von Bruch. Der Name verweist darauf, dass Kräuter dieser Gattung (Bruchkräuter) dazu dienten, die Heilung von Knochenbrüchen zu fördern.

Noch in der frühen Neuzeit waren Kompressen mit Harnkraut ein Mittel gegen Leistenbruch. Glabra, der Artname, bedeutet „kahl“ und bezieht sich darauf, dass die Blätter des Kahlen Bruchkrauts im Vergleich zu seinem Verwandten, dem Behaarten Bruchkraut (Herniaria hirsuta) nur wenig behaart sind.

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:
Dr. phil. Utz Anhalt
Quellen:
  • Ammor, Kenza; Bousta, Dalila; Jennan, Sanae; Bennani, Bahia; Chaqroune, Abdellah; Mahjoubi, Fatima: Phytochemical Screening, Polyphenols Content, Antioxidant Power, and Antibacterial Activity of Herniaria hirsuta from Morocco, in: The Scientific World Journal, 2018: 7470384, Oktober 2018, Scientific World Journal
  • Hiller, Karl; Melzig, Matthias F.: Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen. Band 1 - A bis K, Heidelberg, 1999
  • Gaybullaev, Asilbek; Kariev, Saidakhror : Phytotherapy of calcium urolithiasis with extracts of medicinal plants: Changes of diuresis, urine pH and crystalluria, in: Applied Technologies and Innovations, 7(2): 59-66, June 2012, Academic Publishing Platforms
  • Jouad, H.; Haloui, M.; Rhiouani, H.; El Hilaly, J.; Eddouks, M.: Ethnobotanical survey of medicinal plants used for the treatment of diabetes, cardiac and renal diseases in the North centre region of Morocco (Fez–Boulemane), in: Journal of Ethnopharmacology, 77( 2-3): 175-182, October 2001, ScienceDirect
  • Mbark, Addi Nait; Charouf, Z.; Wray, Victor; Nimtz, M.: Monodesmosidic saponins from Herniaria hirsuta, in: Die Pharmazie, 55(9):690–692, 2000, ResearchGate

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.


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