Amyloidose

Ablagerungen im Gehirn, die im Zuge einer Alzheimer-Krankheit entstehen.

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ICD-Codes für diese Krankheit: E85 ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.

Was ist Amyloidose?

Bei der seltenen Erkrankung Amyloidose kommt es aufgrund abnorm gefalteter Eiweiße (Proteine) zu Ablagerungen in mehreren Organen und Geweben. Diese Ablagerungen (amyloide Fibrillen) können zahlreiche Störungen im Körper hervorrufen, die von Fehlfunktionen, Organversagen bis hin zum Tod reichen können.


Amyloidose: Symptome

Die Beschwerden, die im Laufe einer Amyloidose auftreten, sind stark abhängig davon, in welchen Organen und Geweben sich die amyloiden Fibrillen anreichern. Manche Betroffene haben kaum Beschwerden, wohingegen sich bei anderen ein tödlicher Verlauf entwickeln kann. Hier eine Übersicht zu den Beschwerden:

  • Allgemeine Symptome: Chronische Müdigkeit, Gewichtsverlust.
  • Herz betroffen: Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz (Herzschwäche), Kurzatmigkeit, Schwächegefühle, Ohnmacht.
  • Nerven betroffen: Kribbeln in den Gliedern, Fingern oder Zehen, Taubheitsgefühle, Schwindel.
  • Nieren betroffen: Ödeme an Beinen und Füßen, Schwellungen in der Bauchregion.
  • Haut betroffen: Blaue Flecken, Haut um die Augen färbt sich häufig bläulich, Zunge kann sich vergrößern (Makroglossie).

Die Ausprägung, und mit ihr Symptome und Prognose, der Erkrankung hängen von der Lokalisation und Schwere der Störung ab. Die Amyloidosen werden in systemisch und lokal unterteilt. Grundsätzlich können sich Amyloide überall im Körper ablagern und teilweise auch zu tumorartigen Gebilden, den Amyloidomen, führen. Wichtig ist, dass bei einer Diagnose die Amyloidart klassifiziert wird.

Ablagerungen im Gehirn, die im Zuge  einer Alzheimer-Krankheit entstehen.
Das Bild zeigt eine schematische Darstellung von Amyloidablagerungen, die sich im Zuge einer Alzheimer-Krankheit im Gehirn festsetzen. (Bild: Juan Gärtner/fotolia.com)

Eine Amyloid-Krankheit kann klinisch unauffällig bis lebensbedrohlich sein und auch schwerwiegendere Symptome und Erkrankungen hervorrufen, wie beispielsweise

Amyloidose: Ursachen

Ursache der Amyloidose sind Proteine, die sich nicht so falten, wie es für sie vorgesehen ist. Durch diese abnormale Faltung können die Proteine ihre Aufgabe nicht oder nicht richtig erfüllen. In Folge kommt es zu Verklumpungen, die Ablagerungen bilden. Solche Ablagerungen werden in der Medizin als Amyloidablagerungen und Amyloidfibrillen bezeichnet. Es gibt viele verschiedene Arten von Proteinen, die von einer abnormalen Faltung betroffen sein können. Somit gibt es auch viele unterschiedliche Formen der Erkrankung. Manche Formen betreffen den gesamten Körper, andere treten nur lokal auf und es bilden sich nur an einem bestimmten Organ Ablagerungen.

Systemische Amyloidosen

Hier eine Übersicht über die verschiedenen Formen der Amyloidose, die den gesamten Körper betreffen:

  • AL-Amyloidose: Diese Form wird auch als primäre Amyloidose oder Leichtkettenamyloidose bezeichnet. Ursächlich sind Abnormitäten in Plasmazellen, die zu fehlgebildeten Antikörperproteinen führen. Diese abnormen Antikörper lagern sich vorwiegend im Herz, in den Nieren, in den Nerven, in der Zunge, im Darm, in der Leber, der Milz und den Blutgefäße an. Nicht selten tritt die Leichtkettenamyloidose zusammen mit einem multiplen Myelom auf. Rund zehn bis 20 Prozent der Patienten mit einem multiplen Myelom leiden auch an AL-Amyloidose.
  • AA-Amyloidose: Diese Form wird auch sekundäre Amyloidose genannt. Die abnormen Faltungen können durch anhaltende Infektionskrankheiten ausgelöst werden, beispielsweise im Zuge einer Tuberkulose, einer rheumatoiden Arthritis oder dem Mittelmeerfieber. Häufig sammeln sich die Ablagerungen verstärkt in den Nieren an. Es können aber auch andere Organe betroffenen sein. Es besteht ein erhöhtes Risiko für Krebserkrankungen.
  • AF-Amyloidose: Die Erberkrankung ist auch als familiäre Amyloidose bekannt. Aufgrund erblich bedingter Mutationen kommt es im Erwachsenenalter zu falsch gefalteten Proteinen im Blut, woraufhin sich vorzugsweise Ablagerungen in den Nieren, den Nerven oder dem Herz bilden. Ein mutiertes Leber-Protein namens Transthyretin (ATTRm) gilt als häufigster Auslöser dieser Amyloidose-Form.
  • ATTRwt-Amyloidose: Früher wurde diese Form senile systemische Amyloidose genannt. Heute ist auch der Begriff Wildtyp-Transthyretin-Amyloidose geläufig. Ausgelöst wird die Erkrankung durch eine fehlerhafte Faltung des Proteins Transthyretin. Infolgedessen kommt es zu Ablagerungen, die in erster Linie das Herz betreffen. Diese Krankheitsform tritt wesentich häufiger bei Männern auf, als bei Frauen.

Lokale Amyloidosen

Bei den lokalisierten Amyloidosen treten die Ablagerungen nur in einem Organ oder Gewebe auf. Das bekannteste Beispiel sind hier die Amyloidablagerungen, die in den Gehirnen von Alzheimer-Patienten zu finden sind. Bei anderen lokalen Formen sind zum Beispiel nur die Haut, der Darm, die Atemwegen oder die Blase betroffen.

Diagnose

Eine Ansammlung von Amyloidfibrillen ist schwer zu diagnostizieren. Die Symptome sind vielschichtig und oft liegt der Verdacht auf andere Erkrankungen näher. Ein relativ deutliches Anzeichen ist eine vergrößerte Zunge, die aber nur selten auftritt. Vermutet die Ärztin oder der Arzt eine Amyloidose, wird zur Diagnose in der Regel eine Biopsie durchgeführt. Hierfür wird eine Gewebeprobe aus dem Bauchfett oder dem Gewebe beziehungsweise dem Organ entnommen, welches als betroffen vermutet wird. Im Labor können dann die Fibrillen nachgewiesen werden.

Amyloidose: Behandlung

Die Therapie hängt stark von der vorliegenden Form der Erkrankung ab. In manchen Fällen kann eine Transplantation des betroffenen Organs erforderlich sein. Folgende Übersicht zeigt, welche Behandlung bei welcher Form häufig eingesetzt wird:

  • AL-Amyloidose: Chemotherapie, beispielsweise mit Melphalan, Bortezomib oder Lenalidomid; zusätzlich kann eine periphere Stammzellentransplantation Wirkung zeigen.
  • AA-Amyloidose: Behandlung der zugrundeliegenden Infektion oder Entzündung. Wurde die Amyloidose durch das familiäre Mittelmeerfieber ausgelöst, zeigt das Medikament Colchicin gute Wirkung.
  • Familiäre Amyloidose: Medikamente wie Diflunisal und Tafamidis, die das Protein Transthyretin stabilisieren und so die Fibrillen-Bildung verlangsamen. Ist die Leber betroffen, kann eine Lebertransplantation helfen.

Bislang existiert keine Methode, die bereits abgelagerte Amyloide wieder entfernen kann. Aus diesem Grund sind entstandene Organschäden in der Regel nicht heilbar. An neuen Methoden wie beispielsweise einer Gentherapie und Medikamenten, die Ablagerungen auflösen, wird zur Zeit geforscht. (vb, tf)

Autor:
Diplom-Redakteur (FH) Volker Blasek
Quellen:
  • John L. Berk , Vaishali Sanchorawala: Amyloidose, MSD Manual, Merck and Co., Inc. Stand: Oktober 2016, msdmanuals.com
  • Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE): Amyloidose (Abruf: 06.09.2019), uke.de
  • Universitätsklinikum Heidelberg: Amyloidose (Abruf: 06.09.2019), klinikum.uni-heidelberg.de
  • Institut für Cardiomyopathien Heidelberg (ICH.); Herzzentrum Heidelberg; Universitätsklinikum Heidelberg: Die kardiale Amyloidose – Wenn das Herz verklebt, Stand Oktober 2017, amyloidose-zentrum
  • Carlos Fernández de Larrea, Laura Verga, Patrizia Morbini, u.a.: A practical approach to the diagnosis of systemic amyloidoses, blood journal, Ausgabe 125, 2015, bloodjournal.org

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.