Eierstockzysten – Symptome, Entstehung und Therapie

Frau mit Unterleibsschmerzen

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ICD-Codes für diese Krankheit: N83.0, N83.1, N83.2 ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.

Zysten in oder an den Eierstöcken

Flüssigkeitsansammlungen in einem Gewebeholraum werden allgemein als Zysten bezeichnet. Entstehen diese Gebilde am oder im Eierstock, werden sie im medizinischen Fachjargon übergeordnet auch Ovarialzysten genannt. Da oftmals hormonelle Veränderung als Auslöser wirken, sind überwiegend Frauen nach der Pubertät und während der Wechseljahre betroffen. Neben den funktionellen Zysten, die sich in der Regel von alleine wieder zurückbilden, sind andere Eierstockzysten (Retentionszysten) und weitere Erkrankungen (wie Tumore) mögliche Erscheinungen mit einer ähnlichen Symptomatik, die aber einer umgehenden Therapie bedürfen.


Definition

In medizinischen Fachkreisen werden Zysten, die im Eierstock (Ovar) lokalisiert sind, allgemein als Ovarialzysten bezeichnet. Aufgrund der vielfältigen Ursachen werden verschiedene Typen unterschieden. Zu den funktionellen Zysten zählen dabei vor allem die Follikelzysten, Corpus-luteum-Zysten, Luteinzysten und Endometriosezysten (Schokoladenzysten). Seltener handelt es sich um Retentionszysten.

Als Sonderform funktioneller Zysten gelten polyzystische Ovarien (Polyzystisches Ovarsyndrom), die ein eigenständiges Krankheitsbild darstellen. Weiterhin abzugrenzen sind zystische Tumore des Eierstocks (Ovarialtumore), die sich in der Symptomatik ähneln, aber echte Neoplasien (Zellwucherungen) sind.

Frau mit Unterleibsschmerzen
Mit einer Zystenbildung am Eierstock gehen nur selten Beschwerden einher. Oftmals bleiben die Zysten unbemerkt und bilden sich spontan zurück. (Bild: jomkwan7/fotolia.com)

Symptome

Häufig sind die Zysten so klein, dass die Betroffenen keine Beschwerden verspüren. Ab einem gewissen Umfang nehmen sie aber so viel Raum ein, dass ein Druck auf Nachbarstrukturen entsteht und Unterbauchschmerzen beziehungsweise Unterleibsschmerzen die Folge sind. Die Schmerzen können dabei auch ausstahlen und beispielsweise zu Beschwerden im unteren Rücken führen. Manche der betroffenen Frauen beschreiben auch sehr präzise das Auftreten von Eierstockschmerzen.

Mitunter können Entleerungsstörungen von Blase und Darm und Zyklusstörungen auftreten. Letzteres zeigt sich insbesondere durch ein längeres Ausbleiben der Regelblutung (Amenorrhoe) oder Schmierblutungen.

Treten kolikartige oder akute Bauchschmerzen (akutes Abdomen) auf, und kommt es zu einer schnellen Verschlechterung des Allgemeinzustands, weist dies meist auf Komplikationen hin (Zerreißen oder Stildrehung).

Entstehung und Ursachen

Eine Vielzahl an Ursachen und Entstehungsmechanismen lassen eine fachkundige Einteilung zwischen verschiedenen Ovariarzysten zu. Die gängigsten Typen mit den entsprechenden Auslösern sind im folgenden Abschnitt beschrieben.

Funktionelle Zysten

Die häufigsten Ursachen für funktionelle Zysten am Eierstock stellen hormonelle Veränderungen dar, die fast ausschließlich geschlechtsreife Frauen betreffen und verstärkt im Zusammenhang mit der Pubertät und den Wechseljahren auftreten. Neben Störungen im normalen körpereigenen Hormonzyklus (Monatszyklus) können aber auch andere hormonelle Regelkreisläufe oder eine Hormontherapie zu Veränderungen an den Ovarien führen. Die folgende Unterteilung ermöglicht eine genauere Ursachenbeschreibung:

  • Follikelzysten: Diese Art von Zysten sind die häufigsten Erscheinungen und entstehen aufgrund eines nicht gesprungenen Graaf-Follikels, der die Eizelle enthält. Es bleibt also der Eisprung aus und der erhaltene Follikel kann sich zu einer Zyste entwickeln. Meist sind diese Strukturen nur wenige Zentimeter groß und bilden sich spontan zurück beziehungsweise zerspringen mit der Zeit. Sie können aber auch eine Größe von über zehn Zentimeter erreichen. Insbesondere treten diese Gebilde während der frühen Geschlechtsreife und im Übergang zur Menopause auf.
  • Corpus-luteum-Zysten: Findet der Eisprung statt, entsteht aus dem Graaf-Follikel der sogenannte Gelbkörper (Corpus-luteum), der unter anderem für die Produktion des weiblichem Geschlechtshormons (Östrogen) verantwortlich ist. Ohne Befruchtung der Eizelle geht der Gelbkörper ein und es folgt die Menstruation. Kommt es hingegen zur Befruchtung, regulieren die produzierten Hormone die Einnistung und Schwangerschaft. Kommt es zu einer Einblutung beziehungsweise Flüssigkeitsansammlung im Gelbkörper, entsteht eine Corpus-luteum-Zyste. In aller Regel bilden sich diese ebenfalls von alleine zurück.
  • Endometriosezysten (Schokoladenzysten): Bei einer Endometriose entsteht der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) ähnelndes Gewebe außerhalb der Gebärmutter – beispielsweise auch am Eierstock. Während des Abbauprozesses der Menstruation besteht keine Abflussmöglichkeit für dieses Gewebe und es kann zu Zysten kommen. Die Bezeichnung Schokoladenzyste beschreibt das typische bräunliche Sekret aus Abbauprodukten des Bluts im Inneren der Zyste. Auch die Bezeichnung Teerzysten kommt in diesem Zusammenhang vor.
  • Luteinzysten: Die sogenannten Luteinzysten treten oft beidseitig unter einer vermehrten Produktion von Schwangerschaftshormonen (humanes Choriongonadotropin, kurz: HCG) auf, beispielsweise bei Mehrlingsschwangerschaften. Ebenso können Hormontherapien für eine Kinderwunschbehandlung zur Ausbildung dieser Zysten führen. Nach Normalisierung der entsprechenden Hormonspiegel bilden sich diese zumeist zurück.

Retentionszysten

Löst ein Sekretstau (Retention) eine Drüsenvergrößerung aus, handelt es sich im Allgemeinen um Retentionszysten. Dies kann auch die Geschlechtsdrüsen und somit die Eierstöcke betreffen. Hierzu zählen unter anderem auch Dermoidzysten. Diese, aus den Keimzellen entstehenden, angeborenen Fehlbildungen sind zumeist gutartigen Gebilde. Sie können unterschiedliche Gewebe enthalten (Talg, Knorpel oder Knochen). Sehr selten entwickelt sich in Folge ein bösartiger Tumor.

Vagialer Ultraschall und Polyzystisches Ovarialsyndrom
Zysten am Eierstock lassen sich oftmals bei einer vaginalen Ultraschalluntersuchung sicher erkennen. (Bild: bilderzwerg/fotolia.com)

Diagnose

Da oft keine Beschwerden ausgelöst werden, kommt es regelmäßig zu Zufallsbefunden, etwa bei einer (routinemäßigen) Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke.

Sind Symptome wie eine unregelmäßige Monatsblutung, das Ausbleiben einer gewünschten Schwangerschaft oder Schmerzen vorhanden, sind dies wichtige Hinweise, die im Rahmen der Patientenbefragung und gynäkologischen Untersuchung abgeklärt werden sollten.

In aller Regel können Ovarialzysten durch vaginale Tastuntersuchungen und mittels Ultraschall (durch die Scheide oder über den Bauch) festgestellt werden.

Ergänzend können weitere Untersuchungen von Blutproben oder auch weitere bildgebende Verfahren (Laparoskopie) notwendig werden, um eine sichere Diagnose zu stellen. Denn auch andere Erkrankungen müssen zweifelsfrei ausgeschlossen werden, wie beispielsweise eine Eileiterschwangerschaft oder Krebserkrankungen (Eierstockkrebs).

Behandlung

Prinzipiell ist der Behandlungsplan individuell sehr unterschiedlich und hängt von vielen Umständen ab. Dazu zählen nicht nur mögliche Beschwerden und Risiken (beispielsweise einer Entartung) sondern auch persönliche Faktoren, wie ein bestehender Kinderwunsch.

In den allermeisten Fällen handelt es sich um funktionelle Zysten, die beschwerdefrei keiner Behandlung bedürfen, da eine spontane Rückbildung erwartet werden kann. Dabei wird zunächst eine Veränderung des Zustands über Wochen oder sogar Monate beobachtet. Eine hormonelle Unterstützung dieses Prozesses wird nur noch selten angeraten.

Bilden sich die Zysten nach einem längeren Zeitraum allerdings nicht zurück und wachsen sie zu einer Größe heran, die den betroffenen Frauen Probleme bereiten, oder entstehen Komplikationen, sind entsprechende individuelle Therapiemaßnahmen erforderlich.

Blisterpackung Antibabypille
Eine Vorbeugung oder begleitende Behandlung bei Eierstockzysten durch Hormonpräparate sollte, auch aufgrund der Nebenwirkungen, nur in Ausnahmefällen in Betracht gezogen werden. (Bild: Ralf Geithe/fotolia.com)

In der Regel kommt es dann zu einer Entfernung der Zyste über eine Bauchspiegelung. Dieses Vorgehen wird bei neu entstanden Ovarialzysten nach den Wechseljahren aufgrund des erhöhten Krebsrisikos bereits ohne vorherigen Beobachtungszeitraum empfohlen. Auch Endometriosezysten und Dermoidzysten werden operativ entfernt. Nur in schwerwiegenden Fällen kann es vorkommen, dass der betroffene Eierstock entfernt werden muss. Grundsätzlich wird ein Organerhalt immer angestrebt und ist zumeist auch möglich.

Vorbeugung

Nach der vollständigen Entfernung von Endometriosezysten kann bei diesem Krankheitsbild eine nachgelagerte Hormonbehandlung ratsam sein. Dies vermindert auch das Risiko einer wiederholten Entstehung.

Auch bei anderen funktionellen Zysten kann mittels Hormonpräparaten (wie der Antibabypille) eventuell einer erneuen Zystenbildung vorgebeugt werden. Grundsätzlich besteht bei diesen Formen aber nur ein geringes Risiko des Wiederauftretens, welches den möglichen Nebenwirkungen gegenübersteht.

Naturheilkundliche Behandlung

Aus der Naturheilkunde bietet sich die Verwendung von Heilpflanzen an. Insbesondere Zubereitungen aus den Früchten des Mönchspfeffers (Vitex agnus-astus) können den weiblichen Hormonspiegel ausgleichen und somit die Rückbildung von Zysten fördern und einer möglichen Neuentstehung vorbeugen. Diese Wirkung gilt als wissenschaftlich erwiesen.

Behandlungsmethoden der ganzheitlichen Medizin

Eine weitere Unterstützung kann über Maßnahmen zur Aktivierung der Selbstheilungskräfte erfolgen. Stressabbau durch Entspannungsmethoden kann das Gleichgewicht des Körpers positiv beeinflussen und auch zu einer Normalisierung von Hormonsystemen beitragen. Auch die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), etwa mittels Akupunktur, bietet komplementäre Therapiemöglichkeiten, um dem Körper zu einem ausgeglichenen und widerstandsfähigen Zustand zu verhelfen. (jvs, cs)

Autor:
Dr. rer. nat. Corinna Schultheis
Quellen:
  • Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 267., neu bearbeitete Auflage, De Gruyter, 2017
  • Bühling, Kai Joachim und Friedmann, Wolfgang: Intensivkurs: Gynäkologie und Geburtshilfe. Urban & Fischer, 1. Auflage, 2004
  • Uhl, Bernhard: Gynäkologie und Geburtshilfe compact. Thieme Verlag, 5. unveränderte Auflage, 2013
  • Berufsverband der Frauenärzte e.V. (Hrsg.): www.frauenaerzte-im-netz.de - EIERSTOCKZYSTE / OVARIALZYSTE (Abruf 05.07.2019), frauenaerzte-im-netz
  • Arbeitsgemeinschaft gynäkologische Endoskopie e.V. (Hrsg.): www.ag-endoskopie.de - Zysten des Eierstockes (Abruf: 05.07.2019), ag-endoskopie.de
  • Royal College of Obstetricians and Gynaecologists (Hrsg.): The management of Ovarian Cysts in Postmenopausal Women, Green-top Guideline No. 34, July 2016, rcog.org.uk