Lymphödem – Ursachen, Symptome, Behandlung

Heilpraxisnet

Was ist ein Lymphödem?

Ein Lymphödem ist ein Leiden, das infolge eines beeinträchtigten Lymphsystems entstehen kann. Dabei sammelt sich Gewebeflüssigkeit in den Zellzwischenräumen, die nicht mehr ausreichend abfließen kann. Als Folge schwillt das betroffene Körperteil zunehmend an. Im schlimmsten Fall entstehen regelrechte Deformierungen, die die Bewegungsfreiheit und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich einschränken und das Risiko für Folgeerkrankungen erhöhen. Die Heilungschancen beziehungsweise die Chancen auf Linderung sind durch geeignete Therapien hoch. Der Heilungsprozess kann durch die Naturheilkunde unterstützt werden.


Lymphödem – ein kurzer Überblick

Zunächst das Wichtigste in Kürze:

  • Definition: Das Lymphödem ist eine Flüssigkeitsansammlung in den Zellzwischenräumen aufgrund einer Fehlfunktion des Lymphsystems.
  • Vorkommen: Häufig sind die Beine betroffen. Es kann aber auch an Gesicht, Armen, Hals, Rumpf oder Genitalien auftreten.
  • Symptome: Die Ansammlung der Flüssigkeit führt zu einer fortschreitenden Schwellung des betroffenen Körperteils. Unbehandelt droht eine Elephantiasis, bei der das Körperteil bis zur völligen Unförmigkeit anschwillt und die Haut zu Bläschen, Fisteln, Ekzemen und schlecht heilenden Wunden neigt.
  • Diagnose: Das sogenannte Stemmersche Zeichen, bei dem sich bestimmte Hautfalten nicht mehr anheben lassen, ist ein Anzeichen für das Lymphödem. Anhand von Ultraschalluntersuchungen oder einer Lymphografie kann eine genauere Beurteilung erfolgen.
  • Stadien: Die Erkrankung wird je nach Schwere in verschiedene Stadien von null bis drei unterteilt. Ab dem zweiten Stadium gilt die Krankheit als irreversibel. Beim Stadium drei spricht man von einer Elephantiasis.
  • Therapie: Zu den gängigsten Therapien gehören die manuelle sowie die maschinelle Lymphdrainage, spezielle Hautpflege und Kompressionsbehandlungen, bei denen sowohl Bandagen oder Strümpfe als auch gezielte Bewegungsübungen zum Einsatz kommen.

Lymphödem Symptome

Typischerweise macht sich ein Lymphödem zuerst durch eine einseitige Schwellung an einem Arm oder Bein bemerkbar. Ein Lymphödem kann aber auch an anderen Körperregionen auftreten. In der Anfangsphase sind diese Schwellungen kaum bemerkbar und nicht schmerzhaft, sie nehmen aber mit der Zeit fortlaufend zu. Oft werden Betroffene erst aufmerksam, wenn Kleidungsstücke wie Hosen und Schuhe oder Schmuck plötzlich nicht mehr passen oder eng sitzen.

Die einseitige Schwellung eines Armes oder Beines ist ein typisches Symptom des Lymphödems. (Bild: vchalup/fotolia.com)

Erste Warnzeichen

Wenn man auf die Schwellung drückt und es bildet sich eine Delle, die eine gewisse Zeit bestehen bleibt, nachdem man den Druck wegnimmt, ist dies ein mögliches erstes Anzeichen für ein Lymphödem.

Feste Haut und schnelle Ermüdungserscheinungen

Im weiteren Verlauf fühlt sich die Haut an der betroffenen Stelle zunehmend fester, praller und angespannter an. Häufig ist eine Extremität (Arm oder Bein) betroffen, die bei körperlicher Belastung schnell ermüdet.

Fortgeschrittene Symptome

Im Fortgeschrittenen Stadium kann es zu verbreiterten Hautfalten und Furchen kommen. Die Haut lässt sich nicht mehr anheben und das betroffene Körperteil kann unförmige Proportionen annehmen. Auch die Haut kann in Mitleidenschaft gezogen werden. Es können Verfärbungen, Verhärtungen, Entzündungen, Ekzeme und schlecht heilenden beziehungsweise offenen Wunden auftreten.

Spätfolgen

Ein Lymphödem sollte unbedingt ärztlich behandelt werden. Geschieht dies nicht, drohen Spätfolgen wie:

  • Hautinfektionen,
  • offene Wunden,
  • Bewegungseinschränkungen,
  • schiefe Körperhaltung,
  • Bläschen- und Fistelbildung,
  • Erhöhung des Krebsrisikos.

Krankheitsstadien

Lymphödeme werden abhängig von der Schwere in vier Stadien unterteilt:

  • Stadium 0: In diesem Stadium ist das Ödem unterschwellig vorhanden. Die Krankheitsmechanismen sind zwar schon in Gang gesetzt, es treten aber noch keine Symptome auf.
  • Stadium 1: Erste Schwellungen treten auf, die eine teigige und weiche Konsistenz aufweisen. Die Haut lässt sich mit dem Finger eindrücken und es verbleibt zeitweise eine Delle an der Druckstelle.
  • Stadium 2: Die Schwellungen sind stark ausgeprägt und fühlen sich hart an. Die Haut lässt sich nicht oder nur noch sehr schwer eindrücken.
  • Stadium 3: Die Schwellungen haben das betroffene Körperteil deformiert und die Haut neigt zu Entzündungen, Ekzemen, Verfärbungen, Fisteln, Bläschen und offenen Wunden.
Die Deformierung des betroffenen Körperteils kann Spätfolge eines unbehandelten Lymphödems sein. (Bild: vpardi/fotolia.com)

Ursachen des Lymphödems

Unser Lymphsystem besteht aus den Lymphgefäßen, Lymphknoten, der Lymphflüssigkeit, der Milz und dem Thymus. Eine eingeschränkte Funktion einer oder mehrerer dieser Komponenten kann sich in einem Lymphstau (Lymphostase) äußern, der von außen sicht- und fühlbar sein kann. An dieser Stelle ist das Lymphödem von einer Lymphknotenschwellung zu unterscheiden.

Anstauung von Lymphflüssigkeit

Durch die eingeschränkte Funktion kommt es zu einem Flüssigkeitsstau in den Lymphbahnen, was den Druck an der geschädigten Stelle erhöht. Dies führt zum Austritt oder zur verminderten Aufnahme der Lymphflüssigkeit, die dann in einer zunehmenden Schwellung resultiert.

Primäre Form

Grundsätzlich wird das Lymphödem in die primäre und die sekundäre Form klassifiziert. Bei der primären Form handelt es sich um eine seltene Form, bei der die Lymphgefäße oder Lymphknoten von Geburt an nicht richtig ausgebildet beziehungsweise fehlgebildet sind. Hierbei können ganze Extremitäten oder sogar Körperregionen betroffen sein. Zu dieser Form der Ödeme gehören Krankheitsbilder wie beispielsweise die Milroy-Krankheit, die Meige-Krankheit, das Parkes-Weber-Syndrom und das Klippel-Trénaunay-Syndrom.

Sekundäre Form

Diese sehr viel häufiger auftretende Form ist nicht genetisch bedingt, sondern kann im Laufe des Lebens entstehen. Zu den Ursachen dieser Form zählen:

  • Brustkrebsoperation: Viele Ödeme entstehen in einem zeitlich nachvollziehbaren Zusammenhang nach Brustkrebsoperationen beziehungsweise nachdem zur Achsel gehörende Lymphknoten entfernt wurden.
  • Gebärmutter- oder Gebärmutterhalskrebs: Operationen, bei denen viele Lymphknoten im Bauchraum entfernt werden müssen, können zu Lymphödemen in den Beinen führen.
  • Übergewicht: Adipositas kann die Entstehung in Zusammenhang mit Operationen steigern.
  • Strahlenbehandlung: Bei einer Strahlentherapie gegen bestimmte Krebsarten kann es zu anschließenden Fehlfunktionen des Lymphsystems kommen, was zu einem Lymphödem führen kann.
  • Bösartige Erkrankungen: Bestimmte bösartige Lymphknotenerkrankungen wie beispielsweise Morbus Hodgkin oder Leukämie können ebenfalls ein Ödem auslösen.
  • Lymphangitis: Entzündungen der Lymphgefäße und Lymphknoten können das Ödem bedingen.
  • Weitere Ursachen: Zu den weiteren möglichen Auslösern zählen Verletzungen, Narbenbildung und ein Befall mit Parasiten.
Die manuelle Lymphdrainage ist eine der gängisten Therapien bei einem Lymphödem. (Bild: vpardi/fotolia.com)

Lymphödem Behandlung

Bei der Therapie stehen eine Vielzahl guter Behandlungsmöglichkeiten bereit, die zum einen die Schmerzen lindern und zum anderen die Mobilität und die Lebensqualität erhöhen sollen. Häufig kommt die sogenannte komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE) zum Einsatz. Diese erfolgt in zwei Phasen, der Entstauungs- und der Erhaltungsphase.

In der Entstauungsphase liegt der Fokus auf dem Abfließen der gestauten Flüssigkeit. Dazu werden die manuelle Lymphdrainage und Kompressionsbandagen eingesetzt. In der Erhaltungsphase sollen durch gezielte Bewegungsübungen und das Tragen von Kompressionsstrümpfen die Therapieerfolge aus der ersten Phase gestützt werden. Bei schweren Fällen kann die Therapie auch in einer Klinik erfolgen. Wenn die Anwendungen erfolglos bleiben, kann auch eine Operation erforderlich werden.

Eigene Maßnahmen zur Reduzierung

Neben den Therapien können die Symptome des Lymphödems durch mehrere Verhaltensweisen im Alltag reduziert, beziehungsweise die Behandlungserfolge länger aufrecht erhalten werden. Dazu zählen:

  • Bequeme und locker sitzende Kleidung tragen,
  • Hautpflege mit ph-neutralen Mitteln,
  • Übergewicht vermeiden, beziehungsweise Gewicht reduzieren,
  • ausreichende Bewegung (beispielsweise Gymnastik),
  • keine unnötigen Verletzungsrisiken eingehen,
  • Stress vermeiden und gezielt reduzieren (z.B. Atemübungen, Yoga),
  • Lymphdrainagen helfen, aber knetende Massagen meiden,
  • beim Sport Kompressionsstrümpfe tragen.
Mit diesen Maßnahmen kann ein Lymphödem zusätzlich zur Therapie unter Kontrolle gehalten werden. (Bild: heilpraxis.de)

Naturheilkundliche Behandlung

Bei der naturheilkundlichen Behandlung kommen zwei verschiedene Herangehensweisen in Frage. Ein Teil der möglichen Behandlungen bezieht sich auf die Linderung von Symptomen, ein anderer Teil fokussiert die Ursache.

Symptomorientierte und lindernde Verfahren

Naturheilkundliche Behandlungen ohne bösartigen Hintergrund verfolgen das Ziel, den Lymphfluss anzuregen und abzuleiten, um die Symptome zu lindern. Vor allem nach Operationen entstandene Ödeme sprechen hierbei gut auf die Behandlung mit Blutegeln an, genau wie auf den Einsatz hochdosierter Enzyme, wenn sie rechtzeitig eingesetzt werden. Häufig wird eine Diät empfohlen, bei der auf tierische Eiweiße weitgehend verzichtet wird. Zusätzlich werden viel Bewegung, Atemübungen und leichte Bürstenmassagen verordnet. Phytotherapeutisch werden Pflanzen mit lymphableitender und blutreinigender Wirkung verschrieben – als Tee, Tinktur oder in homöopathischer Zubereitung. Manuell kommen vor allem die Lymphdrainage, die Osteopathie, die Fußreflexzonentherapie und Kompressionsbehandlungen zum Einsatz.

Tiefgreifende ursächliche Therapie

Durch eine tiefgreifende Therapie soll die natürliche Regulationsfähigkeit des Körpers wieder hergestellt werden, indem ursächliche Störungen erkannt und behandelt werden. Naturheilkundliche Diagnostiker nutzen hierfür konstitutionsorientierte Verfahren wie die Irisdiagnose, machen sich mithilfe der Dunkelfeldmikroskopie ein Bild der (mikrobiellen) Milieubelastung oder spüren Blockaden durch energetischen Messungen (z.B. EAV, Bioresonanz, Vegatestung) auf, die sich negativ auf verschiedenste Funktionsabläufe im Körper auswirken können – obwohl aus herkömmlicher Sicht keine direkte kausale Verbindung besteht. Danach folgt dann die individuelle Therapie, die je nach Arbeitsweise des Therapeuten medikamentös, manuell, klassisch ausleitend, physikalisch, ernährungs- und ordnungstherapeutisch oder aber feinstofflich-energetisch ausgerichtet sein kann. (tf, jvs, aktualisiert am 9. April 2018 vb)

Quellen