Wasserallergie – Symptome, Ursachen und Behandlung

Allergische Reaktionen durch Wasser

Allergisch gegen Wasser? Das hört sich an wie ein Witz von Schmutzfinken, die sich nicht waschen wollen, ist aber eine bittere Realität, wenn auch nur für einige dutzend Menschen weltweit. Das Phänomen ist auch unter den Bezeichnungen Wassernesselsucht, Wasserurtikaria oder aquagene Urtikaria bekannt. Die Betroffenen haben allergische Reaktionen beim Kontakt mit Wasser, die zum Tod durch Schock führen können.


Wasserallergie – Die wichtigsten Fakten

  • Es handelt sich um eine Form der Nesselsucht, bei der die Betroffenen Symptome entwickeln, wenn sie mit Wasser in Berührung kommen.
  • Wasser trinken ist problemlos, der Körper reagiert nicht im Inneren. Die Symptome entstehen, wenn Wasser die Haut berührt.
  • Bei Hautkontakt mit Wasser entstehen Pusteln, die Haut rötet sich.
  • Die Betroffenen leiden unter Juckreiz und Schmerzen.
  • Es besteht die Gefahr eines allergischen Schocks.
  • Wassernesselsucht ist eine der seltensten Erkrankungen überhaupt, weltweit sind nur drei dutzend Fälle bekannt.
  • Die Ursachen sind nicht hinreichend geklärt. Bei manchen Patienten erfolgt beim Kontakt mit Wasser eine Überproduktion von Histamin. Demnach handelt es sich medizinisch gesehen um eine Allergie. Bei anderen ähnlichen Reaktionen ist das Histamin nicht der Grund für die Symptome.
Bei einem Spaziergang im Regen müssen Wasserallergiker peinlich darauf achten komplett vor dem Regen geschützt zu sein. (Bild: Jürgen Fälchle/fotolia.com)

Induzierbare Urtikaria

Dieses Wortungetüm bezeichnet Formen der Nesselsucht mit klaren Auslösern wie

  • körperlicher Anstrengung,
  • Wärme,
  • Licht,
  • Kälte,
  • Druck auf die Haut (physikalisch bedingte Nesselsucht),
  • allergischen Reaktionen auf Substanzen in Lebensmitteln und Medikamenten
  • und Stress bei sogenannter stressinduzierte Nesselsucht (hier sind der Auslöser psychische Belastungen).

Die Wasserallergie gehört zu den physikalischen Formen. Zwei Drittel aller Fälle von Nesselsucht sind induzierbar.

Symptome

Circa 15 Minuten nach dem Kontakt mit Wasser, sei es durch ein Bad im See, Kontakt mit Regen oder Meerwasser bilden sich weißliche juckende Papeln auf der Haut. Auch gerötete Quaddeln können auftreten, die die Form von Knöpfen oder Punkten annehmen. Die Haut kann auch anschwellen – das ist in der Regel ein Zeichen für ein verstärktes Ausschütten von Histamin. Nicht alle Patienten reagieren auf alle Formen von Wasser, manche nur auf Meerwasser, bei anderen schmerzt die Haut wie bei einer Verbrennung, egal, ob sie sich die Hände waschen oder Schnee auf der Haut schmilzt.

Wassernesselsucht

Shelley und Rawnsley beschrieben 1964 als erste eine Nesselsucht, die auftritt, wenn die Betroffenen mit Wasser in Kontakt kommen. Das Phänomen ist extrem selten, derzeit sind weltweit circa 35 Erkrankungen bekannt.

Handelt es sich wirklich um eine Allergie gegen Wasser?

Bei der Diagnose sollten Sie sehr vorsichtig sein. In Wasser befinden sich eine Menge anderer Substanzen, die Allergien auslösen können. Reagieren Sie auf diese allergisch, handelt es sich nicht um eine Reaktion auf das Wasser. Zum Beispiel können sich allergene Stoffe auf ihrer Haut sammeln, die sich beim Waschen lösen und in die Haut eindringen.

Allergische Reaktionen nach einem Bad im Meer sind nicht zwangsläufig Hinweise auf eine Wasserallergie, da das Meerwasser viele andere Inhaltsstoffe enthält. (Bild: kwasny221/fotolia.com)

Im Leitungswasser können sich Metalle befinden, die in den Wasserrohren haften, aber auch Kalk und Salze. Diese lösen sogar recht häufig Allergien aus, ebenso Chlor, das in geringen Mengen (in anderen Ländern in größeren Mengen) im Leitungswasser vorhanden ist. Eine gereizte Haut nach dem Besuch eines Schwimmbads kennt nahezu jeder. Auch deshalb sollten Sie nach dem Schwimmen in einer öffentlichen Anlage duschen. Hinzu kommen biologische Stoffe, Keime, Bakterien, Pilze und andere Mikroben, die sich an Wasserhähnen oder in Wasserleitungen befinden. Wenn Sie sich zum Beispiel mit der Allergietests oder Cholera infizieren, leiden Sie nicht unter einer Wassernesselsucht. Sollten sie allergisch reagieren, kann dies mittels eines Allergietests herausgefunden werden, den Sie in einer allergologischen Praxis durchführen lassen können.

Betroffene reagieren nur auf Wasser, das von außen an ihre Haut kommt. Im Inneren des Körpers haben sie damit keine Probleme. So können sie zum Beispiel mit einem Strohhalm trinken und entwickeln nur Symptome, wenn das Wasser dabei zum Beispiel auf ihr Kinn tropft. Ist es aber erst einmal im Mund, gibt es keine weiteren Beschwerden.

Ursachen

Über die Ursachen der Wassernesselsucht besteht keine Klarheit. Eine Zwillingsuntersuchung ließ eine genetische Anlage erkennen, doch es gibt vermutlich auch erworbene Formen der Erkrankung und bei manchen Patienten gingen die Symptome mit der Zeit zurück. Bei einigen Betroffenen brach die Krankheit in der frühen Kindheit aus, bei anderen in der Vorpubertät und bei wieder anderen fast im jungen Erwachsenenalter.

Im Unterschied zu „richtigen“ Allergien handelt es sich oft nicht um ein Übermaß des Neurotransmitters Histamin, sondern um eine Reaktion der Haut. So ist beispielsweise auch die Chlorallergie im engeren medizinischen Sinne keine Allergie.

Diagnose

Mit Allergietests erkennt der Arzt, ob es sich um eine Wassernesselsucht handelt. Dafür legt er den Patienten mit Wasser getränkte Kompressen auf die Haut. Als sicher gilt die Diagnose, wenn sich ohne andere mögliche Reize die Haut rötet, juckt und/oder Pusteln bildet.

Behandlung

Die Erkrankung lässt sich gut behandeln, aber nicht heilen. Ist die Ursache das vermehrte Ausschütten von Histamin, dann helfen Antihistaminika effektiv. Ist die Ursache unklar, dann lindern Medikamente die Reaktionen der Haut. Ganz wichtig ist in diesem Fall ein Lebensplan, um den Auslöser im Alltag zu vermeiden.

Vorbeugung

Einer Wassernesselsucht können Sie nicht vorbeugen, da die Entstehung der Erkrankung nicht geklärt ist.

Wenn durch den Kontakt mit Wasser zu viel Histamin im Körper ausgeschüttet wird, spricht man von einer Wasserallergie. (Bild: Zerbor/fotolia.com)

Was sind Antihistaminika?

Diese Histamin-Rezeptorantagonisten blockieren die Stellen im Körper, an denen Histamin sich bindet. Es gibt diese Medikamente für vier verschiedene Histamin-Rezeptoren: H1, H2, H3 und H4. H1- und H2-Blocker sind am effektivsten und werden deshalb am häufigsten gegen Allergien eingesetzt.

Belastung im Alltag

Patienten belastet die Erkrankung oft psychisch. Kinder fürchten, gemobbt zu werden und werden es bisweilen auch. Tritt die Krankheit nicht nur bei bestimmten Formen von Wasser auf, sodass sich der Kontakt vermeiden lässt (wie bei Meerwasser), dann schränkt diese Nesselsucht die Betroffenen im Alltag extrem ein:

  • Sie können sich nicht die Hände waschen.
  • Sie können selbst bei leichtem Regen nicht ins Freie gehen.
  • Sie können nicht durch nasses Gras wandern, da sie fürchten müssen, dabei feuchte Füße zu bekommen.
  • Sie müssen beim trinken achtgeben, dass kein Tropfen auf die Haut gelangt.
  • Für ihre tägliche Hygiene müssen sie auf Mittel zurückgreifen wie Trockenshampoos oder Frischetücher – den Körper ohne Wasser zu reinigen ist zwar nicht unmöglich, aber aufwendig.

Wann müssen Sie zum Arzt?

Eine Wassernesselsucht verschwindet fast nie von allein. Deshalb sollten Sie bei den ersten Symptomen einen Arzt aufsuchen, also dann, wenn sich beim Kontakt mit Wasser die Haut rötet. Sie können zu ihrem Hausarzt gehen und der wird Sie zur Sicherheit an einen Allergologen verweisen.

Durch einen Allergietest kann festgestellt werden, ob es sich tatsächlich um eine Wasserallergie handelt. (Bild: Katarzyna Leszczynsk/fotolia.com)

Wie gefährlich ist die Krankheit?

Wassernesselsucht ist sehr sehr selten. Die Wahrscheinlichkeit, dass es Sie trifft, liegt bei eins zu 100 Millionen. Die Schwere der Erkrankung unterscheidet sich bei allen der heute bekannten Betroffenen – hier einige Beispiele:

Emily

Eine Patientin, Emily, reagiert so stark, dass sie keinen Sport mehr betreiben konnte, da selbst Schwitzen bei ihr zu stark juckendem Hautsauschlag führt. Sie säubert sich mit feuchten Tüchern und duscht nicht mehr. Bei ihr droht jederzeit ein allergischer Schockzustand, der das Herz zum Stillstand bringen und so zum Tod führen kann.

Alexandra Allen

Mit zwölf Jahren juckte bei Alexandra Allen der ganze Körper, als sie in den Swimmingpool stieg. Die Ärzte vermuteten eine Chlorallergie – im Unterschied zur Wassernesselsucht eine häufige Reaktion. Alexandra war skeptisch und recherchierte selbst im Internet. Da fand sie dann all ihre Symptome bei Wasserallergie. Trotz Behandlung kann sie oft nur mit Schmerzen im Bett liegen, wenn sie mit Wasser in Berührung gekommen ist.

Ivy Angermann

Das Kind Ivy Angermann aus Minnesota schrie, als die Eltern es badeten und seine Haut stark gerötet war. Die Eltern vermuteten, dass die Tochter allergisch auf den Badeschaum reagierte, doch Allergietests zeigten, dass das Mädchen an Wassernesselsucht litt. In diesem Fall handelt es sich im engen Sinne um eine Allergie, also wurde Ivy mit Antihistaminen behandelt. (Dr. Utz Anhalt)