Flohsamenschalen – Anwendung und Wirkung

Susanne Waschke

Flohsamenschalen- So ist die Wirkung und so werden sie angewendet

Samen von Flöhen? Aber nein. Flohsamenschalen heißen so, weil das Aussehen der Flohsamen an Flöhe erinnert. Flohsamen, auch Psyllium genannt, stammen von Wegerichpflanzen wie zum Beispiel Plantago afra (Flohsamen Wegerich), Plantago arenaria (Sand-Wegerich) und Plantago ovata (indischer Flohsamen). Letztere sind am Begehrtesten und werden deshalb auch meistens verwendet.


Wie der Name schon sagt, sind die Flohsamenschalen die Schalen der Flohsamen. Das sind die unverdaulichen Anteile der Samen, die eine hohe Wasserbindungsqualität besitzen und eine große Menge an Ballaststoffen enthalten. Sie können ein Vielfaches ihres Eigengewichtes an Wasser aufnehmen. Sie sind gesund, verträglich, bekömmlich, wirken sanft und sind zum Dauergebrauch geeignet.

Flohsamen enthalten raue Mengen an Ballaststoffen. (Bild: dima_pics/fotolia.com)

Vor mehr als 2000 Jahren

Vor mehr als 2000 Jahren waren die Flohsamenschalen bereits bekannt. Sie wurden in Indien bei Magen-Darm-Beschwerden verwendet. Die alten Griechen behandelten Gicht und Geschwüre mit den gesunden Schalen. In der Volksheilkunde kamen sie äußerlich bei schmerzenden Gelenken in Verbindung mit Gicht und innerlich bei Entzündungen der Schleimhäute zum Einsatz. Auch die Äbtissin Hildegard von Bingen wusste um ihre Wirkung.

Wirkung

Die Flohsamenschalen sind sehr kalorienarm und sind somit in fast jeder Diät willkommen. Die enthaltenen Schleimstoffe können eine große Menge an Wasser binden, was bei Verstopfung, den Darm anregen kann. Aber auch beim Gegenteil, bei Durchfall, tun sie ihr Gutes. Sie entziehen dem Darm das Wasser und verfestigen auf diese Art und Weise den Stuhl. Die Schleimstoffe besitzen zusätzlich eine reizlindernde Wirkung.

Auch enthalten die Flohsamenschalen Flavonoide, bekannt als sogenannte Radikalfänger, was sich wiederum positiv auf ein gesundes Immunsystem auswirkt.

Die Wirkung auf den Darm tritt nicht sofort ein. Die positiven Effekte sind erst nach zwei bis drei Tagen zu erwarten.

Verstopfung

Die Wirkung der Flohsamenschalen bei Verstopfung ist wohl die bekannteste. Bei leichter, nicht krankhafter Verstopfung muss nicht gleich zu Abführmitteln gegriffen werden. Diese entziehen dem Körper nicht nur Wasser, sondern auch lebenswichtige Mineralien und dies kann mit der Zeit zu Mangelerscheinungen führen. Die Flohsamenschalen quellen im Darm auf und regen somit die Darmperistaltik an. Die Schleimstoffe sorgen für Gleitfähigkeit. Wichtig ist jedoch, dass die Schalen mit einer großen Portion Wasser eingenommen werden. Gerade Schwangere leiden häufig unter Verstopfung. Hier ist die Anwendung der Flohsamenschalen eine sanfte Möglichkeit, dem entgegenzuwirken.

Ein Brei aus Flohsamen hilft gegen Verstopfung und Durchfall. (Bild: animaflora/fotolia.com)

Durchfall

Auch Durchfall spricht gut auf Flohsamenschalen an. Diese nehmen, wie bereits erwähnt, das Zuviel an Flüssigkeit auf und verfestigen somit den Stuhl.

Reizdarm

Reizdarmsyndrom ist eine Ausschlussdiagnose. Wenn alle Krankheiten im Darm ausgeschlossen sind, die Betroffenen jedoch an Durchfall, Verstopfung, Blähungen und Krämpfen leiden, wird häufig die Diagnose Reizdarm gestellt. Dies betrifft vor allem Frauen. So ein Reizdarm kann sehr unangenehm sein. Hier sind Flohsamenschalen ein Teil der Therapie. In einer Studie wurde festgestellt, dass gerade die Pflanzenfasern in den Flohsamenschalen den Darm besser kurieren als zum Beispiel die Fasern der Hafer-Kleie.

Divertikel

Divertikel sind Ausstülpungen des Darms, in denen sich Kotreste sammeln und die sich unter massiven Schmerzen entzünden können. Die Divertikel verschwinden zwar mit der Einnahme der Flohsamen nicht. Jedoch wird der Stuhl weicher und kann den Darm leichter passieren – um die Wahrscheinlichkeit für Entzündungen zu minimieren. Die Schleimstoffe wirken reizlindernd und schützen so die Darmwände.

Diabetes

Den Flohsamen wird nachgesagt, dass sie eine verzögerte Aufnahme von Zucker ins Blut bewirken und diese sogar verringern können. So können die Schalen den Blutzucker senken und sind für Diabetiker eine gutes Hausmittel. Jedoch ist vor der Anwendung der Arzt zu konsultieren. Eventuell muss die Medikation angepasst werden, da sich der Insulinbedarf durch die Einnahme der Flohsamenschalen verändern kann.

Hämorrhoiden und Analfissuren

Hämorrhoiden und Analfissuren (schmerzhafter Einriss der Haut am After) entstehen häufig durch festen Stuhl. Hier ist die Einnahme der Flohsamenschalen angezeigt. Der Stuhl wird weicher und kann trotz der Hämorrhoiden oder Analfissuren leichter und vor allem ohne Schmerzen passieren.

Auch Brot mit Flohsamen kann bei Hämorrhoiden und Analfissuren hilfreich sein. (Bild:Peti/fotolia.com)

Dafür wird die Tagesdosis auf dreimal täglich aufgeteilt und vor allem unbedingt jedes Mal ein großes Glas Wasser dazu getrunken.

Erhöhtes Cholesterin

Zuerst einmal ist Cholesterin wichtig für den Körper. Dies ist ein Bestandteil der Zellwände, Grundbaustein für einige Hormone und wichtig für die Fettverdauung. Ein erhöhter Konsum an fetter Nahrung, aber auch Veranlagung, kann zu einem erhöhten Cholesterinspiegel führen. Dieser muss nicht immer gleich mit Medikamenten behandelt werden.

Die Flohsamenschalen sind durch ihre Ballaststoffe und ihre Schleimstoffe in der Lage, das Cholesterol an sich zu binden und dies ganz einfach auszuscheiden. Studien besagen, dass sowohl der Tri-Glycerid-Spiegel als auch das LDL und das Gesamtcholesterin und dazu noch der Insulinspiegel durch die längerfristige Einnahme der Flohsamenschalen gesenkt werden kann. Einen Versuch ist dies auf jeden Fall wert.

Abnehmen

Auch beim Abnehmen sind die Flohsamenschalen ein guter Begleiter. Hier werden sie am besten circa eine halbe Stunde vor der Mahlzeit eingenommen und es wird ein Glas Wasser hinterher getrunken. Die Samen quellen im Magen auf und erleichtern somit, weniger zu essen. Noch dazu sind die Samen äußerst kalorienarm.

Übersäuerung

Stress, Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung, Medikamente und Vieles mehr können zur Übersäuerung führen. Müdigkeit, Kopfschmerzen, Unwohlsein und Muskelschmerzen sind nur ein Bruchteil der Beschwerden, die sich dabei zeigen. Hier sollte unbedingt die Ernährung umgestellt werden. Gesunde basische Kost, arm an Tierischem ist die Basis dafür. Zusätzlich sind täglich Bewegung (am besten an der frischen Luft) und ausreichende Trinkmengen angesagt.

Flohsamen können das Ganze noch unterstützen. Sie sind basisch und wirken so (moderat) einer Übersäuerung entgegen – natürlich nur zusammen mit den anderen, erwähnten Maßnahmen. Hinzu kommt, dass durch die regelmäßige Einnahme der Flohsamenschalen der Darm gereinigt wird.

Äußerliche Anwendung

Flohsamenschalen zeigen ihre Wirkung nicht nur innerlich, sondern auch äußerlich. Sie wirken antibakteriell, abschwellend und entzündungshemmend.

Etwas Wasser, je nach Bedarf warm oder kalt, wird mit pulverisierten Flohsamenschalen zu einer Paste verrührt und auf die betroffenen Stelle aufgetragen. Bei Abszessen oder Furunkeln wird warmes Wasser verwendet und die Samenauflage locker mit einem Tuch abgedeckt. Das Ganze kann mehrere Stunden einwirken und wird dann mit lauwarmem Wasser abgespült.

Bei Verstauchungen oder Gelenkschmerzen wird ein „kalter Brei“ verwendet. Auch dieser, direkt auf die schmerzenden Stellen aufgebracht, wird mit einem Tuch abgedeckt und verbleibt dann dort solange, wie dies angenehm ist. Danach wie oben erwähnt, mit lauwarmem Wasser entfernen.

Die Umschläge können täglich bis zu zweimal durchgeführt werden.

Anwendung bei Katze, Hund und Pferd

Auch Katze, Hund und Pferd profitieren von den Flohsamenschalen. Um auf einfache und gesunde Weise den Darm der Tiere zu regulieren, den Stoffwechsel und das allgemeine Wohlbefinden zu fördern, werden diese Schalen ins Futter gestreut. Auch das Fell und die Krallen profitieren davon. Hierbei ist es ebenfalls wichtig zu erwähnen, dass das Tier unbedingt genügend trinken muss.

Anwendungsformen

Die Flohsamenschalen sind pur, also ohne Zusätze, erhältlich. Hier sollte darauf geachtet werden, dass die Samen fein pulverisiert, von 95 bis 99-prozentiger Reinheit sind und aus indischen Flohsamen (Plantago ovata) bestehen.

Flohsamen müssen immer mit genug Wasser verzehrt werden. (Bild:UbjsP/fotolia.com)

Den Indischen wird eine höhere Quellfähigkeit zugeschrieben als den anderen Arten. Des Weiteren sind kleine Beutel im Handel erhältlich, die circa 3,5 g pulverisierte Flohsamenschalen enthalten, angereichert mit Süßstoff, Farbstoffen und Säuerungsmitteln. Dies wird in Wasser aufgelöst, verrührt und getrunken.

Wer weder auflösen noch einrühren möchte, kann zu Kapseln greifen. Dies ist die einfachste Methode. Aber auch hier, wie bei den beiden anderen Anwendungsmethoden, ist danach mindestens ein Glas Wasser nötig.

Die maximale Tagesmenge richtet sich nach der Anwendungsform. Bitte halten Sie sich an die Herstellerangaben. Kinder im ALler ab 6 Jahren bekommen in der Regel die Hälfte. Jedoch wird meistens die Einnahme bei Kindern erst ab dem 12. Lebensjahr empfohlen.

Folgendes ist unbedingt zu beachten:
Was nicht oft genug wiederholt werden kann, ist, dass zusammen mit den Flohsamen genügend Flüssigkeit getrunken werden muss. Die Samen müssen quellen können. Am besten vor der Einnahme ein Glas Wasser und danach mindestens ein Weiteres. Damit die Samen erst im Magen-Darm-Trakt quellen bitte im Stehen oder im Sitzen trinken.

Anwendungseinschränkungen

Auch wenn die Flohsamenschalen ein ganz natürliches Produkt und als Hausmittel geeignet sind, existieren folgende Anwendungseinschränkungen:

  • Wenn die Trinkmenge durch vorliegende Erkrankungen wie zum Beispiel Nierenfunktionsstörungen oder Herzerkrankungen eingeschränkt ist, ist die Anwendung der Samen kontraindiziert.
  • Verengungen in Speiseröhre oder Magen- und Darmtrakt sind ebenso von der Anwendung ausgenommen. Lag bereits ein Darmverschluss vor, sollten betroffene Personen Flohsamen nicht einnehmen.
  • Einige Schmerzmittel, Herz-Kreislaufmedikamente und Arzneimittel, die entwässern, können als Nebenwirkung die Darmtätigkeit hemmen. Hier ist unbedingt von Flohsamenschalen abzusehen.

Nebenwirkungen

Nebenwirkungen sind in der Regel nicht zu bemerken. Voraussetzung ist, dass Sie sich an die Anwendungsempfehlungen halten und die Einnahme eventuell langsam steigern. Blähungen und leichte Bauchschmerzen sind möglich. Dies liegt häufig daran, dass die Menge an Flohsamenschalen zu groß war und/oder zu wenig Wasser dazu getrunken wurde.

Allergische Reaktionen wie Schnupfen, Augenreizungen, Hautveränderungen oder Ähnliches treten selten auf. Wenn doch, brechen Sie die Einname sofort ab.

Rezepte mit Flohsamenschalen

Flohsamenschalen können das Müsli anreichern, dem Smoothie noch etwas Gesundes mitgeben oder auch das Brot verfeinern.

Flohsamen verfeinern und festigen jeden Smoothie. (Bild:George Dolgikh/fotolia.com)

Für einen Smoothie werden zum Beispiel eine Banane, eine Hand voll Himbeeren, etwas Minze, ein Esslöffel Flohsamenschalen und 500 ml Kokosnusswasser (oder stilles Wasser) solange gemixt, bis eine homogene Flüssigkeit entstanden ist. Gerade wenn Sie die Samen pur nicht einnehmen möchten, ist dies eine gute Alternative.

Wer zum Frühstück lieber ein Müsli isst, hat vielleicht Lust, das folgende Rezept auszuprobieren: Zuerst wird ein gehäufter Teelöffel Flohsamenschalen mit etwas Joghurt verrührt. Dazu kommen zarte Haferflocken, Walnüsse und etwas Obst. Gesüßt wird mit Honig oder Agavendicksaft. Eventuell noch etwas Mandel -, Soja – oder Reismilch darüber. Danach wird ein großes Glas Wasser oder Tee getrunken.

Dies sind nur zwei Anregungen – vielleicht experimentieren Sie einfach etwas mit den gesunden Schalen – sie lassen sich wirklich ganz leicht in den Tagesablauf integrieren. (sw)