Kürbisse – Inhaltsstoffe, Anbau und medizinische Anwendung

Der Kürbis ist ein „Hans Dampf in allen Gassen“. Er passt zu Süßspeisen ebenso wie zu Deftigem, zur Suppe und zum Kuchen. Biologisch gesehen gehören die Früchte, obwohl sie groß wie Fußbälle sind, zu den Beeren. Der Allrounder in der Küche hat sich auch als Heilpflanze bewährt.


Kürbisse – Die wichtigsten Fakten

  • Bis auf die Flaschenkürbisse kommen alle Kürbisse aus Amerika.
  • Sie gehören zu den ältesten kultivierten Nahrungspflanzen.
  • Kürbisse stecken voller Mineralstoffe und Vitamine.
  • Kürbisse lassen sich leicht selbst anbauen, brauchen aber viel Wasser und Wärme.
  • Kürbissamen helfen gegen Harnbeschwerden und Prostataleiden.
Kürbisse gehören zu den frühesten kultivierten Pflanzen (Bild: womue/fotolia.com)

Inhaltsstoffe

Kürbisse enthalten Öl, außerdem Linolsäure, Protein, Magnesium, Kalium, Calcium, Selen und Zink, Vitamin A, verschiedene B-Vitamine, dazu die Vitamine C und E sowie außerdem Beta-Carotin. Hinzu kommen Ballaststoffe, Kieselsäure und pflanzliche Sterine.

Anwendung

Kürbisse helfen gegen Erkrankungen der Harnwege, der Nieren und der Blase – außerdem gegen Beschwerden der Prostata. Sie enthalten viel Kalium und wenig Natrium und treiben deswegen den Harn.

Die Phytosterine sind in den Kernen enthalten. Sie wirken Entzündungen der Prostata entgegen und sind ein Mittel gegen gutartige Schwellungen dieser Drüse. Sie wirken aber auch gegen Blasenprobleme, besonders gegen die sogenannte Reizblase. Um Blasen- und Prostatabeschwerden effektiv mit Kürbissamen zu behandeln, können sie auf Kürbissamenextrakte zurückgreifen. Getrocknete Kürbiskerne tun es aber auch.

Kürbis stützt die Prostata

Die Prostata (Vorsteherdrüse) ist eine männliche Drüse, die unter der Blase liegt und nur so groß wie eine Kastanie ist. Früher oder später kommt es bei fast jedem Mann zu einer gutartigen Vergrößerung dieses Organs. Das kann zu Problemen beim Urinieren führen, zu Harndrang und Schmerzen im Unterleib.

Kürbis hilft bei Prostata-Adenomen im ersten und zweiten Stadium. Die Phytosterine reduzieren die Schwellung und lindern die Schmerzen sowie die sonstigen Nöte beim Wasserlassen (Restharn, Geschwindigkeit beim Entleeren der Blase, nächtlicher Harndruck). Die Prostatavergrößerung selbst lindern die Sterine aber nicht. Womöglich bremsen Kürbissamen jedoch den Verlauf der Krankheit.

Carotinoide

Die Riesenbeeren stecken voller Carotinoide. Mit 100 Gramm Kürbisfleisch decken Sie Ihren Tagesbedarf. Diese Stoffe schützen die Zellen, beugen Krebs und Herzerkrankungen vor.

Fleisch und Kerne

Das Fruchtfleisch eignet sich außerdem bestens für eine Diät, denn Kürbis besteht zu 90 Prozent aus Wasser und hat somit wenig Kalorien. Die Ballaststoffe unterstützen noch dazu die Verdauung. Medizinisch gesehen steckt die Hauptkraft aber in den Kernen. Die darin enthaltenen Fette bestehen fast zur Hälfte aus ungesättigten Fettsäuren.

Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine enthalten die Kerne in rauen Mengen. Hinzu kommen sekundäre Pflanzenstoffe. Dabei handelt es sich um Stoffe, die einen zu hohen Spiegel an Cholesterin ausgleichen. Zu guter Letzt sind Kürbissamen (am besten ganz gegessen) auch ein sofort wirksames Hausmittel gegen manche Wurminfektionen.

Speise- oder Zierkürbis

Eine Warnung: Die Heilwirkung bezieht sich ausschließlich auf Speisekürbisse wie die Hokkaido-Sorte. Zierkürbisse heilen nicht – im Gegenteil. Sie enthalten das Gift Cucurbitacin: Wenn Sie Zierkürbisse essen, folgen wahrscheinlich Magenkrämpfe, Übelkeit und Erbrechen.

Es war einmal in Amerika

Fast alle heutigen Kürbisse stammen von wilden Spezies in Lateinamerika ab – eine Ausnahme bilden die Flaschenkürbisse Afrikas. Nach der Eroberung Amerikas durch die Europäer verbreiteten sich Kürbisse dann überall in der Welt. Zum Beispiel kommt der beliebte Hokkaido-Kürbis von der gleichnamigen Insel Japans.

Vermutlich kultivierten die Indigenen in Peru Kürbisse bereits vor 12.000 Jahren und vor 8.000 Jahren waren Speisekürbisse in Zentral- und Südamerika schon weit verbreitet. Im Jahr 2000 vor unserer Zeitrechnung (v.u.Z.) bauten die indigenen Bewohner des heutigen Kampsville im US-Staat Illinois die Pflanzen an und auch Hinterlassenschaften der Woodland-Kultur in Pennylvania fand man Kürbissamen. 1492 brachte Kolumbus Mannschaft den Gartenkürbis aus Kuba nach Europa.

Kürbisse sind anspruchslos und wachsen schnell zu beachtlicher Größe heran. (Bild: VRD/fotolia.com)

Die American Natives entwickelten in den Wüstenregionen des Südwestens der USA ausgefeilte Methoden, um ihre Felder zu bewässern. Ihre Nachfahren, die Pueblos, Hopi und Zuni nutzten diese Techniken ebenso wie die Navajos. Die Hohokam bauten gigantische Bewässerungsanlagen, die sich über viele Quadratkilometer ausdehnten und bauten so neben Mais, Bohnen und Baumwolle auch Kürbisse an.

Die Korbflechter gegen 100 v.u.Z errichteten Vorratslager für sie. Die Kultur der Hügelbauer am Mississippi baute neben Mais und Bohnen ebenfalls auf die gesunde Frucht. Die Gallina-People in New Mexico züchteten 1200 n.u.Z sogar eine spezielle Sorte. Die Anasazi im Tyuoni Pueblo pflanzten sie im Tal des Rio de los Frijoles ebenfalls an – die Indigenen im späteren Neuengland kultivierten sie ebenso wie Mais und sorgten damit dafür, dass die frühen europäischen Siedler nicht verhungerten.

Die Natives in Nordamerika nutzten jede Komponente der Frucht: Sie aßen Fleisch wie Samen und stellten aus den Schalen Schüsseln, Masken und Rasseln her. Dabei banden sie die wachsenden Riesenbeeren in Formen, um später die entsprechenden Gegenstände herzustellen.

Riesenwuchs und Moschusduft

Heute gibt es hunderte von Speisekürbissen. Dazu zählen Spaghetti-, Moschus-, Butternut- und Muskatkürbisse, sowie die Bischofsmütze, der Türken-Turban und der Mini-Pattison. Fast alle heutigen Speisekürbisse stammen von nur drei Wildarten ab: Riesen-Kürbis (Cucurbita maxima), Moschus-Kürbis (Cucurbita moschata) und Garten-Kürbis (Cucurbita pepo). Moschus-Kürbisse sind hocharomatische Sorten wie „Butternut“ und „Muscade de Provence“. Der Garten-Kürbis ist sowohl die Wildform der Zierkürbisse als auch der Öl-Kürbisse und der Zucchini, die biologisch als eigene Unterart gilt.

Dicke Beeren

Kürbisse sind die Kolosse unter den Beeren. Im Unterschied zu Heidel- oder Himbeeren handelt es sich bei ihnen um Panzerbeeren, da die Außenhaut der Früchte verholzt. Lediglich bei Formen wie dem Hokaido-Kürbis kann die Schale gekocht mitgegessen werden. Bei Riesenkürbissen eignet sie sich nicht zum Verzehr.

Kürbispflanzen

Kürbisse kennen wir in den buntesten Farben und in grotesken Formen. Aber alle Kürbisse sind einjährig, bilden Rankentriebe mit großen Blättern und die weiblichen und männlichen Geschlechtsorgane in verschiedenen Blüten aus.

Vorsicht: Kürbisse stammen von nur drei Arten ab. Wenn Sie also selbst Kürbisse heranziehen, können sich die Sorten kreuzen. Probleme bekommen Sie, wenn Sie Zier- und Speisekürbisse nebeneinander ziehen: Bestäuben die Blüten der Zierkürbisse die Speisekürbisse, werden die zum Essen gedachten Früchte wegen der Bitter-und Giftstoffe ungenießbar. Hier drohen nicht zu unterschätzende Gesundheitsrisiken.

Kürbisse selbst anbauen

Kürbisse sind recht anspruchslos, brauchen aber Wärme und viel Wasser. Am besten ist ein geschützter, sonniger Standort, da Vollsonne den Boden austrocknet, was die Pflanzen nicht vertragen.
Ob der Boden sauer oder kalkig ist, lehmig oder śandig kümmert die Pflanzen hingegen überhaupt nicht. Eine dicke Humusschicht speichert gleichmäßig das Wasser und versorgt die Kürbisse auch dann mit Flüssigkeit, wenn es gerade nicht regnet. Gönnen Sie Ihren Riesenbabys deshalb ein sonniges Plätzchen am Fuß des Komposthaufens. Hier sickert nährstoffreiches Wasser direkt in die Pflanzenwurzeln.

Kürbisse sind kalorienarm und voller Nährstoffe. (Cyrena111/fotolia.com)

Säen und Pflanzen

Kürbissamen lassen sich ab Ende April ins Freie aussäen. Dafür entfernen Sie zuvor die dort wachsenden Wildkräuter, lockern den Boden bis in circa 10 cm Tiefe auf und reichern ihn mit vier Liter Komposterde pro Quadratmeter an. Die bombastischen Beeren brauchen Platz: rechnen Sie für buschige Kürbisse mit einem Quadratmeter, für stark rankende Pflanzen mit drei Quadratmetern Beet.

Drücken Sie Mulden in den Boden, in denen Sie jeweils zwei Samen drei Zentimeter tief in die Erde stecken. Keimen die Pflanzen, rupfen Sie die jeweils schwächere der beiden heraus. Keimlinge decken Sie in der ersten Zeit nachts mit Vlies ab, wenn die Temperaturen unter 5 Grad liegen. Die Kürbisse sterben sonst zwar nicht ab, werden aber in ihrer Entwicklung gebremst.

Vorkultur im Haus

Eine Vorkultur ist bei Kürbissen zwar nicht zwingend, aber zu empfehlen, denn die Pflanzen wachsen so besser und sicherer an. Sie stecken dafür jeweils einen Samen in einen kleinen Blumentopf mit Gartenerde und Sand oder Kompost. Bei Zimmertemperatur von 20 Grad plus, gleichmäßig feuchtem Boden und einem sonnigen Fensterplatz keimen die Samen schon nach einer Woche.

Zu kalt sollte es beim Keimen in der Wohnung nicht werden, da die Samen sich schnell Schimmelpilze einfangen. Je höher die Temperaturen sind, umso besser wachsen die Pflanzen. Reduzieren Sie die Wärme anschließend auf etwas unter 20 Grad. Die Wärme im Haus sollten Sie etwas einschränken, damit die Kürbisse nicht zu schnell wachsen. Nach den Eisheiligen Ende Mai kommen die Pflanzen ins Freie und sollten bis dahin höchstens drei Blätter gebildet haben.

Auspflanzen ins Freie

Die Töpfe mit den Pflanzen bringen Sie Ende Mai ins Beet. Passen Sie unbedingt auf, dass Sie die Wurzeln beim Austopfen nicht beschädigen – sie sind sehr empfindlich. Rupfen Sie die Wurzeln also keinesfalls aus der Topferde, sondern pflanzen Sie den ganzen Ballen ins Beet. Gießen Sie die Kürbisse im Freien jetzt reichlich an, und schützen Sie die jungen Pflanzen mit einer Plastikkrempe vor Schnecken, sonst ist es mit der Freude möglicherweise schon nach einer Nacht vorbei.

Haben Sie ordentlich Kompost in die Erde gemischt? Dann müssen Sie beim Wachstum nur noch ab und zu etwas Brennnessel-Jauche ins Gießwasser geben. Streuen Sie gelegentlich etwas Rasenschnitt um die Wurzeln, da die Pflanzen Nährstoffe ziehen.

Für längere Hitzeperioden ohne Regen gilt: Wässern Sie rechtzeitig und besser zu viel als zu wenig, aber nur, bis die Früchte zu ihrer vollen Größe herangewachsen sind.

Lager- und Sommerkürbisse

Sommerkürbisse lassen sich nur kurz im Kühlschrank lagern. Wir ernten sie jung, da sie dann den vollen Geschmack haben. Lagerkürbisse lassen sich hingegen über Monate aufbewahren. Zu den Lagerkürbissen gehören die meisten Riesenkürbisse. Wir lassen sie ausreifen und ernten sie vollreif. Die volle Reife bemerken Sie daran, dass die Stängel hart sind, die Außenhaut bildet dann eine Art Netz. Großkürbisse klingen hohl, wenn sie reif sind.

Den Kürbis schneiden Sie mit mehreren Zentimetern Stängel ab und befreien ihn mit einer Bürste und Wasser von anhaftender Erde. Dann drehen Sie ihn mit dem Stängel nach unten und lassen ihn abtrocknen. Jetzt lagern Sie ihn am besten auf einem Holzregal bei 12 bis 17 Grad und circa 70 % Luftfeuchte. Ideal ist ein Keller. Jede Frucht sollte von allen Seiten Luft bekommen, um nicht zu schimmeln. Sie können die Kürbisse zwei bis sieben Monate lagern. (Dr. Utz Anhalt)