Allergie-Forschung: Was Menschen mit einer Apfelallergie helfen kann

Apfelallergie: Das kann Betroffenen helfen

Äpfel gelten zwar eigentlich als sehr gesund, doch wenn Apfelallergiker dieses Obst verzehren, stellen sich bei ihnen schnell Symptome wie ein Brennen in Mund und Rachen ein. Allerdings kommt es nicht bei allen Apfelsorten zu solchen Beschwerden.


Gesundheitliche Nachteile durch Apfelverzehr

„An apple a day keeps the doctor away“, lautet ein altes englisches Sprichwort. In der Tat sind Äpfel wertvoll für die Gesundheit. Sie sind wahre „Vitaminbomben“ und enthalten jede Menge Spurenelemente, sekundäre Pflanzenstoffe sowie Ballast- und Mineralstoffe wie Kalzium, Magnesium und Eisen. Allerdings bringt das Obst für manche Personen auch gesundheitliche Nachteile mit sich. Denn rund zwei Millionen Bundesbürger leiden an einer Apfelallergie, wie der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) erklärt.

Äpfel sind zwar gesund, doch bei Apfelallergikern führt der Verzehr der Früchte zu gesundheitlichen Beschwerden. Allerdings nicht, wenn es sich dabei um alte Apfelsorten handelt. (Bild: Syda Productions/fotolia.com)

Jeder zweite Pollenallergiker allergisch auf Obst oder Gemüse

„Eine Person, die unter einer Apfelallergie leidet, verspürt nach dem Verzehr des Obstes bereits nach kurzer Zeit Symptome wie ein Brennen in Mund und Rachen, Zunge und Lippen schwellen an und werden taub“, so der Kinderarzt und Allergologe Dr. Matthias Kübler in einem Interview mit dem Naturschutzbund (NABU) Baden-Württemberg.

„Teilweise kann auch eine Schwellung des tiefen Rachens und der Kehlkopfregion hinzukommen, was mit einem Engegefühl und in seltenen Fällen mit Atemnot verbunden sein kann“, sagt der Mediziner.

Betroffen sind häufig Personen mit einer Pollenallergie. Denn wer gegen Birkenpollen allergisch sei, vertrage meist auch bestimmte Äpfel nicht.

Dies deshalb, weil das Obst Allergene enthält, „die den wichtigsten Allergenen in Birkenpollen ähneln“, erklärt der Berliner Allergologe Karl-Christian Bergmann von der Charité in einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa.

Seinen Angaben zufolge gibt es hierzulande rund elf Millionen Erwachsene mit Heuschnupfen, von denen etwa jeder zweite auch allergisch auf Obst oder Gemüse reagiert.

Nicht auf alle Äpfel allergisch

Die pauschale Aussage „Apfelallergie“ ist aber eigentlich falsch, schreibt der BUND in Lemgo (Nordrhein-Westfalen) auf seiner Webseite.

„Richtig müsste es heißen, dass die Betroffenen auf bestimmte Apfelsorten, insbesondere Supermarktsorten, allergisch reagieren und nicht wie durch die Diagnose Apfelallergie zum Ausdruck kommt, dass es bei allen Apfelsorten zu allergischen Reaktionen kommt“, so die Experten.

In der Tat werden die allergischen Reaktionen vor allem bei gängigen Sorten wie Golden Delicious, Gala oder Jonagold beobachtet.

„Die neueren Sorten, sogenannte Tafeläpfel, enthalten besonders viele Allergene“, erklärt Bergmann in der dpa-Meldung.

Demnach sei der Allergen-Anteil so hoch, da ein anderer Abwehrstoff der Äpfel, die Polyphenole, durch Züchtungen stark reduziert worden sei, um süßere Sorten zu erzielen.

Polyphenole, die für Aroma und Säure zuständig sind, schützen den Apfel vor Schimmelpilzen und sind auch gesund für den Menschen.

„Der Spruch ‚Ein Apfel pro Tag erspart den Gang zum Arzt‘ trifft aber eher auf alte Apfelsorten zu“, so Bergmann.

Studienteilnehmer mussten Problemapfel verzehren

In einer kleinen Beobachtungsstudie entdeckten der Allergologe und Kollegen auch, dass alte Apfelsorten nicht nur verträglicher für Allergiker sind, sondern ihr regelmäßiger Verzehr Betroffene auch resistenter gegen Problemäpfel machen und Heuschnupfen-Symptome reduzieren kann.

Im Rahmen der Studie aßen die rund 100 Probanden jeweils zu Beginn und zum Ende der Untersuchung einen „Problemapfel“ der Sorte Golden Delicious.

Dazwischen bekamen sie drei Monate lang jeden Tag alte Apfelsorten mit hohem Polyphenolgehalt wie Alkmene, Eifeler Rambur, Goldparmäne und Roter Boskoop.

„Bis zum Ende haben etwa 70 Teilnehmer mitgemacht. Viele konnten den Golden Delicious im Anschluss besser vertragen und hatten auch in der darauffolgenden Heuschnupfensaison weniger Beschwerden“, erläutert Bergmann in der Agenturmeldung.

Der Experte forscht jetzt weiter zu dem Thema und will dabei verstärkt mit Kollegen aus Kasachstan kooperieren.

Denn von dort stammt der Urvater des heutigen Kulturapfels, die Wildart Malus sieversii. „Heuschnupfen-Probleme wie hier kennt man dort nicht“, sagt der Wissenschaftler, der herausfinden will, ob dies am hohen Polyphenolgehalt der dortigen Apfelsorten liegt.

Verträgliche Sorten

Zwar haben Forscher im vergangenen Jahr in einer Studie festgestellt, dass mithilfe eines Apfel-Allergens die Apfelallergie abgeschwächt werden kann, anzuraten ist aber wohl eher, wenn sich Betroffene auf verträgliche Äpfel konzentrieren.

Der BUND Lemgo hat eine Liste mit Apfelsorten zusammengetragen, die für Allergiker verträglich beziehungsweise unverträglich sind.

Den Angaben zufolge machen Allergiker unter anderem mit Berlepsch, Prinz Albrecht von Preußen und Weißem Winterglockenapfel gute Erfahrungen.

Auf einer weiteren Seite haben die Experten Bezugsquellen für alte Obstsorten aufgelistet.

Obst erhitzen oder schälen

Übrigens müssen Allergiker meist nicht auf Apfelkuchen und -kompott verzichten. Warum das so ist, erklärt der Kinderarzt und Allergologe Matthias Kübler gegenüber dem NABU:

„Das für die Apfelallergie in erster Linie verantwortliche Eiweiß wird „mald1“ genannt und ist hitzelabil. Das heißt: durch das Erwärmen beim Kochen oder Backen der Äpfel wird die Eiweißstruktur derart verändert, dass sie nun vom Immunsystem toleriert wird“, so der Mediziner.

Und: „Teilweise genügt sogar bereits das Raspeln der Äpfel, um diese besser verträglich zu machen. Auch das Schälen von Äpfeln kann hilfreich sein, da in der Schale die meisten Allergene stecken.“ (ad)