Allergie-Studie: Ozon verstärkt Pollenallergie und Asthma

Je höher die Ozonbelastung, desto stärker die Allergiebeschwerden

Nicht die Pollen allein machen Allergie-Betroffenen das Leben schwer. Erste Ergebnisse einer neuen Studie stellen weltweit zum ersten Mal einen direkten Zusammenhang zwischen Pollenflug, Ozonbelastung in der Luft und allergischen Beschwerden her. Österreichische Forschende untersuchten die Auswirkungen der Luftverschmutzung in Wien und entdeckten dabei, dass insbesondere das Reizgas Ozon zu stärkeren Lungenbeschwerden bei Allergikern und Asthmatikern führt.


Eine Forschungsgruppe der MedUni Wien und der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg untersuchte in einer aktuellen Studienarbeit wie sich Schadstoffe in der Luft wie Ozon, Stickstoffdioxid, Schwefeldioxid und Feinstaub auf Betroffene auswirken, die unter einer Pollenallergie leiden. „Vor allem Ozon scheint einen Einfluss zu haben, der sich besonders bei Gräser- und Birkenpollenallergie zeigt“, berichtet Uwe E. Berger, der Leiter des Österreichischen Pollenwarndienstes der MedUni Wien. Je höher die Ozonbelastung sei, desto stärker seien auch die Lungenbeschwerden.

Bei hohen Ozonwerten können sich die Lungen schlechter gegen Pollen zur Wehr setzen. (Bild: Budimir Jevtic/fotolia.com)

Verschmutze Luft verstärkt Allergien und andere Beschwerden

Dies erkläre auch, warum es bei manchen Allergie-Betroffenen zu starken Beschwerden kommen kann, obwohl nur wenig Pollen in der Luft sind, erklärt der Allergie-Experte. Die Luftschadstoffe gelangen mit jedem Atemzug in den Körper und verstärken dabei nicht nur allergische Erkrankungen. „Belastungen durch Feinstaub, Stickstoffdioxid oder Ozon beeinträchtigen nachweislich die Gesundheit der Bevölkerung und können sogar die Lebenserwartung verringern“, ergänzt Hans-Peter Hutter, stellvertretender Leiter der Abteilung für Umwelthygiene und Umweltmedizin der MedUni Wien.

Insbesondere Ozon macht der Lunge zu schaffen

„Im Vergleich mit anderen Luftschadstoffen wird dem Reizgas Ozon die schädlichste Wirkung zugeschrieben“, betont Daniel Doberer, Leiter der Asthma-Ambulanz an der Klinischen Abteilung für Pulmologie der MedUni Wien. Ozon könne aufgrund seiner geringen Wasserlöslichkeit tief in die Lungen eindringen und führe zur Bildung von aggressiven Sauerstoffradikalen, die das Atemwegsepithel zerstören. Das Atemwegsepithel ist eine Zellschicht, die den größten Teil der Atemwege überzieht und auf der die Flimmerhärchen sitzen, die die Schadstoffe aus der Lunge befördern. In Folge hoher Ozonbelastung sei diese schützende Schicht für Allergene und andere Luftschadstoffe durchlässiger.

Folgen hoher Ozonbelastung

Der Studie zufolge verspüren Betroffene mit Asthma oder Pollenallergie und Heuschnupfen bei hohen Ozonwerten die direkten Auswirkungen des schädlichen Effekts durch verstärkte Symptome, einer plötzlichen Verschlechterung der Erkrankung und einen erhöhten Bedarf an Medikamenten. „Das geht so weit, dass bei erhöhter Ozonkonzentration deutlich mehr PatientInnen in den Notfall-Ambulanzen landen“, erläutert Doberer.

Von Mai bis September besondere Acht auf Ozon geben

„Intensive Sonneneinstrahlung bringt erhöhte Ozonkonzentrationen“, warnt der Umweltmediziner Hutter auf der Pressekonferenz zu den Studienergebnissen. Insbesondere in den Monaten Mai bis September werden gewöhnlich die höchsten Ozonwerte gemessen. Genau in diesen Monaten seien auch die meisten Pollen in der Luft. Die neue Studie wird für künftige Prognosen eine wesentliche Rolle spielen, so die Forschenden. Denn nun müsse nicht nur der reine Pollenflug, sondern auch das Wetter sowie die Luftqualität berücksichtigt werden. „Wir konnten erstmals zeigen, welche Parameter in welchem Ausmaß zusammenspielen, wenn Patientinnen und Patienten Beschwerden haben“, resümiert Berger.

Experten empfehlen ein Pollen-Tagebuch

Die Expertinnen und Experten der MedUni Wien empfehlen Allergie-Betroffenen ein Pollen-Tagebuch zu führen. Dies gebe es auch bereits in Form einer App. In solch ein Tagebuch tragen Allergikerinnen und Allergiker möglichst täglich ihren Zustand ein und können so mit der Zeit erkennen, welche Faktoren die größten Einflüsse auf die Beschwerden haben und ob eine Behandlung zum erwünschten Erfolg führt. (vb)