Alter und Stress erhöhen erheblich das Krankheitsrisiko

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Alter und Stress beeinflussen das Immunsystem aus epigenetischer Ebene

Mit dem Alter steigt das Risiko zahlreicher Erkrankungen und auch bei hohen Stresspegeln sind vermehrte Erkrankungen und Entzündungsprozesse im Körper festzustellen. Forschende des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie haben nun untersucht, welche epigenetischen Prozesse bei Stress und Alterung die Ursache für das erhöhte Krankheitsrisiko sein könnten.


Stress führt ebenso wie die Alterung zu einem erhöhten Krankheitsrisiko und zu verstärkten Entzündungsprozessen, berichtet das Max-Planck-Instituts für Psychiatrie. Die zugrundeliegenden molekularen Vorgänge seien bislang jedoch unklar. Bekannt war lediglich, dass Alter und Stress sich epigenetisch auswirken. „Ob diese epigenetischen Effekte Moleküle beeinflussen, die an Entzündungsprozessen beteiligt sind“, haben die Forschenden in ihrer aktuellen Studie überprüft. Die Studienergebnisse wurden in dem Fachmagazin „PNAS“ veröffentlicht.

Forschende des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie haben die epigenetischen Auswirkungen von Stress und Alter auf unseren Körper untersucht und deutliche Effekt auf das Immunsystem festgestellt. (Bild: terovesalainen/fotolia.com)

Beschleunigte epigenetische Veränderungen

Die epigenetischen Prozesse bestimmen, ob Gene stärker, schwächer oder überhaupt nicht abgelesen werden. Dabei sind epigenetische Veränderungen im Zuge des Lebens durchaus normal, erläutern die Forschenden. Allerdings werden sie durch den Alterungsprozess sowie durch Stress beschleunigt. Mit steigendem Stress schreite auch das „epigenetische Altern“ schneller voran.

Einfluss auf Entzündungsprozesse

Für die aktuelle Studie hatte das Forschungsteam um Erstautor Anthony S. Zannas die Daten von mehr als 3.000 Teilnehmenden im Alter zwischen 18 und 87 Jahren ausgewertet. Dabei konnten sich nachweisen, „dass epigenetische Veränderungen, die durch Stress und Alter entstanden sind, mit Veränderungen im Immunsystem zusammenhängen, die entscheidend für entzündliche Prozesse bei kardiovaskulären Erkrankungen sind“, so die Mitteilung des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie.

Epigenetische Effekt entschlüsselt

Zellen, die bei der Regulierung des Immunsystems eine entscheidende Rolle spielen, erfahren laut Aussage der Forschenden durch viel Stress eine schnellere epigenetische Alterung, was auch zu einem höheren Risiko für einen Herzinfarkt führt. Der epigenetische Effekt von Stress und Alter habe sich durch die Reduzierung der so genannten Methylierung des Gens FKBP5 gezeigt. Dieses führe letztlich zu einer gesteigerten Entzündungsreaktion durch die Aktivierung des wichtigen Immunregulators NF-kB.

Steigendes Herzinfarkt-Risiko

Dem Erstautor Anthony S. Zannas zufolge können „die durch den Alterungsprozess und Stress hervorgerufenen epigenetischen Veränderungen im Immunsystem ein Risikofaktor für Entzündungen sowie Herzinfarkte sein.“ Bei Herzinfarkt-Patienten seien zudem genau die epigenetischen Veränderungen festzustellen gewesen, die durch vermehrten Stress und den dadurch beschleunigten Alterungsprozess entstehen.

Neue Ansätze für Therapien

Wir konnten einen Mechanismus identifizieren, der verantwortlich sein könnte für die Häufigkeit kardiovaskulärer Erkrankungen bei Personen mit Stress-bedingten psychiatrischen Erkrankungen, erläutert die Direktorin am Max-Planck-Institut für Psychiatrie, Elisabeth Binder. Auch ist es den Forschenden gelungen, durch die Hemmung oder Löschung von FKBP5 in Immunzellen die Reaktion auf das Immunsystem zu unterbinden. „Die beschriebenen epigenetischen Modifikationen sowie die Immunveränderungen könnten als Biomarker dienen und helfen, ein erhöhtes Risiko für Erkrankungen wie einen Herzinfarkt vorherzusagen“, so die Mitteilung des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie. Zudem könne das Wissen um die Zusammenhänge von Stress, Alter und Entzündungsprozessen zu neuen Behandlungsansätzen für Stress-bedingte Erkrankungen führen. (fp)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.