Antibiotika-resistente Keime durch Waschmaschine in Krankenhaus verbreitet

Ein Berg voller Wäsche vor einer geöffneten Waschmaschine

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Waschmaschinen können Antibiotika-resistente Keime verbreiten

Aktuell wurden in einem Kinderkrankenhaus über eine Waschmaschine Antibiotika-resistente Keime verbreitet. In dieser handelsüblichen Waschmaschine, welche auch in Privathaushalten zum Einsatz kommt, wurden die Kleidungsstücke der Neugeborenen gewaschen.


Hygieniker der Universität Bonn haben nachgewiesen, dass Antibiotika-resistente Erreger über Waschmaschinen verbreitet werden. Laut einer Mitteilung erfolgte dieser Nachweis für ein Kinderkrankenhaus, in dem mehrfach ein Klebsiella oxytoca-Typ auf Neugeborene übertragen wurde. Es kam glücklicherweise zu keiner gefährlichen Infektion. Quelle war eine handelsübliche Waschmaschine, in der Kleidung der Neugeborenen gewaschen wurden. Dieser Fall lässt aufhorchen, zumal auch in privaten Haushalten mit zu pflegenden Personen Antibiotika-resistente Bakterien über die Waschmaschine übertragen werden könnten.

Ein Berg voller Wäsche vor einer geöffneten Waschmaschine
Forschende haben herausgefunden, dass in einem Kinderkrankenhaus Antibiotika-resistente Keime über eine Waschmaschine verbreitet wurden. (Bild: jozsitoeroe/fotolia.com)

Bakterium kann schlimmstenfalls zur tödlichen Sepsis führen

Wie es in der Mitteilung heißt, wurde auf der Neugeborenen-Station eines Kinderkrankenhauses in Deutschland bei routinemäßigen Hygiene-Screenings vermehrt das Bakterium Klebsiella oxytoca festgestellt. Dieses Bakterium kann zu Magen-Darm- und Atemwegsinfektionen sowie im schlimmsten Fall zur tödlichen Sepsis führen. Den Angaben zufolge konnten in diesem besonderen Fall gängige Antibiotika gegen diesen Erreger nur eingeschränkt oder überhaupt nicht mehr eingesetzt werden.

Nachdem immer wieder Neugeborene mit dem gefährlichen Keim besiedelt und intensive Hygieneinterventionsmaßnahmen erfolglos waren, zog das Krankenhaus das Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit (IHPH) des Universitätsklinikums Bonn hinzu. „Glücklicherweise war es zu keinen gefährlichen Infektionen bei den Babys gekommen“, so Dr. Daniel Exner, Hygienebeauftragter Arzt der Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie des Universitätsklinikums Bonn.

Um der Quelle sowie möglichen Verbreitungswegen auf die Spur zu kommen, wurden mehrfach Umgebungsproben im Patienten- und Personalbereich und vermuteten Risikoorten mit den Proben der Neugeborenen verglichen. „Dieser Klebsiella oxytoca-Typ war so einzigartig, dass er bisher in dieser Form noch nicht in der Datenbank des Nationalen Referenzzentrums (NRZ) für Gramnegative Krankenhauserreger erfasst war“, erläutert Dr. Dr. Ricarda Schmithausen, Leiterin des One Health-Fachbereiches am IHPH. Diese Besonderheit war ein Vorteil, da sich dadurch der Verbreitungsweg eindeutig nachvollziehen ließ. Weder Eltern noch das Pflegepersonal hatten die Bakterien übertragen.

Keime im Spülfach und am Türgummi

„Der Klebsiella oxytoca-Typ war eindeutig im Spülfach und am Türgummi einer Waschmaschine im Keller nachzuweisen, mit der die handgestrickten Söckchen und Mützchen der Babys auf der Station gewaschen wurden“, erklärt Prof. Dr. Dr. Martin Exner, Direktor des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Universitätskliniken Bonn. Über die Kleidung wurden die Keime dann auf die Neugeborenen übertragen.

Nachdem die Waschmaschine entfernt wurde, wurden auch keine weiteren Besiedelungen der Frühchen nachgewiesen. „Das zeigt eindeutig, dass wir die Klebsiella-Quelle gefunden haben“, sagt Schmithausen. „Es handelt sich um einen Sonderfall.“ In Krankenhäusern sind normalerweise spezielle Waschmaschinen und Waschverfahren im Einsatz, die bei hohen Temperaturen und mit Desinfektionsmitteln waschen, oder ausgewiesene Wäschereien bereiten die Wäsche extern auf.

Auf der Frühgeborenen-Station handelte es sich bei dem etwas länger zurückliegenden Fall jedoch um eine handelsübliche Waschmaschine. „Wir haben uns entschieden, diesen Fall aufzuarbeiten, um auf mögliche Probleme mit resistenten Bakterien, die nun auch weiter in das häusliche Umfeld vordringen, aufmerksam zu machen“, so Schmithausen. Die Ergebnisse der Experten sind im Journal „Applied and Environmental Microbiology“ veröffentlicht worden.

Wäsche bei höheren Temperaturen waschen

In früheren Studien wurde bereits beschrieben, dass sich Antibiotika-resistente Bakterien in Waschmaschinen einnisten können. „Wir haben jedoch erstmals nachgewiesen, dass es durch eine Waschmaschine auch zur Übertragung von antibiotika-resistenten Keimen auf den Menschen kommen kann“, erläutert Prof. Exner. Dieses Resultat habe unter anderem auch Konsequenzen für den häuslichen Bereich, denn aus Umweltschutzgründen gehe bei üblichen Haushaltsmaschinen der Trend zu niedrigeren Temperaturen deutlich unter 60 Grad. Das sei im Prinzip eine sehr positive Entwicklung, weil dadurch Energie eingespart und das Klima geschont werde, so die Forschenden.

Sofern aber pflegebedürftige, ältere Menschen mit offenen Wunden oder Blasenkathetern oder auch jüngere Menschen mit eiternden Verletzungen oder Infektionen im Haushalt lebten, sollte die Wäsche bei höheren Temperaturen – zum Beispiel 60 Grad – gewaschen werden, um die Übertragung von gefährlichen Keimen zu vermeiden. In den Augen der Hygieniker ist dies eine wachsende Herausforderung, weil die Zahl der in Familien versorgten Pflegebedürftigen ständig zunimmt.

Resistente Bakterien auch in Geschirrspülern

Neben Waschmaschinen können auch Spülmaschinen mit resistenten Bakterien befallen sein. Dies haben Forschende der Fakultät Life Sciences der Hochschule Rhein-Waal herausgefunden. In einer Mitteilung erklärten auch sie, dass höhere Waschtemperaturen schützen können: „Antibiotikaresistente Bakterien können den üblichen Waschbedingungen zwar besser standhalten als nicht resistente Stämme, aber höhere Temperaturen und der Einsatz von Waschmitteln mit Sauerstoffbleiche können selbst diese Keime sicher entfernen“, so Professor Dr. Dirk Bockmühl, Professor für Hygiene und Mikrobiologie an der Hochschule Rhein-Waal und Leiter der Studie, die im „Journal of Applied Microbiology“ veröffentlicht wurde. (ad)

Autor:
Alfred Domke
Quellen:
  • Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn: Waschmaschine verbreitete antibiotika-resistente Keime, (Abruf: 30.09.2019), Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
  • Applied and Environmental Microbiology: The washing machine as a reservoir for transmission of extended spectrum beta-lactamase (CTX-M-15)-producing Klebsiella oxytoca ST201 in newborns, (Abruf: 30.09.2019), Applied and Environmental Microbiology
  • Hochschule Rhein-Waal: Antibiotikaresistente Erreger in Haushaltsgeräten, (Abruf: 30.09.2019), Hochschule Rhein-Waal
  • Journal of Applied Microbiology: Prevalence of β‐lactamase genes in domestic washing machines and dishwashers and the impact of laundering processes on antibiotic‐resistant bacteria, (Abruf: 30.09.2019), Journal of Applied Microbiology

Wichtiger Hinweis:
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