Augenverletzungen durch Silvester-Feuerwerk: Jeder zweite Betroffene ist nur Zuschauer

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Silvesternacht: Augenverletzungen durch Raketen und Böller

Zum Jahreswechsel werden wieder Millionen Raketen und Böller gezündet. Und wie jedes Jahr wird es durch das Feuerwerk in der Silvesternacht wieder zu zahlreichen Verletzungen kommen. Wie Untersuchungen zeigten, sind häufig unbeteiligte Personen betroffen.


Gefahren durch legale Feuerwerkskörper

Millionen Menschen in Deutschland werden in der Silvester-Nacht das neue Jahr wieder mit Raketen und Böllern begrüßen. Wie jedes Jahr warnen Mediziner zum Jahreswechsel vor den Gefahren durch Silvester-Feuerwerk. Was viele nicht bedenken: Nicht nur selbst gebaute und nicht zugelassene Sprengkörper, sondern auch legale Knaller, stellen ein enormes Risiko dar. Gefährdet sind unter anderem die Augen.

Das Feuerwerk in der Silvesternacht sorgt jedes Jahr für Hunderte Augenverletzungen. Betroffen sind oft unbeteiligte Personen. (Bild: skatzenberger/fotolia.com)

Augenverletzungen durch Pyrotechnik

Wie die DOG – Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft in einer Mitteilung berichtet, wurden in den Tagen und Nächten um Silvester 2016 und 2017 von deutschen Augenkliniken weit über 800 Augenverletzungen durch Pyrotechnik gemeldet.

Den Angaben zufolge hatte die Hälfte der Betroffenen den verantwortlichen Knallkörper gar nicht selbst gezündet, sondern war nur Passant oder Zuschauer.

Die DOG – Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft ruft deshalb erneut zu einem verantwortungsbewussteren Umgang mit Raketen und Böllern auf: Laut den Experten gehören Feuerwerkskörper in die Hände von ausgebildeten Profis.

Viele Kinder und Jugendliche betroffen

Den Angaben zufolge sind fast 40 Prozent der Betroffenen, die sich um den Jahreswechsel in einer Augenklinik vorgestellt haben, Kinder oder Jugendliche im Alter von ein bis 17 Jahren.

Rund 60 Prozent der Patienten sind 25 Jahre oder jünger. Das sind die Ergebnisse einer Umfrage der DOG an deutschen Augenkliniken.

Drei Viertel der Patienten kommen mit vergleichsweise „leichten“ Verletzungen an Augenlid, Hornhaut oder Bindehaut davon, die ambulant behandelt werden können.

Doch jeder vierte Patient erleidet eine schwere Verletzung, die stationär oder sogar in einer Notoperation behandelt werden muss.

Dazu zählen Prellungen oder Risse im Augapfel, häufig kombiniert mit Lid- und Oberflächenverletzungen. Jeder zehnte muss mit einer Folgeoperation, Sehminderung oder dauerhaften Erblindung rechnen.

„Der hohe Anteil an unbeteiligten Passanten und Minderjährigen unter den Verletzten ist alarmierend“, so Dr. med. Ameli Gabel-Pfisterer, Augenärztin am Ernst von Bergmann-Klinikum in Potsdam.

Manche Unfallopfer berichteten sogar mit den Feuerwerks- oder Knallkörpern beworfen worden zu sein.

Argumente für ein Verkaufsverbot für Feuerwerkskörper

Zum Jahreswechsel 2016/2017 hat die DOG erstmals eine Erhebung an deutschen Augenkliniken initiiert, um die Anzahl der Betroffenen, Art und Ausmaß der Verletzungen statistisch erfassen zu können.

Deren Resultate wurden durch eine zweite Umfrage im vergangenen Jahr bestätigt.

„Unsere Ergebnisse insbesondere zur Anzahl verletzter Kinder, Jugendlicher und junger Erwachsener sind mit denen internationaler Studien vergleichbar“, sagt Professor Dr. med. Hansjürgen Agostini von der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg.

Die Zahlen liefern weitere Argumente für ein Verkaufsverbot für Feuerwerkskörper an Privatpersonen, wie die Fachgesellschaft International Council of Ophthalmology (ICO) es im Jahr 2016 erstmals gefordert hat.

„Wer die Silvesternacht unbeschadet überstehen möchte, überlässt die Knallerei den Händen ausgebildeter Profis“, rät Gabel-Pfisterer.

Wer gar nicht auf das Spektakel verzichten möchte, sollte zu seiner eigenen Sicherheit eine Schutzbrille tragen. Kinder und alkoholisierte Erwachsene sollten gar nicht mit Sprengstoff hantieren. (ad)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.