Beim Abnehmen: Essen aktiviert braunes Fettgewebe

Alfred Domke

Durchs Essen nimmt Thermogenese von braunem Fett zu

Weil braune Fettzellen Energie verbrauchen, könnten sie der entscheidende Schlüssel zum Abnehmen und wichtig zur Prävention von Übergewicht und Diabetes sein. Forscher konnten nun nachweisen, dass braunes Fett durchs Essen aktiviert wird.


Braunes Fett hilft beim Abnehmen

Im vergangenen Jahr berichteten US-Forscher über ein neues Fett-Weg-Pflaster, das beim Abnehmen helfen soll, indem weißes Fett, welches normalerweise Energie abspeichert, in braunes Fett umgewandelt wird, welches die Energie verbrennt. Auch ein von Forschern aus Singapur konzipiertes Medizinpflaster, mit dem es gelang das Bauchfett um mehr als 30 Prozent zu reduzieren, basiert auf dieser Wirkung. Und erst vor wenigen Monaten wurde eine Studie veröffentlicht, die zeigte, dass Menschen mit einem deutlich größeren Anteil an braunem Fett trotz höherer Nahrungszufuhr kein Übergewicht bekommen. Nun haben Forscher nachgewiesen, dass braunes Fett durchs Essen aktiviert wird.

Braune Fettzellen verbrauchen Energie. Sie könnten deshalb wichtig sein zur Prävention von Übergewicht und Diabetes. Forscher konnten nun nachweisen, dass braunes Fett durchs Essen aktiviert wird. (Bild: Kurhan/fotolia.com)

Energie von Speicherfetten wird verbrannt

Braunes Fettgewebe beim Menschen ist Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen, denn es verfügt über die genau gegenteilige Funktion des weißen Fettgewebes, das Energie in Form von Speicherfetten, den sogenannten Triacylglyceriden, vorhält.

Braunes Fett verbrennt nämlich die Energie dieser Speicherfette (Thermogenese).

Die Aktivität dieses physiologisch besonders günstigen Fettgewebes ändert sich allerdings und nimmt mit dem Alter ab, genauso wie bei Adipösen und Diabetikern.

Deshalb wird nach Möglichkeiten gesucht, die Thermogenese durch braunes Fett anzufeuern und zur Prävention von Adipositas und Diabetes zu nutzen.

Verbesserte Kontrolle des Blutzuckers

In diesem Zusammenhang war bisher nur eine Option bekannt: Kälteinduzierte Thermogenese.

„In Studien zeigte sich, dass bei den Probanden, die täglich Stunden in der Kältekammer verbrachten, im Laufe der Kälteanpassung nicht nur die Heizleistung des Braunen Fetts in Kälte gesteigert wurde, sondern sich auch die Kontrolle des Blutzuckers durch Insulin verbesserte“, erklärte Professor Martin Klingenspor von der Technischen Universität München (TUM) in einer Mitteilung.

Wissenschaftler der TUM konnten nun in Zusammenarbeit mit einem internationalen Team nachweisen, dass durchs Essen die Thermogenese von braunem Fett zunimmt, und nicht nur durch Kälte, wie bisher angenommen.

Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachmagazin „Cell Metabolism“ veröffentlicht.

Wie braunes Fettgewebe aktiviert wird

Für die aktuelle Studie der University of Turku (Finnland) in Zusammenarbeit mit internationalen Experten, darunter Professor Martin Klingenspor mit seinem Team vom Else Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin der TUM, wurde untersucht, wie sich eine kohlenhydratreiche Mahlzeit auf die Aktivität des braunen Fettgewebes auswirkt.

„Dabei konnte zum ersten Mal gezeigt werden, dass die Wärmebildung im Braunen Fettgewebe durch eine Testmahlzeit genauso aktiviert wird wie durch die Kälteexposition“, fasst der Forscher das Ergebnis zusammen.

Den Angaben zufolge wurden für die Studie die gleichen Probanden zweimal untersucht: Einmal nach einer Kälteexposition, und ein zweites Mal nach dem Verzehr einer kohlenhydratreichen Mahlzeit. Zudem gab es zusätzlich eine Kontrollgruppe.

Vorher und danach wurden wichtige Marker für die Thermogenese gemessen, darunter nicht nur Glukose- und Fettsäureaufnahme, sondern auch der Sauerstoffverbrauch im braunen Fett.

Dabei kam die indirekte Kalorimetrie in Kombination mit der Positronen-Emissions-Tomographie und Computertomographie (PET/CT) zum Einsatz.

Energie verpufft

„Zehn Prozent der pro Tag aufgenommenen Energie verpuffen durch die thermogene Wirkung der Nahrung“, erläutert Prof. Martin Klingenspor.

Diese postprandiale Thermogenese nach dem Essen beruht nicht nur auf obligater Wärmebildung durch im Darm einsetzende Muskeltätigkeit, Sekretion und Verdauungsprozesse. Es gibt offenbar auch einen fakultativen Anteil, zu dem das braune Fett einen Beitrag leistet.

Weiterer Gegenstand der Untersuchungen wird nun sein, herauszufinden, ob es sich dabei einfach um Energie handelt, die „verpufft“ oder ob dieses Phänomen eine andere Funktion hat.

„Wir wissen mittlerweile, dass die Aktivierung des Braunen Fettgewebes mit einem Sättigungsgefühl verbunden sein könnte“, sagt Klingenspor. Das sollen nun weitere Studien zeigen. (ad)