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Biorhythmus: Morgens sind Virusinfektionen wesentlich riskanter

Alfred Domke
Verfasst von Alfred Domke, Redakteur für Gesundheits-News
19. September 2016
in News
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Vireninfektionen: Tageszeit beeinflusst Anfälligkeit für Krankheiten
Laut britischen Forschern spielt es eine bedeutende Rolle, zu welcher Tageszeit Menschen mit Viren in Kontakt kommen. In einer Studie stellten sie fest, dass der Biorhythmus anscheinend die Anfälligkeit für Krankheiten beeinflusst. Die neuen Erkenntnisse könnten womöglich für die Wahl des Zeitpunkts von Impfungen von Nutzen sein.

Manche Menschen werden eher krank
Obwohl sich jeder Mensch mit unzähligen Erregern infizieren kann, werden manche eher krank, andere hingegen fast nie. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass einige Menschen eine stärkere Anfälligkeit für Infekte haben. Etwa, weil ihr Immunsystem aufgrund von viel Stress oder ungesunder Ernährung geschwächt ist. Auch die Schwere einer Infektionskrankheit ist nicht bei allen Patienten gleich. Warum das so ist, könnte möglicherweise mit dem Zeitpunkt der Ansteckung zusammenhängen, wie britische Forscher herausgefunden haben.

Zeitpunkt der Ansteckung beeinflusst Schwere einer Krankheit
Das Wissenschaftlerteam stellte fest, dass die Tageszeit für die Schwere einer Vireninfektion eine wichtige Rolle spielt. Ihre Untersuchung zeigt, dass sich Herpesviren bei Mäusen drastisch schneller vermehren, wenn sich die Tiere zu Beginn ihrer Ruhephase infizieren.

Wie das Team um Professor Akhilesh Reddy von der britischen Universität Cambridge in einer Mitteilung der Hochschule schreibt, könnte die Entdeckung teilweise erklären, warum bei Impfungen auch die Tageszeit eine Rolle spiele, warum Schichtarbeiter anfällig für Erkrankungen sind oder warum Infektionskrankheiten eher im Winter auftreten.

„Eine Ansteckung zur falschen Tageszeit könnte eine viel schwerere akute Infektion verursachen“, so die Studienautoren. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden in den „Proceedings“ der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften („PNAS“) veröffentlicht.

Zehnmal höherer Virusspiegel
Wie der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) auf seiner Webseite „kinderaerzte-im-netz.de“ schreibt, sind Viren – im Gegensatz zu Bakterien und Parasiten – davon abhängig, sich in eine fremde Zelle einzuschleusen, um sich zu vermehren. Die Zellen durchlaufen im Verlauf eines Tages aber bestimmten Veränderungen – das Muster, dem sie folgen, ist auch als „innere Uhr“ bekannt.

Die britischen Forscher infizierte in ihrer Untersuchung Mäuse entweder mit dem Grippe- oder mit dem Herpes-Virus. Es zeigte sich, dass die Tiere, die am Morgen in Kontakt mit den Viren kamen, einen zehnmal höheren Virusspiegel hatten, als diejenigen, die sich abends ansteckten. „Der Versuch der Viren, eine Fabrik einzunehmen, nachdem alle Arbeiter nachhause gegangen waren, war ein Fehlschlag“, sagte Professor Akhilesh Reddy in einem Interview mit der BBC. Die Tageszeit mache einen großen Unterschied. Es könnte beispielsweise bei Pandemien eine Rolle spielen, ob Menschen tagsüber zuhause blieben.

Warum treten bestimmte Krankheiten im Winter häufiger auf?
Rund zehn Prozent der Gene verändern ihre Aktivität in Abhängigkeit von der „inneren Uhr“ im Laufe des Tages und damit die Anweisungen, die sie an den Körper geben. Die Wissenschaftler konzentrierten sich laut BVKJ auf ein Gen, das diese innere Uhr mit bestimmt, das Bmal1.

Dieses Gen zeigt nachmittags sowohl bei Mäusen als auch bei Menschen die höchste Aktivität. Am Morgen, wenn Lebewesen besonders anfällig für Infektionen sind, ist die Aktivität am geringsten. Auch in den Wintermonaten zeigt das Gen weniger Aktivität bei Menschen – möglicherweise eine Erklärung dafür, warum Menschen in dieser Jahreszeit vermehrt zu Infektionen neigen. Dafür könnte es allerdings auch andere Erklärungen geben.

So berichteten Wissenschaftler der Cambridge Universität im vergangenen Jahr im Fachmagazin „Nature Communications“, dass sich unser Immunsystem mit den Jahreszeiten verändert. Ihre Entdeckung biete laut den Experten eine mögliche Erklärung dafür, dass bestimmte Krankheiten im Winter öfter oder schlimmer auftreten und Menschen in den Sommermonaten eher gesund bleiben.

Grippeimpfung am Morgen effektiver
Die Resultate der aktuellen Untersuchung könnten laut den Studienautoren auch erklären, warum Schichtarbeiter, deren Körperuhr gestört ist, anfällig für chronische Erkrankungen seien, möglicherweise auch für Viruserkrankungen. Zudem könnte die Effektivität von Impfungen von der Tageszeit abhängen. Darauf hatte erst kürzlich eine Studie an Menschen ab 65 Jahren hingewiesen.

Das Team um Anna Phillips von der britischen Universität Birmingham hatte im Fachblatt „Vaccine“ berichtet, dass Grippeimpfungen am Morgen im Vergleich zu solchen am Nachmittag die Produktion von Antikörpern innerhalb eines Monats stärker ankurbelten. (ad)

Autoren- und Quelleninformationen

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

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