Bluttest kann Geburtstermin und Wahrscheinlichkeit einer Frühgeburt identifizieren

Neuer Bluttest könnte viele Tode durch Frühgeburten verhindern

Wissenschaftler haben jetzt einen kostengünstigen Bluttest entwickelt, um das sogenannte Fälligkeitsdatum einer schwangeren Frau vorherzusagen. Durch diesen Test soll dann auch die Wahrscheinlichkeit für eine Frühgeburt festgestellt werden. Dies könnte tausenden Frühgeborenen das Leben retten.


Die Wissenschaftler der Stanford University entwickelten bei ihrer aktuellen Forschungsarbeit einen neuen Bluttest, welcher bei Schwangeren den Tag der Geburt und das Risiko für eine Frühgeburt feststellen kann. Die Mediziner publizierten die Ergebnisse ihrer Studie in dem englischsprachigen Fachblatt „Science“.

Viele Mütter haben Angst vor einer Frühgeburt und ihren Folgen. Ein neuer Bluttest kann bei Schwangeren das Fälligkeitsdatum und die Wahrscheinlichkeit für eine Frühgeburt feststellen. (Bild: Rido/fotolia.com)

Wie genau war der Test?

Der Test, der Veränderungen der im Blut zirkulierender RNA bei schwangeren Frau erkennt, schätzte die Fälligkeit für die nächsten zwei Wochen in fast der Hälfte der Fälle sehr genau ein. Dies war so genau, wie die aktuell verwendete Methode zur Bestimmung des Fälligkeitsdatums (Ultraschall) und genauer, als die Berechnung des Datums auf Grundlage der letzten Menstruation der Frau, erläutern die Experten.

Test könnte Kaiserschnitt-Geburten verhindern

Mit einer ähnlichen Analyse von RNA im Blut von acht Frauen, die eine vorzeitige Geburt erlebten, konnten die Forscher sechs der Schwangerschaften als Frühgeburten richtig einstufen. Wenn größere Studien vergleichbare Ergebnisse erzielen, könnte der Test zu einem Tool werden, um unnötige Geburtseinleitungen oder Kaiserschnitt-Geburten zu verhindern, erklären die Autoren der Studie. Außerdem könnte das Leben von Babys gerettet werden, die normalerweise wegen ihrer zu frühen Geburt verstorben wären. Eine Frühgeburt ist die Hauptursache für den Tod von Neugeborenen in den Vereinigten Staaten, fügen die Forscher hinzu. Jedes Jahr werden etwa 15 Millionen Babys weltweit vorzeitig geboren.

RNA-Signale verändern sich mit fortschreitender Schwangerschaft

Bei der Studie untersuchten die Wissenschaftler unter der Leitung von Dr. Mads Melbye vom Statens Serum Institute in Dänemark das Blut von 31 dänischen Frauen. In jeder Woche der Schwangerschaft wurde eine Blutprobe entnommen und analysiert. Die Forscher untersuchten Gene, die mit der Plazenta, dem mütterlichen Immunsystem und der fetalen Leber verbunden sind, und fanden dabei heraus, dass neun dieser Gene RNA-Signale produzieren, die sich mit fortschreitender Schwangerschaft deutlich verändern.

Vorhersagen waren im zweiten und dritten Trimester am zuverlässigsten

Dr. Quake, der auch schon den ersten nicht-invasiven pränatalen Bluttest für das Down-Syndrom erfand, sagte, dass die relevanten Gene für das Gestationsalter in der Plazenta liegen und die Vorhersagen des Tests im zweiten und dritten Trimester am zuverlässigsten sind.

Weitere größere Studien sind nötig

Die Forscher wendeten den Test bei zwei Gruppen von Frauen mit dem Risiko für eine Frühgeburt an: Schwangere mit vorzeitigen Kontraktionen und Patientinnen, die bereits eine Frühgeburt bei einer vorherigen Schwangerschaft erlitten hatten. Bei der Analyse des Blutes einiger Frauen, die eine Frühgeburt hatten, identifizierte das Team sieben weitere Gene, die Einfluss auf die Frühgeburten zeigen. Dr. Quake zufolge entwickelt das Team jetzt Pläne für eine große klinische Studie an der Allgemeinbevölkerung.

Bluttest kann Ultraschall vermutlich nicht ersetzen

Die Studie zeigt, dass es molekulare Meilensteine gibt, die vom Fötus und von der Plazenta erreicht werden und die mit einem Bluttest erfasst werden können. Zwar wird der Bluttest Ultraschall-Untersuchungen nicht ersetzen können, weil eine solche Untersuchung auch andere wichtige Informationen liefert, er könnte jedoch ein zuverlässiges Tool zur Identifizierung von Hochrisikoschwangerschaften werden, betonen die Forscher. (as)