Sepsis: Vitamin-C-Therapie verbessert die Überlebensraten

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Quellen ansehen

Vitamin-C-Therapie zur Behandlung von Sepsis geeignet

Die Behandlung mit Vitamin-C-Injektionen kann laut einer aktuellen Studie die Überlebensraten bei Blutvergiftungen signifikant erhöhen. „Diese Therapie könnte die Art und Weise, wie wir Sepsis-Patienten behandeln, verändern. Wir haben vielleicht eine lebensrettende Therapie gefunden“, so Studienleiter Dr. Alpha A. Fowler von der Virginia Commonwealth University in einer Pressemitteilung zu den Studienergebnissen.


Auf den ersten Blick scheint das Ergebnis der aktuellen Studie etwas enttäuschend, da keine positiven Effekte der Vitamin-C-Therapie auf Organfunktionsstörung, Entzündungsmarker und Gefäßverletzungen festgestellt werden konnten. Doch beobachtete das Forschungsteam gleichzeitig eine deutlich reduziert Mortalität in der Versuchsgruppe. Die Wahrscheinlichkeit, an einer Sepsis zu versterben, wurde durch die Vitamin-C-Therapie massiv gesenkt. Die Ergebnisse der Studie wurden in dem Fachmagazin „JAMA“ veröffentlicht.

Klemmbrett mit Informationen zu Sepsis und Medikamente
Bei einer Sepsis kann durch die Vitamin-C-Therapie die Sterblichkeit der Betroffenen deutlich reduziert werden. (Bild: Zerbor/fotolia.com)

Was ist eine Sepsis?

Die Sepsis (Blutvergiftung) ist eine Abwehrreaktion auf eine ausufernde Infektion, bei der schlimmstenfalls ein Multiorganversagen und der Tod drohen. Sie ist eine der häufigsten Todesursachen bei stationären Aufenthalten und wird allein in den USA für rund 300.000 Todesfällen pro Jahr verantwortlich gemacht, berichtet das Forschungsteam. Oftmals dringen die Erreger zum Beispiel im Zuge einer Lungenentzündung über Mikroverletzungen der Atemwege in den Körper ein.

Vitamin-C-Therapie im klinischen Test

In der aktuellen Studie hat das Forschungsteam nun untersucht, „ob Vitamin C eine effektivere Therapie gegen Organversagen ist als der aktuelle Standard der Versorgung bei Sepsis.“ Auf sieben medizinischen Intensivstationen in US-Kliniken wurden 167 Patienten mit Sepsis und akuten Atemwegsbeschwerden entweder mit einem Placebo (Dextrose 5% in Wasser; 83 Teilnehmende) oder einer Vitamin-C-Therapie (alle sechs Stunden 96 Stunden lang intravenös Vitamin C; 84 Teilnehmende) versorgt.

Kürzere Zeit auf der Intensivstation und im Krankenhaus

Zwar konnten in dieser Studie keine Beweise dafür gefunden werden, „dass Vitamin C das sepsisbedingte Organversagen verbessert, aber es hat die Verweildauer der Patienten im Krankenhaus deutlich reduziert“, berichtet Dr. Fowler. Im Durchschnitt habe die Vitamin-C-Gruppe nach einem Zeitraum von vier Wochen drei Tage weniger auf der Intensivstation (sieben Tage im Vergleich zu zehn Tagen) verbracht. Auch seien sie nach zwei Monaten durchschnittlich eine Woche weniger im Krankenhaus (15 Tage gegenüber 22) gewesen als die Teilnehmenden der Placebo-Gruppe.

Reduzierte Sterblichkeit durch Vitamin-C-Therapie

Darüber hinaus hat die intravenöse Vitamin-C-Therapie die Sterblichkeit bei einer Sepsis von 46 Prozent in der Placebo-Gruppe auf unter 30 Prozent in der Vitamin-C-Gruppe reduziert (vier Wochen nach Behandlungsbeginn). Die Vitamin-C-Therapie könnte die Behandlung der Sepsis verändern, so die Hoffnung der Forschenden. „Wir haben vielleicht eine lebensrettende Therapie gefunden”, betont Fowler. Zwar seien weitere Forschungen erforderlich, doch die Ergebnisse dieser ersten randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten multizentrischen Studie über Vitamin C und seine möglichen Auswirkungen auf die Sepsis seien ermutigend.

Vitamin-C-Therapie vielseitig einsetzbar

Möglicherweise werden in zukünftigen Untersuchungen auch noch bessere Ergebnisse erreichbar, da höhere Dosen von Vitamin C und längere Einnahmezeiten einen großen Unterschied machen könnten, so Fowler. Der Experte verweist zudem auf weitere Anwendungsmöglichkeiten der Vitamin-C-Therapie wie beispielsweise bei Vorhofflimmern und anderen Herzkrankheiten, die häufig Entzündungen zur Folge haben. „Die Liste der möglichen Anwendungen für die Vitamin-C-Therapie wird immer länger“, so Fowler. So werde aktuell auch die Anwendung der Vitamin-C-Therapie bei Mukoviszidose und Kopfverletzungen untersucht. (fp)

Autor:
Dipl. Geogr. Fabian Peters
Quellen:
  • Virginia Commonwealth University: New study links vitamin C therapy to better survival rates after sepsis (veröffentlicht 01.10.2019), Virginia Commonwealth University
  • Alpha A. Fowler, Jonathon D. Truwit, R. Duncan Hite, et al.: Effect of Vitamin C Infusion on Organ Failure and Biomarkers of Inflammation and Vascular Injury in Patients With Sepsis and Severe Acute Respiratory FailureThe CITRIS-ALI Randomized Clinical Trial; in:JAMA, Volume 322, Issue 13, 2019, jamanetwork.com

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.