Über die Nahrung aufgenommenes Formaldehyd kann bei Diabetes das Risiko für schwere Komplikationen erhöhen. So scheint Formaldehyd nicht nur den Blutzucker zu destabilisieren, sondern auch die Insulinwirkung zu stören und gleichzeitig das Gehirn zu schädigen.
Ein Forschungsteam unter Beteiligung von Fachleuten der Wenzhou Medical University in China hat untersucht, wie Formaldehyd die Entwicklung von Insulinresistenz und kognitiven Beeinträchtigungen bei Diabetes beeinflusst. Die Ergebnisse sind in dem Fachjournal „Nutrition & Diabetes“ nachzulesen.
Erhöhte Formaldehydspiegel bei Diabetes
Formaldehyd ist eine Substanz, die in kleinen Mengen im menschlichen Stoffwechsel entsteht und die auch in vielen Lebensmitteln vorkommt, erläutern die Forschenden.
Die aktuelle Übersichtsarbeit zeige, dass sowohl in Tiermodellen mit Diabetes als auch bei Menschen mit Diabetes erhöhte Formaldehydspiegel im Blut, in Organen wie der Leber und Milz sowie im Gehirn nachweisbar sind.
Besonders problematisch ist laut dem Team, dass ein wahrer Teufelskreis entsteht, wenn durch Formaldehyd induzierte Hyperglykämie und hohe Blutzuckerwerte wiederum die Bildung von Formaldehyd verstärken, was diabetische Komplikationen beschleunigt.
So löst Formaldehyd Insulinresistenz aus
Die Fachleute identifizierten drei Mechanismen, über die überschüssiges Formaldehyd eine Insulinresistenz auslöst. So führte das Formaldehyd zu Veränderungen der biologischen Struktur des Insulins, es reduzierte die Insulinrezeptoren auf Zelloberflächen und veränderte zusätzlich die Struktur der Rezeptoren selbst.
Schwächung der kognitiven Fähigkeiten
Hinzu kommt, dass Formaldehyd im Gehirn die sogenannten NMDA-Rezeptoren hemmt, die wichtige Andockstellen für Lern- und Gedächtnisprozesse bilden. Dies kann einerseits die kognitiven Fähigkeiten schwächen und andererseits die Insulinresistenz im Gehirn verstärken.
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Neue Behandlung von Diabetes in Aussicht
Die Ergebnisse der neuen Studie heben die zentrale Rolle von Formaldehyd aus Nahrungsmitteln bei Diabetes hervor. Und die Reduzierung von Formaldehyd durch Formaldehydfänger (Substanzen, die den Stoff im Körper neutralisieren) könnte auch eine neue Strategie zur Behandlung von Diabetes darstellen, so das Forschungsteam.
Außerdem erscheint es bei Diabetes ratsam, bewusst darauf zu achten, möglichst wenig Lebensmittel mit erhöhten Mengen von Formaldehyd zu sich zu nehmen. Solche Lebensmittel sind beispielsweise Shiitakepilze und Salzwasserfische, aber auch verschiedene Obst- und Gemüsesorten enthalten durchaus relevanten Mengen.
Stark verarbeitete Produkte, die durch Konservierung zusätzlich Formaldehyd freisetzen können, sollten ebenfalls besser gemieden werden, und auch einige alkoholische Getränken sowie das Rauchen können zur Formaldehydaufnahme beitragen. (as)
Autoren- und Quelleninformationen
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.
- Hanyuan Xu, Haishu Chen, Yihao Li, Tiancheng Luo, Danrui Zhao, et al.: Dietary formaldehyde: a silent aggravator of diabetes and cognitive impairments; in: Nutrition & Diabetes (veröffentlicht 19.08.2025), Nutrition & Diabetes
Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.